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Göttingen Gefahrenabwehr: Erstmals Großübung im Gericht
Die Region Göttingen Gefahrenabwehr: Erstmals Großübung im Gericht
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18:28 10.11.2010
Schnelles Eingreifen wichtig: Justizmitarbeiter demonstrieren im Göttinger Landgericht, wie sie jemanden außer Gefecht setzen.
Schnelles Eingreifen wichtig: Justizmitarbeiter demonstrieren im Göttinger Landgericht, wie sie jemanden außer Gefecht setzen. Quelle: NIE
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Um den Einsatz in solchen Gefahrensituationen zu üben, fand jetzt erstmals eine Großübung in einem Gericht statt. Knapp 50 Beamte aus verschiedenen Teilen Niedersachsens trainierten einen Tag lang auf dem Gelände und im Gebäude des Landgerichts Göttingen.

Das Besondere dabei: Die Übung war eine vollkommen freiwillige Aktion. Die Justizmitarbeiter opferten dafür ihre Freizeit und reisten auch auf eigene Kosten nach Göttingen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Teilnehmer außerhalb der Dienstzeit engagieren: Bereits vor rund zwei Jahren haben sich Wachtmeister und Vollzugsbeamte auf eigene Initiative zu einer Sondereinsatzgruppe (SEG) zusammengeschlossen, um gemeinsame Trainings zu veranstalten.

Bislang hätten die Übungen immer in Justizvollzugsanstalten oder leer stehenden Gebäuden stattgefunden, berichtet Michael Pannek, der am Landgericht Göttingen als Justizwachtmeister arbeitet. Das Training im Gericht habe eine ganz neue Dimension gehabt, weil man erstmals die verschiedenen Gefahrensituationen unter authentischen Bedingungen direkt an Ort und Stelle üben konnte. Dabei wurde das gesamte Szenario durchgespielt, von der Ankunft des Transportfahrzeugs bis hin zur Überführung des Gefangenen in den Zellentrakt und weiter in den Sitzungssaal. An allen Stationen ging es darum, mögliche Flucht- oder Befreiungsversuche zu verhindern.

Pannek hatte die Übung gemeinsam mit seinem Kollegen Rüdiger Kolassa von der Justizvollzugsanstalt Rosdorf vorbereitet. Beide sind ausgebildete Trainingsleiter. Die Einsatzgruppe des Göttinger Landgerichts arbeite seit langem eng mit den Justizbeamten im Rosdorfer Gefängnis zusammen, sagt Pannek. „Die Justizvollzugsanstalten sind Vorreiter auf diesem Gebiet, dort finden regelmäßig solche Übungen statt. Mit unserem Training sind wir jetzt an den Standard des Vollzugs herangekommen.“

Zu den Teilnehmern der Übung gehörten Justizbedienstete aus Celle, Göttingen, Hannover, Hildesheim und Sehnde, außerdem beobachtete ein Mitarbeiter vom Zoll den „Großkampftag“. Auch der Präsident des Landgerichts Göttingen, Hans-Georg Haase, verfolgte die gesamte Übung. Er lobt das Engagement und den enormen Einsatz der Mitarbeiter: „Alle standen unter der gleichen Anspannung wie in einer echten Situation. Das hat mich wirklich tief beeindruckt.“ Gleichzeitig habe die Übung gezeigt, wo es noch kleinere Schwachstellen gebe.

Auch die Teilnehmer selbst seien begeistert gewesen, meint Trainingsleiter Pannek. „Eine Übung unter realen Bedingungen in einem Gericht ist etwas ganz anderes, als wenn man in einem leer stehenden Gebäude trainiert. Wir haben alle wahnsinnig viel mitgenommen“, sagte er.

Von Heidi Niemann