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Göttingen Gefunkt hat es bei der Kirmes und auf der Schaukel
Die Region Göttingen Gefunkt hat es bei der Kirmes und auf der Schaukel
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19:35 23.09.2009
Diamantenes Hochzeitspaar: Erna und Werner Brenner aus Ballenhausen.
Diamantenes Hochzeitspaar: Erna und Werner Brenner aus Ballenhausen. Quelle: Hinzmann
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Auf ein arbeitsreiches Leben blicken Erna und Werner Brenner aus Ballenhausen an ihrem Festtag zurück. „Wir haben immer nur gearbeitet und uns gequält.“ Ein einziger Urlaub in Holland war in all den Jahren drin. In den ersten Jahren war stets das Vieh zu versorgen – zwei Schweine, drei Ziegen, Hühner, Gänse und Enten –, dazu der Garten und alljährlich beim Landwirt zehn Morgen Rüben verziehen, hacken und vor der Ernte abschöpfen. Im Frühjahr wurden Kirschbäume zum Abernten ersteigert, im Spätsommer Äpfel von Chausseebäumen gepflückt. Straßenränder und eine gepachtete Wiese wurden fürs Viehfutter gemäht.
Neben der Arbeit war er zudem als Hausschlachter unterwegs, und zwölf Jahre lang hat er das Tageblatt ausgetragen. Noch heute ist der 81-Jährige fleißig, bestellt seinen Garten, führt den Haushalt und pflegt aufopferungsvoll seine Ehefrau Erna (77), die krankheitsbedingt auf seine Hilfe angewiesen ist.
Es war Liebe auf den ersten Blick. Ein „hübsches, groß gewachsenes, schwarzhaariges Mädchen“, so Werner Brenner, stand damals im August 1947 bei der Kirmes in Kerstlingerode vor ihm. Erna war gerade 16, aber Werner war sich sicher: „Das wird mal deine Frau!“ Ein paar Tänze und ein gemeinsames Schiffsschaukeln später war man sich schon so nahe, dass der gerade aus Sangerhausen aus dem russischen Sektor Deutschlands nach Rittmarshausen gekommene gelernte Schlachter seine künftige Braut nach Hause bringen durfte – zu Fuß ins benachbarte Gelliehausen. Es folgten heimliche Treffen, und schließlich durfte Werner gar bei Mutter und Tochter Deutsch einziehen. Ein neues Zuhause, sagt er, hatte er gefunden, und auch eine besser bezahlte Arbeit bei den Engländern in der Weender Kaserne.

Fahrrad und Lloyd 400

Es kam, wie es kommen musste: Am 24. September 1949 war Hochzeit. Schon bald darauf wurde Sohn Werner junior geboren. Es folgten drei Töchter, die beiden jüngsten, als der Älteste bereits in der Lehre war.
Wie es in den 50er Jahren in der Arbeitswelt zuging, daran erinnert sich Brenner auch noch: Bei einem Bierverleger arbeitete er seit 1951. Morgens ging es um 4 Uhr mit dem Fahrrad von Gelliehausen nach Göttingen. 100 Stunden in der Woche waren keine Seltenheit. Dann brach sich an einem Freitagabend ein Schwein das Bein; am Sonnabendmorgen wurde es notgeschlachtet – und Brenner wurde im Bierverlag rausgeworfen, weil er deshalb nicht zur Arbeit gekommen war.
1955 war dann das Wirtschaftswunder auch in Gelliehausen angekommen: ein Lloyd 400 wurde gekauft, „endlich war es mit dem Radfahren vorbei“. Später wurde er gar Kraftfahrer bei Bauunternehmer Hildebrandt. Und 1970, als der Sohn eine Doppelhaushälfte in Ballenhausen kaufte, investierten auch die Eltern, kauften die andere Hälfte und bauten sie aus und pflegen sie mit eigener Hände Arbeit bis heute.
Die Ballenhäuser aber kennen Werner Brenner vor allem als Hausschlachter. Noch bis vor zehn Jahren war er aktiv. Er habe, sagt er, zwar noch nie ein Gramm Gewürz abgewogen, sondern stets aus dem Handgelenk gewürzt, aber seine Mettwurst war Legende. „Was macht der bloß? Seine Mettwurst schmeckt immer besser als unsere“, habe der größte Bauer im Dorf einst gewettert. Darüber schmunzelt Brenner heute noch.

Von Jürgen Gückel