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Göttingen Gemeinsam in Göttingen für sichere Fluchtwege
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18:17 24.11.2018
Mit einer gemeinsamen Aktion fordern Mitglieder von Lampedusa Göttingen und Seebrücke Göttingen sichere Fluchtwege für Flüchtlinge.
Mit einer gemeinsamen Aktion fordern Mitglieder von Lampedusa Göttingen und Seebrücke Göttingen sichere Fluchtwege für Flüchtlinge. Quelle: Rüdiger Franke
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Göttingen

 „Es ist an der Zeit, dass Göttingen bekennt: Wir haben die Toten nicht vergessen. Wir schaffen einen sicheren Hafen“, hat Stefan Klingbeil vom Göttinger Lampedusa-Bündnis am Sonnabend vor dem Auditorium Maximum gefordert. Mit einer gemeinsamen Aktion mit der Seebrücke Göttingen wollten die Mitglieder des Bündnisses die Schicksale der Flüchtlinge ins Gedächtnis rufen.

Umwidmung des Denkmals

Pünktlich zum Start der Aktion vor dem Audimax setzte Nieselregen ein. Trotzdem fanden sich mehr als 70 Teilnehmer ein, um für sichere Fluchtwege und die Seenotrettung von Flüchtlingen zu demonstrieren. Mit der Umwidmung des Denkmals zum Gedenken an die Gefallenen der Georgia-Augusta-Universität der beiden Weltkriege wollten sie auf die Zahl der auf dem Mittelmeer gestorbenen Flüchtlinge der vergangenen 16 Jahre hinweisen.

Namen von Verstorbenen

Neben der Inschrift „Den Toten der Georgia Augusta 1914 - 1918, 1939 - 1945“ prangte ein orangefarbenes Banner mit der Botschaft „Den Toten im Mittelmeer. 35 000 Opfer der Festung Europa 2002 – 2018“. Dazu wurden über die Lautsprecheranlage für fünf Minuten stellvertretend Namen von verstorbenen Flüchtlingen mit Alter und Todesursache verlesen. Erinnert wurde an Kinder und Erwachsene, ertrunken, erschossen, erfroren und bei Feuern in Unterkünften gestorben.

„Immer wieder erinnern“

„Für uns ist es wichtig, immer wieder zu erinnern und die Zustände nicht hinzunehmen“, sagte Sascha Schießl von der Seebrücke. Allein in diesem Jahr seien 2300 Tote dokumentiert worden. Hinzu käme die Zahl derer, deren Schlauchboot nach dem Notruf nicht gefunden wurde oder angespülte Leichen, die nicht zugeordnet werden könnten. „Es gibt viele Tote auf der Liste, die nur mit NN geführt werden.“

Frachter fahren vorbei

Birgit Sacher vom Lampedus-Bündnis sprach von einem Ausverkauf der Menschenrechte in der Europäischen Union. „Wir sind so weit gekommen, dass Menschen angeklagt werden, die Menschen aus Seenot retten“, sagte sie. Durch die Kriminalisierung der Seenotretter sei ab Juni die Zahl der Toten extrem gestiegen, erklärte Schießl. Es gebe viele Fälle, in denen Flüchtlinge berichtet hätten, dass Frachter vorbeigefahren wären. „Sie kämen sonst eventuell nicht an Land, zum Beispiel in Italien und Malta, oder würden wegen Menschenschmuggels angeklagt.“

Massiver Widerstand

„Noch 1972 konnte jeder Mensch visafrei nach Europa einreisen“, erinnerte Klingbeil. Heutzutage lese er von Abschiebungen nach Afghanistan oder das Syrien vielleicht wieder sicher sei. Auf der anderen Seite sehe er aber auch massiven gesellschaftlichen Widerstand. „Unser Verständnis kennt keine Grenzen“, sagte er, „außer gegen rechte Tendenzen.“ Eine solidarische Zivilgesellschaft sei wichtiger als je zuvor.

„Gehör verschaffen“

„Wir können uns Gehör verschaffen“, sagte Schießl. Er forderte die Teilnehmer auf, sich mit Briefen, E-Mails oder Telefonaten an die Abgeordneten und Stadtvertreter zu wenden. „Rechtsextremen sind immer noch lauter als wir“, sagte er. Sie seien nicht die Mehrheit. „Wir sind die Mehrheit. Nur manchmal sind wir zu leise.“

Zusammen mit einer Stimme

„Zusammen sprechen wir laut mit einer Stimme“, sagte ein Flüchtling aus der pakistanischen Minderheitenregion Belutschistan. Er habe Krieg und Blutvergießen erlebt. Er wisse nicht, was geschehen wäre, wenn er nicht die Möglichkeit zur Flucht gehabt hätte. Deshalb sei er glücklich in Deutschland leben zu dürfen und wünsche sich für alle Flüchtlinge, dass die EU ihre Türen öffne.

Tag der Menschenrechte

Die Mitglieder des Göttinger Lampedusa-Bündnisses wollen weitere Veranstaltungen organisieren. Die nächste finde am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, um 16.30 Uhr am Wilhelmsplatz statt, verkündete Klingbeil.

Von Rüdiger Franke

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