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Göttingen Gemeinde Rosdorf muss zwei Feuerwehrhäuser neu bauen
Die Region Göttingen Gemeinde Rosdorf muss zwei Feuerwehrhäuser neu bauen
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16:59 30.07.2013
Von Andreas Fuhrmann
Mitten im Ort und gut in Schuss: das Feuerwehrhaus in Settmarshausen. Weil ein Anbau nicht möglich ist, muss wohl ein Neubau her.
Mitten im Ort und gut in Schuss: das Feuerwehrhaus in Settmarshausen. Weil ein Anbau nicht möglich ist, muss wohl ein Neubau her. Quelle: CH
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Settmarshausen

Das hatte man jetzt auch in Settmarshausen vor. Da das Feuerwehrhaus aber sehr beengt liegt, benötigte man dafür einen Teil des benachbarten Grundstücks, das der Kirche gehört. Die aber will es nicht hergeben.

Folge: Anbau gescheitert. Also muss ein neues Feuerwehrhaus gebaut werden. Und das wird nicht billig. Die Gemeinde rechnet mit Kosten von etwa 400 000 Euro.

Das sind immerhin 320 000 Euro mehr, als ursprünglich veranschlagt. Denn für den Anbau hatte die Gemeinde lediglich 80 000 Euro eingeplant. Die Mitglieder der Feuerwehr wollten mit anpacken, brachten ihre Ideen ein. Schließlich ist es seit Jahrzehnten ihr Feuerwehrhaus. Hier fühlen sie sich wohl. Hier treffen sie sich regelmäßig. Hier wollen sie bleiben. Doch daraus wird wohl nichts.

Anforderungen steigen

„Seit Jahren schon steigen die Anforderungen an die Feuerwehren“, sagt Rosdorfs Bürgermeister Harald Grahovac (SPD). Vor allem aber seien die Fahrzeuge immer größer geworden. Aber, so Grahovac: „Die Garagen sind nicht mitgewachsen.“ Viele Feuerwehrhäuser stammten aus den 60er-Jahren. Und damals seien die Einsatzfahrzeuge noch nicht so groß gewesen. „Der Platz in Settmarshausen ist völlig unzureichend.

Das entspricht nicht den Unfallverhütungsvorschriften. Und das nehme ich ernst“, sagt er. Die Garage sei viel zu eng, man könne kaum in das Fahrzeug einsteigen. Und wenn sich jemand verletzte, sei letztlich die Gemeinde schuld.

Der Anbau, hinten zum Kirchplatz raus, wäre die „schnellste und billigste Lösung“ gewesen, sagt Grahovac. „Aber das Grundstück gehört der Kirche.“ Viele vernünftige Gespräche seien geführt worden, aber der Kirchenvorstand habe sich letztlich gegen einen Verkauf ausgesprochen. Der befürchte, dass der Charakter des Platzes, der an einen Thie erinnere, verloren ginge. „Dafür muss man Verständnis haben“, sagt Grahovac. „Aber was jetzt?“

Neubau muss her

Das Haus sei „tiptop in Ordnung, das gibt man nicht gerne auf“. Aber jetzt müsse man ernsthaft über einen Neubau nachdenken. In der Gemeinde seien schließlich mit Volkerode und Dahlenrode schon zwei Feuerwehren aufgelöst worden. Da müsse man die starken Wehren unbedingt unterstützen, und dazu gehöre auch die in Settmarshausen.

Was passiert mit dem Feuerwehrhaus? Welches Grundstück gibt es? „Das sind Fragen, die wir jetzt klären müssen“, betont Grahovac. Und zwar schnell, spätestens bis zu den nächsten Haushaltsberatungen.

Dem Landkreis Göttingen und der Kreisfeuerwehr seien die Probleme hinlänglich bekannt, sagt Kreissprecher Marcel Riethig. „Wie viele Feuerwehrhäuser im Landkreis Göttingen von Platzmangel betroffen sind und welche dies sind, lässt sich nicht abschließend feststellen, da die Gemeinden hier die ausschließliche Zuständigkeit haben.“ Es dürften allerdings einige sein.

Das belegt beispielhaft ein Fall aus dem Flecken Bovenden, genauer aus dem Ortsteil Eddigehausen. Dort habe die Feuerwehrunfallkasse ebenfalls die beengten Verhältnisse im und am Feuerwehrhaus bemängelt, sagt der Erste Gemeinderat Thomas Brandes. Folge: Das Fahrzeug muss jetzt erst aus der Garage gefahren werden, bevor alle einsteigen dürfen.

Übergangslösung

Das sei aber nur eine Übergangslösung. Schon bald solle daher eine neue Fahrzeughalle gebaut werden. „Da sind wir in der Pflicht“, sagt Brandes. Kostenpunkt hier: bis zu 200 000 Euro.

„Die Fahrzeuge werden immer größer, das ist schon ein Problem“, sagt Brandes. Vor allem, wenn ein Anbau nicht möglich sei oder das Grundstück fehle, „kostet das richtig Geld“. Brandes: „Das trifft uns schon, aber wir müssen das vorhalten.“ In Reyershausen habe man sogar schon eine Halle gebaut, obwohl das neue Fahrzeug noch gar nicht da sei.

Unterdessen steht in der Gemeinde Rosdorf schon der nächste Neubau eines Feuerwehrhauses an – in Dramfeld. Dort sind die Verhältnisse nicht nur beengt. Das Haus ist auch noch in einem miserablen Zustand. Fläche für einen Anbau gibt es auch dort nicht. Man strebe daher einen Neubau im Augerweg am Ortsrand an, sagt Grahovac. Der Antrag des Ortsrates liege bereits vor. Kostenschätzung hier: rund 500 000 Euro. Viel Geld für eine klamme Gemeinde wie Rosdorf – aber es wird wohl bewilligt werden.

Mindestmaße für Stellplätze

Räumliche Enge in Feuerwehrhäusern kann zu Unfällen führen. Deshalb gelten in Feuerwehrhäusern bestimmte Mindestabmessungen für Stellplätze, die auch bei Fahrzeug-Neubeschaffungen nicht unterschritten werden dürfen.

Grundlage sind Vorgaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Danach müssen bauliche Anlagen so beschaffen sein, dass Gefährdungen von Feuerwehrangehörigen vermieden und Material sicher untergebracht sowie bewegt und entnommen werden kann.

Verkehrswege und Durchfahrten von Feuerwehrhäusern müssen so angelegt sein, dass auch unter Einsatzbedingungen Gefährdungen der Feuerwehrangehörigen durch das Bewegen der Fahrzeuge vermieden werden.

Zwischen Fahrzeugen, Geräten und Gebäudeteilen ist der Verkehrsweg ausreichend breit, wenn bei geöffneten Fahrzeugtüren oder -klappen ein Abstand von mindestens 0,5 Metern bleibt. Mitglieder des Spitzenverbandes DGUV sind die gewerblichen Berufsgenossenschaften und die Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand.

Zu Letzteren gehören in Niedersachsen unter anderem der Gemeinde-Unfallversicherungsverband und die Feuerwehr-Unfallkasse. Internet: dguv.de.