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Göttingen Gegen Geschäftsleerstand und Wohnungsnot in Göttingen
Die Region Göttingen Gegen Geschäftsleerstand und Wohnungsnot in Göttingen
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14:28 21.07.2014
Von Michael Brakemeier
Ladenfläche zu vermieten: Leerstehendes Geschäft in der Kurzen Geismarstraße. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Eine Lösung beider Probleme strebt die SPD im Rat an. Mit der Initiative „Wieder Leben im Laden“ sollen künftig Leerstände vermieden und beseitigt und gleichzeitig Wohnraum geschaffen werden. Einen entsprechenden Antrag will die Fraktion am Freitag in den Rat einbringen.

Damit soll die Verwaltung beauftragt werden zu prüfen, welche Möglichkeiten bestehen, leerstehende Ladenlokale in Göttingen „temporär oder dauerhaft“ in Wohnungen umzuwandeln. Gespräche mit Haus und Grund, Pro City, dem Einzelhandelsverband und Immobilieneigentümern sollen dazu geführt werden.

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SPD-Ratsfrau Helmi Behbehani stützt sich auf eine aktuelle Erhebung von Pro City mit Stand vom 10. Juli. Danach standen 68 Ladenflächen, inklusive des während des Umbaus entmieteten Carrés, in der Innenstadt leer. Eine Zunahme sei zu beobachten, so Behbehani. Für sie trägt auch der Internethandel dazu bei, dass Kunden den Innenstadtläden fernbleiben.

„Optisch negativ“

Die SPD kommt zu dem Schluss: „Es wird schwer sein, die 75 000 Quadratmeter Ladenfläche, die sich in der Innenstadt auf 477 Läden verteilen, auf Dauer zu vermieten.“ Behbehani: „Mit der Umwandlung von Ladenflächen in Wohnraum schlägt man quasi drei Fliegen mit einer Klappe.“

Zuerst würden Leerstände beseitigt, die nicht nur „optisch negativ“ seien, sondern auch den Straßenabschnitt abwerteten. Zudem beseitige man damit auch negative Effekte auf umliegende Geschäfte und das gesamte Quartier. Denn: „Leerstehende Geschäfte sind nicht immer gepflegt.“

Das wirke „wenig einladend“. Wenn der Laden ständig den Mieter wechsele, verlören Kunden schnell das Interesse, was wiederum dem Verkaufserfolg schade. Zudem gewinne der Mix aus Handel und Wohnen in der Innenstadt zusätzlich an Bedeutung. Die Initiative „Leben im Laden“ belebe die Stadt und werte die Straße auf, glaubt Behbehani.

Förderdarlehen bis zu 1050 Euro

Mit dem Vorschlag orientiert sich die Göttinger SPD an einer Initiative aus Köln, die gemeinsam von der Stadt und dem Kölner Haus- und Grundbesitzverein vor zwei Jahren auf den Weg gebracht worden ist. Auch dort: viele Leerstände, wenig Wohnungen.

Die Stadt garantiert willigen Immobilienbesitzern, die Läden und Büros unter 200 Quadratmetern in Wohnraum umwandeln wollen, innerhalb von 24 Stunden eine Baugenehmigung zu erteilen. Das Land Nordrhein-Westfalen gibt „zinsgünstige“ Förderung für die Umwandlung in Wohnraum.

Je nach Höhe der Nettokaltmiete beträgt das Förderdarlehen bis zu 1050 Euro pro Quadratmeter. Behbehani meint, dass das Kölner Modell auch in Göttingen funktionieren könnte. Sie hofft, dass auch hier „Denkblockaden“ bei Immobilienbesitzern überwunden werden können. Ganz nach der Devise: Lieber deutlich geringere Mieteinnahmen durch die Vermietung von Wohnflächen als langfristig gar keine durch nicht zu erzielende, theoretisch höhere Ladenmieten.

Viele Immobilien stehen in der Innenstadt leer.