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Göttingen Gefälschte Parkscheine: Betrug in großem Stil
Die Region Göttingen Gefälschte Parkscheine: Betrug in großem Stil
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20:13 19.11.2010
Von Jürgen Gückel
Selbstgedruckte Parkscheine im Bündel: Hubertus Engel vom Fachdienst Ordnung mit falschem (l.) und echtem Parkschein.
Selbstgedruckte Parkscheine im Bündel: Hubertus Engel vom Fachdienst Ordnung mit falschem (l.) und echtem Parkschein. Quelle: Hinzmann
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„Da habe ich einen Blick für“, sagt der Göttinger, der seit 26 Jahren im Außendienst den ruhenden Verkehr überwacht. Dieser scharfe Blick deckte jetzt einen groß angelegten Betrug mit gefälschten Parkscheinen auf.

Es geht um tausende Euro. Offenbar gut organisiert haben Studenten über Wochen, wenn nicht gar Monate, tagtäglich gefälschte Parkscheine genutzt, um ganztägig auf dem Parkplatz am Campus, dem Platz der Göttinger Sieben an der Weender Straße, kostenlos ihr Auto stehen lassen zu können.
Jeder einzelne Schein hat einen Wert von vier Euro. Mindestens ab Anfang November wurden die Fälschungen genutzt. Und das mutmaßlich von mindestens einem Dutzend motorisierter Studenten, vermutet Andreas Schmidt vom Fachdienst Stadtordnung.

Aufgeflogen ist der Coup, den jetzt die Staatsanwaltschaft als bandenmäßigen Betrug und Urkundenfälschung verfolgt, so: Vor gut einer Woche hatte Engel in einem Auto einen Ausdruck mit minimal kräftigerem Druckbild entdeckt. Man nahm an, die Stadtkasse, die die Parkscheinautomaten betreut, hätte einen Drucker ausgewechselt. Engel meldete den Fall, informierte Kollegen über seinen Verdacht und ließ die Drucker im Bereich des Platzes der Göttinger Sieben überprüfen.
Gewissheit, dass es eine Fälschung sein musste, erlangte ein Kollege am Donnerstag. Ein Schein war so geknickt abgelegt, dass man einen Teil der Rückseite sehen konnte – und die war unbedruckt. Auf echten Parkscheinen befindet sich aber Werbung. Der verdächtige Wagen wurde abgeschleppt.

Kollegin Jana Schreier ließ der Fall keine Ruhe. Sie kontrollierte weitere am Campus, fand noch eine Fälschung, wollte das Auto abschleppen lassen, wurde dabei aber von Studenten beobachtet. Ein Handyanruf – schon tauchte die Fahrerin des Autos auf. Die junge Jurastudentin händigte schließlich bereitwillig die Fälschung aus und zog aus dem Handschuhfach ein ganzes Bündel – alle vordatiert mit täglich geändertem Datum bis 31. Dezember 2010 und mit in Sprüngen fortschreitenden Kontrollnummern. Ein jeder der Zettel von Hand so perforiert wie die Originale. Wo sie sie her hatte, sagte die Studentin nicht.

Und während sie noch dastanden, erzählt Schreier, begann es um sie herum „zu wuseln“. Anrufe hin und her, heraneilende Autofahrer – mindestens ein Dutzend Studenten fuhren rasch ihre Autos fort. In etlichen Fahrzeugen, so schließt Fachdienstleiter Schmidt daraus, müssen Fälschungen gelegen haben.
Dass beim Parken gemogelt wird, ist nicht neu. Bisher waren kopierte Scheine Einzelfälle. Auch gefälschte Anwohner- oder Schwerbehindertenausweise von Menschen, die nicht mehr leben, wurden schon festgestellt. Ein organisierter Fälscherring, so Schmidt, sei aber neu.