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Göttingen Ganztagsschulprojekt in Rosdorf gescheitert
Die Region Göttingen Ganztagsschulprojekt in Rosdorf gescheitert
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20:28 04.11.2010
Wird vorerst keine offene Ganztagsschule: die Heinrich-Grupe-Schule in Rosdorf.
Wird vorerst keine offene Ganztagsschule: die Heinrich-Grupe-Schule in Rosdorf. Quelle: CR
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Weil sich das Land Niedersachsen künftig offensichtlich nicht mehr an der Finanzierung des Personals für diese Schulform beteiligen wird, setzte die SPD-Mehrheitsfraktion im Rat der Gemeinde Rosdorf einstimmig einen Schlussstrich unter das Projekt. Grundsätzlich halte man jedoch an dem Ziel fest, die HGS in eine Ganztagsschule umzuwandeln, betonte die SPD – allerdings nur, wenn das Land „wie bisher die Kosten für die pädagogische Betreuung der Kinder in vollem Umfang übernimmt“.

Das indes könnte dauern, das weiß auch die SPD. So verwies Fraktionschef Jörg Kunkel denn auch auf die „sehr schwierige Haushaltslage“ der Gemeinde, „die uns viele wichtige Projekte nicht möglich macht“. Das hohe Engagement von Eltern, Lehrern und Schulleitung habe man „im Blick“, aber das Verhalten der schwarz-gelben Landesregierung, die Steuergeschenken für Hoteliers zustimme, bei der Finanzierung von Ganztagsschulen aber kneife, sei nicht zu akzeptieren. So gerne die SPD auch eine Ganztagsschule in Rosdorf schaffen würde, „im Augenblick sind uns die Hände gebunden“, sagte Kunkel.

CDU-Fraktionschef Jörg Winter sprach von einer „ganz, ganz schwierigen Angelegenheit“. Dass das Land sich aus der Finanzierung offener Ganztagsschulen zurückziehe, „das bedaure ich sehr“. Es sei schwierig, „in den letzten zwölf Monaten ein überzeugter Christdemokrat zu sein“. Dennoch müsse man sich fragen, ob man wegen 17 000 Euro das ganze Projekt verschieben sollte. Eventuell zögen sich dann viele Eltern und andere Engagierte zurück, „die jetzt mitgeholfen haben“. Zudem befürchte er, so Winter: „Wenn wir die Entscheidung jetzt nicht treffen, kann der Zug abgefahren sein.“

Ursula Barking (Grüne) forderte den Rat auf, mutig zu sein. Es ärgere sie maßlos, bei einer solch wichtigen Entscheidung „auf kleinen Posten rumzureiten. Das geht einfach nicht in meinen Kopf rein.“ Die Gemeinde sei dermaßen verschuldet, „da fallen 17 000 Euro nicht mehr auf“. Vielmehr müsse man versuchen, das Geld an anderer Stelle zu sparen, zum Beispiel bei Fraktionszuschüssen oder Büchereien. „Es geht um nur 17 000 Euro“, sagte auch Gerhard Winter (CDU).

Diese 17 000 Euro müsse man aber jährlich aufbringen, entgegnete Peter Reindler (SPD). Und Markus Lingemann (SPD) ergänzte, dass die zugesagten Zuschüsse der Freudenbergstiftung und des Amtsgerichtes keinesfalls sicher seien und schon gar nicht dafür aufgewendet werden dürften, die Lücke zu schließen, die durch den Rückzieher des Landes erst entstanden sei.

Mit der Entscheidung ist das Kapitel Ganztagsschule in Rosdorf erst einmal beendet. Denn nur wenige glauben, dass es in den kommenden Jahren gelingen wird, alle Beteiligten wieder an einen Tisch zu bekommen und das Projekt erneut in Angriff zu nehmen. Das Kollegium jedenfalls, sagte HGS-Schulleiterin Lilo Ziegler-Mehrtens gegenüber dem Tageblatt, sei „enttäuscht bis zum geht nicht mehr. Drei Jahre Arbeit wurden in den Sand gesetzt.“ Das Projekt sei für die nächsten Jahre „gestorben“.

Von Andreas Fuhrmann

Kommentar von Von Andreas Fuhrmann

Wer kneift denn nun, das Land oder die Rosdorfer SPD? Die banale Antwort: beide. Dass sich die Sozialdemokraten aber ausgerechnet an 17 000 Euro jährlichen Mehrkosten stören, macht stutzig. Denn sie waren es auch, die 100 000 Euro für die Sanierung der kleinen Freibäder, 120 000 Euro für das Dorfgemeinschaftshaus in Lemshausen und 80 000 Euro für den Hort in Dramfeld abgenickt haben. Die Zahlen zeigen: Es geht nicht in erster Linie ums Sparen, mit dem Votum gegen die Ganztagsschule soll dem Land ein Denkzettel verpasst werden. Wenn das mal nicht zum Bumerang wird. afu