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Göttingen Bademeister kritisieren Eltern: Handy statt Aufsicht
Die Region Göttingen Bademeister kritisieren Eltern: Handy statt Aufsicht
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19:49 16.08.2018
Auch wenn sie am Beckenrand wachen: Die Bademeister sind keine Kindergärtner. Quelle: dpa
Reyershausen/Göttingen

 

„Das ist wirklich schlimmer geworden“, sagt Rolf Nietzold, Schwimmmeister im Göttinger Freibad am Brauweg und Vorsitzender der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Göttingen. Immer wieder beobachte er Eltern, die mit Freunden intensiv quatschen oder stur nach unten auf ihr Smartphone schauen. „Ihre Kinder laufen dann alleine durchs Bad – und dann passiert es.“

Zwei bis Dreijährige allein unterwegs

Selbst zwei- und dreijährige Kinder irrten oft alleine umher. Im schlimmsten Fall fielen sie ins Schwimmerbecken und ertrinken. Viele würden dann zum Glück nur irgendwann beim Schwimmmeister stehen und weinend ihre Eltern suchen. In diesem Super-Sommer komme das natürlich sehr häufiger vor, so Nietzold, weil einfach viel mehr Menschen in die Bäder oder zum Beispiel an den Wendebachstausee kommen.

Das Problem ist kein Göttinger Problem: Im Juni hatte der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister das Verhalten vieler Eltern kritisiert. „Immer mehr Eltern schauen auf ihr Smartphone und nicht mehr nach links oder rechts und schon gar nicht nach ihren Kindern“, monierte Verbandspräsident Peter Harzheim. Zuvor waren bei Badeunfällen in Hannover, Hamburg und Bremen Kinder in Schwimmbädern fast oder tatsächlich ertrunken.

„Zehn Tote durch Ertrinken hatten wir in jüngster Zeit“, ergänzt jetzt Nietzold – darunter auch Kinder. „Und das wirklich häufig, weil Eltern ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen.“ Viele seien der irrigen Ansicht, das sei Aufgabe der Schwimmmeister. Und der erfahrene DLRG-Mann ergänzt: Ein Kind, das nicht richtig schwimmen kann, hat im Schwimmerbereich nichts zu suchen, auch nicht mit Schwimmflügeln.

„Es sollte schon Bronze sein“

Schwimmmeister Martin Roddewig hat im Ratsburgbad in Reyershausen ähnliche Erfahrungen gemacht. „Ich beobachte immer wieder Eltern, die sich zum Beispiel vom Handy ablenken lassen, während ihre Kinder im Wasser sind.“ Das sei in diesem Jahr aber nicht schlimmer geworden, „es ist ein Problem, dass schon länger besteht“. Auch Roddewig appelliert an Eltern, ihre Kinder erst alleine ins Wasser zu lassen, „wenn sie wirklich schwimmen können“. Das Seepferdchen-Abzeichen reiche dafür nicht – „es sollte schon Bronze sein“.

Auch André Bötte sieht kein neues Problem, das diesen Sommer besonders prägt: „Das gab es schon immer – auch Handys gibt es ja schon seit einer Ewigkeit.“ In der jüngsten Debatte um Unfälle in den Bädern würden jetzt allerdings die Eltern scharf kritisiert, „früher waren häufig die Bademeister die Schuldigen“. Und das zu Unrecht. Denn natürlich liege die Aufsichtspflicht bei den Eltern, sagt Bötte. Darauf weise er im Freibad Rosdorf mit Schildern deutlich hin.

Von Ulrich Schubert / mit epd

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