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Göttingen Gemeinschaftsarbeit an historischem Handelsweg
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18:49 24.07.2009
Arbeitseinsatz an Bodendenkmal: Freiwillige aus Nörten-Hardenberg und Bishausen legen den alten Handelsweg frei.
Arbeitseinsatz an Bodendenkmal: Freiwillige aus Nörten-Hardenberg und Bishausen legen den alten Handelsweg frei. Quelle: Heller
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Schon lange hätten die Mitglieder der Realgemeinde Nörten von dem Weg gewusst, erzählt Hans-Hermann Hüter, Forstsenator der Realgemeinde. Als Archäologen des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalschutz vor vier Jahren ein dort vermutetes Grabhügelfeld untersuchen wollten, stießen sie auf eine „faustdicke Überraschung“, so beschreibt es Friedrich-Wilhelm Wulf vom Landesamt. „Wir haben immer gedacht, dass es ein Holzabfahrweg war“, sagt Hüter. Was die fünf Männer aus Nörten und Bishausen unter seiner Leitung nun ausschachteten, habe sich nach aufwendigen Recherchen von Fachleuten als Bier- und Kornweg vom Hardenberg nach Unter-Billingshausen entpuppt.

Dessen Geschichte geht, so Hüter, ins 13. Jahrhundert zurück. Der Erzbischof von Mainz besaß viele Ländereien. Weil er ständig verschuldet war, musste er Land verpfänden. So auch Bishausen, Lütgenrode, Nörten und Billingshausen, die auf diese Weise zu Hardenbergschen Pfanddörfern wurden. Auf dem Ilian-Weg als direktester Verbindung vom Hinterhaus Hardenberg über die Hohe Steyer nach Billingshausen wurde seither das Hardenbergsche Bier in die Plessedörfer gebracht. Zurück kam der Fuhrmann mit Getreide, dem „Zehnten“, den die Bauern an ihren Lehnsherren abzugeben hatten. Den einfacheren Weg durch das Rodetal konnten die Fuhrleute nicht nehmen. Zum einen gehörte er damals zu Hessen, und sie hätten dort Zoll zahlen müssen. Zum anderen wählten die Handelsleute gerne Routen über einen Bergkamm, denn in den Senken hielt sie bei schlechtem Wetter der Morast von der geldbringenden Reise ab.

Gut erhalten

Die Ilian-Treppe war in mehr als mehr als 100 Metern Tiefe durch Buntsandstein befestigt. Weil er so steil war, sei der Weg später wenig genutzt und deshalb so lange gut erhalten geblieben, vermutet Hüter. Für die Fuhrleute war die Reise beschwerlich. Teils stiegen sie ab, führten ihre Ochsen oder Pferde von einem oberhalb des Hohlwegs verlaufenden Fußweg. In den Sandstein gemeißelte Treppenstufen am bergseitigen Rand untermauern diese These. Ketten, die die Männer um die Wagenräder schlangen, waren die einzige Möglichkeit, die Wagen auf der steilen Abfahrt zu bremsen. So wurden die bis zu 15 Zentimeter tiefen Rinnen als Fahrspuren in den Sandstein eingefahren. Kein Wunder, dass mancher hier verunglückte – wie der Fuhrmann Ilian. In einem Felsen nahe beim Weg sind zwei eingeritzte Kreuze zu finden.

Im Frühjahr seien die Arbeiten zur Freilegung des Weges im Einvernehmen mit der Northeimer Kreisarchäologin Petra Lönne erfolgt, erzählt Hüter. Jede Woche ein- bis zweimal haben sich Karl-Heinz Nülsen, Oliver Hüter und Carsten Meier von der Realgemeinde Nörten sowie Werner Thiele und Björn Döhne aus Bishausen getroffen, um etwa 75 Meter Fahrweg freizulegen. Initiator war laut Hüter der frühere Forstwirt der Realgemeinde, Döhne.

Hufeisen für Ochsen und Pferde haben die Männer bei den Ausgrabungsarbeiten gefunden. Trittspuren zeugen von der Anstrengung der Tiere. Ungewöhnlich breit sei die Wagenspur, fand Hüter. Inzwischen weiß er, dass es sich um das vorgeschriebene Maß für Gefährte im Herzogtum Braunschweig handelt. Auch die englischen Könige seien mit Kutschen mit diesem genormten Maß unterwegs gewesen.

Von Ute Lawrenz