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Göttingen Gebührenfalle statt Cabriolet
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17:54 17.07.2009
Vorsicht: Statt A-3-Cabrio-Gewinn droht Kostenfalle.
Vorsicht: Statt A-3-Cabrio-Gewinn droht Kostenfalle. Quelle: Audi
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„Ich rufe im Auftrag vom Gewinnclub Deutschland an. Die Nummer Ihres Telefonanschlusses wurde heute ausgelost, und Sie sind der glückliche Gewinner eines neuen Audi Cabriolets im Wert von 25 000 Euro oder eines Geldpreises in bis zu gleicher Höhe. Ist das eine tolle Überraschung?“

Herr Sommers Stimme klingt sympathisch. Schließlich sollen die Angerufenen dazu bewogen werden, eine teure 0900er-Nummer anzurufen, um sich den vermeintlichen Gewinn zu sichern. „Ohne die fehlenden Angaben können wir den Gewinn leider nicht zustellen, und damit Ihr Anspruch nicht verfällt, rufen Sie bitte sofort in unserem Callcenter an“, rät Herr Sommer eindringlich und nennt gleich mehrfach die Nummer.

Bei den jüngsten Fällen handelt es sich um 0900- 3030120, -3080810 und -5120540-Nummern. Elke Tiebel von der Göttinger Verbraucherzentrale lobt: „Die Göttinger lassen sich nicht so schnell hinters Licht führen.“ Vorsorglich rät sie allen anderen: „Bloß nicht zurückrufen.“ Denn dabei handelt es sich um eine sogenannte Mehrwertdiensterufnummer, für die saftige Gebühren fällig werden. So saftig, dass der Gesetzgeber im Telekommunikationsgesetz Preishöchstgrenzen festgesetzt hat: drei Euro pro Minute und nicht mehr als 30 Euro pro Verbindung. Zum Schutz der Verbraucher muss die Verbindung nach einer Stunde automatisch getrennt werden.

Rufnummer unterdrückt

Anrufe wie die von Herrn Sommer sind im übrigen verboten, wenn keine klare Preisauskunft darüber erfolgt, wie teuer der Anruf ist. Außerdem müsse die Rufnummer des Anrufers erkennbar sein, so Tiebel. Herr Sommer indes hat offensichtlich seine eigene Rufnummer unterdrückt. Wer dennoch wissen möchte, wer sich hinter dem Gewinnversprechen des Gewinnclubs Deutschland verbirgt, wird auf der Internetseite der Bundesnetzagentur fündig, die unter anderem für die Überwachung des Telekommunikationsmarktes zuständig ist. Unter www.bundesnetzagentur.de finden sich im Menü „Rufnummernmissbrauch – Spam – Dialer“ allerlei Infos zum Thema und auch eine 0900er-Dienstnummern-Suchmaschine.

Bei den Nummern, die der freundliche Herr Sommer den Göttingern genannt hat, wird zweimal als Diensteanbieter die Canarias Event Marketing mit Sitz in Playa del Ingles auf der Kanareninsel Gran Canaria genannt. Im anderen Fall handelt es sich um die mxcall GmbH mit Sitz in Berlin. Bei beiden Adressen handelt es sich wohl um Briefkastenfirmen, wie aus diversen Internet-Foren zum Thema nachzulesen ist.

Die Bundesnetzagentur sperrt auch 0900er-Nummern, wenn diese zur Abzocke missbraucht werden. Eine der unlängst abgeschalteten und mit dem Verbot der Rechnungslegung und Inkassierung belegte Nummern war angemeldet von der mxcall GmbH. Aber: Sperrung und Neuanmeldung von Dienstenummern hat etwas vom Märchen vom Hasen und Igel: Kaum wird eine Nummer von der Behörde gesperrt, wird auch schon eine neue angemeldet.

Als Verbraucher muss man die Telefonvariante des E-mail-Spam-Unwesens nicht klaglos hinnehmen. Die Bundesnetzagentur nimmt Hinweise auf Missbrauch von Rufnummern unter der Telefonhotline 0291/995 5206 entgegen.

Von Britta Eichner-Ramm