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Göttingen Gemeinsam frühstücken gegen die Einsamkeit
Die Region Göttingen Gemeinsam frühstücken gegen die Einsamkeit
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19:14 18.08.2011
Von Britta Eichner-Ramm
Gemeinsam frühstücken, gemeinsam plaudern: Svitlana Melnitschuk, Sofia Helwig, Ludmilla Schmidt, Sonja Rutz und Julia Kermas (von links) beim internationalen Frauenfrühstück im Nachbarschaftszentrum Grone.
Gemeinsam frühstücken, gemeinsam plaudern: Svitlana Melnitschuk, Sofia Helwig, Ludmilla Schmidt, Sonja Rutz und Julia Kermas (von links) beim internationalen Frauenfrühstück im Nachbarschaftszentrum Grone. Quelle: Hinzmann
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Grone

Das Nachbarschaftszentrum Grone hat fristgerecht seinen Förderantrag gestellt, mit einem Bescheid rechnet Leiterin Julia Kermas allerdings erst gegen Jahresende. Kermas und Michael Bonder, Vorsitzender des Trägervereins Nachbarschaftszentrum Grone, sind optimistisch, dass ihr Zuschussantrag die Kriterien erfüllt und bewilligt wird.

Immerhin würden die Angebote gut angenommen. Mehr als die Hälfte der Angebote werde von ehrenamtlichen Mitarbeitern gemacht, die sich nicht nur selbst einbringen könnten, sondern hier auch eine hohe Wertschätzung erfahren würden. Auch sei die Akzeptanz des Nachbarschaftszentrums Grone in den vergangenen Jahren in der Groner Bevölkerung gestiegen. „Unser Kirmeswagen hat im vergangenen Jahr Platz zwei belegt“, unterstreicht Bonder. Die Vorbereitungen für eine Teilnahme am diesjährigen Kirmesumzug als „Neudorf Grone“ laufen bereits auf Hochtouren.

Leiterin Kermas unterstreicht den Erfolg des Groner Nachbarschaftszentrums: „Wir haben täglich etwa 70 bis 80 Besucher.“ Die Benutzerstruktur sei „sehr ausgewogen“. Geöffnet ist das Zentrum montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. In der sogenannten offenen Diele bestehe die Möglichkeit der zwanglosen Kontaktaufnahme, bei der sich Besucher informieren, Kontakte knüpfen oder einfach plaudern können.

Allein am Sprachkurs Arabisch für Kinder zum Beispiel würden bis zu 80 Kinder teilnehmen, zum Internationalen Frauenfrühstück kämen meist 30 bis 40 Frauen. Zurzeit ist Ramadan, deshalb fehlen derzeit in der Frühstücksrunde die muslimischen Frauen. „Ich komme her, damit ich nicht alleine in der Wohnung rumhänge“, sagt etwa Marianne Franklin, die sich selbst als „Ur-Einheimische“ bezeichnet. Auch der türkischstämmigen Kurdin Görgen Sukrijr ist „zuhause immer langweilig“. Im Nachbarschaftszentrum will sie Deutsch lernen. Die 75 Jahre alte, kinderlose Wolgadeutsche Sofia Helwig sucht vor allem Kontakt zu anderen Frauen. Nach dem Tod ihres Mannes, „war ich immer so einsam“.

Im Gegensatz zu vielen seiner deutschen Nachbarn, so der Groner Dieter Gande, komme er gerne ins Nachbarschaftszentrum und suche den Kontakt zu andersgläubigen und andersdenkenden Menschen. „Das ist ein sehr gutes Miteinander“, lobt er. Mit ihm sitzt auch Diego Kirchner am Tisch. Vor einem Jahr hatte er im Groner Nachbarschaftszentrum ein Praktikum gemacht. Jetzt komme er als Besucher wieder, „weil mir die Atmosphäre gefällt“. Und Badel Safi, der in seiner Heimat Afghanistan Architekt gelernt hat und heute in einer Göttinger Galerie arbeitet, schätzt beim internationalen Männerfrühstück den Meinungsaustausch über den Alltag ebenso wie über Probleme. Höre er von Problemen, ergänzt Hans-Joachim Meyer, könne er oft „auf kurzem Dienstweg“ helfen. Meyer ist Kontaktbereichsbeamter der Göttinger Polizei. Auch wenn er meist dienstlich teilnehme, meint er zu der geselligen Frühstücks-Männerrunde: „Das sind alles schon Freunde von mir.“

Während die Männer noch diskutieren, schlafen im Spielzimmer zwei Kinder in ihren Kinderwagen. Gloria Kongolo, selbst Mutter von vier Kindern, ist im Nachbarschaftszentrum für die Kinderbetreuung zuständig – etwa wenn die Mütter Deutsch lernen. „Ich gucke, dass die Kinder ein bisschen Struktur bekommen“, sagt die 41-Jährige, die in ihrer Heimat, dem Kongo, Pädagogin gelernt hat. Als sie 1995 nach Deutschland kam, „durfte ich nicht viel machen“, sagt sie. Später qualifizierte sie sich als Tagesmutter, und seit Februar arbeitet sie im Nachbarschaftszentrum.

Angebote Nachbarschaftszentrum Grone

Das Nachbarschaftszentrum, Deisterstraße 10, Telefon 05 51 / 3 84 81 20, macht viele Angebote. Eine Auswahl:

Treffpunkte:

  • Montags bis freitags 9 bis 18 Uhr Begegnung in der offenen Diele; dienstags 10 bis 12 Uhr internationales Männerfrühstück, zeitgleich Frauenfrühstück, 12 bis 14 Uhr Internationaler Kulturtreff, 16 bis 18 Uhr Kartenspiele; mittwochs 17 bis 19 Uhr Internationales Kochen.

Bildung / Beratung:

  • Montags bis freitags 8.30 bis 12.45 Uhr Integrationskurs Deutsch; montags und mittwochs 15 bis 16.30 Uhr Hausaufgabenhilfe bis Klasse fünf; dienstags 14.30 bis 16.30 Uhr Computertreff für Erwachsene und Senioren. Montags 16 bis 17 Uhr Dolmetscherdienst Russisch; dienstags 14 bis 15 Uhr; mittwochs 10 bis 13 Uhr Sprechstunde Groner Jobmarkt, 14 bis 16 Uhr Energieberatung; donnerstags 11 bis 13 Uhr Rechtsberatung.

Gesundheit:

  • Montags 16 bis 18 Uhr Ernährung und Gesundheit von Migrantinnen; donnerstags 18 bis 19 Uhr Gymnastikkurs für Männer und Frauen; freitags 10 bis 12 Uhr Tanzen für Menschen mit Demenz.

Kunst, Kultur, Kreativität:

  • Montags 10 bis 12 Uhr Häkeln und Perlenstickerei; montags 17 bis 20 Uhr Nähgruppe.

Sonstiges:

  • Montags 10 bis 11.30 Uhr „griffbereit“-Elterngruppe; sonnabends 10 bis 12 Uhr Arabisch für Kinder, 14 bis 17 Uhr Theatergruppe Schatztruhe; sonntags 12 bis 15 Uhr Nähkurs für Mädchen; donnerstags 14 bis 16 Uhr Selbsthilfe Fahradwerkstatt.