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Göttingen Gerichtsvollzieher bricht ein und aus
Die Region Göttingen Gerichtsvollzieher bricht ein und aus
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16:07 25.03.2012
Von Jürgen Gückel
Ziel im Fall der Stromsperre: Am Zählerkasten wird der Anschluss verplombt, wenn der Stromkunde nicht zahlt.
Ziel im Fall der Stromsperre: Am Zählerkasten wird der Anschluss verplombt, wenn der Stromkunde nicht zahlt. Quelle: EF
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Rosdorf

Sehr zum Ärger des Vermieters, in dessen Flur gewaltsam eingebrochen wurde und dem dabei 800 Euro Schaden entstand – mehr, als die Mieterin der Eon schuldete.

Über die Aktion Anfang Dezember kann sich Vermieter Hermann S. heute noch aufregen. Statt ihn zu informieren, damit er den Zugang zum Zählerkasten ermöglicht, waren Gerichtsvollzieher und ein Handwerker erst durch ein angekipptes Fenster in die Souterrainwohnung eingedrungen, indem sie das Fensterkreuz zerstörten. Dann standen sie zwar in der Wohnung der Schuldnerin, der Stromkasten befindet sich aber im Kellerflur des Vermieters. Also wurde die Innentür aufgebrochen, Türblatt und Zarge dabei zerstört.

Schlechtes Gewissen

Nach getaner Tat ließ das Duo die Tür zum Garten offen, die sich ohne Schlüssel von außen nicht verschließen ließ. „Dann muss ihm ein schlechtes Gewissen gekommen sein, denn am Nachmittag hat mich der Gerichtsvollzieher doch noch angerufen“, sagt S.. Der befand sich über den Winter zwar in Spanien, hatte aber das Telefon umgeleitet und konnte leicht Abhilfe organisieren.

Ihm ist die junge Mutter, die vor dem angekündigten Besuch des Gerichtsvollziehers offenbar fluchtartig ausgezogen war, nichts schuldig geblieben. Die Eon Mitte aber hat ihren neuen Wohnsitz bis heute nicht feststellen können und musste die 800 Euro, die sie dem Vermieter zu ersetzen hatte, bisher selber tragen. Und warum wurde der Vermieter nicht direkt angesprochen? „Datenschutz“, heißt es bei der Eon.

Rechtslage

Stromsperrung

Die Sperrung eines Stromanschlusses kann vom Energieversorger nur mit Hilfe eines Gerichtsvollziehers durchgesetzt werden. Voraussetzung ist ein Vollstreckungstitel, eine richterliche Entscheidung, die der Gläubiger erwirkt. Danach ist der Gerichtsvollzieher berechtigt und sogar verpflichtet, Widerstand zur Not mit Gewalt zu überwinden, unnötige Härten aber zu vermeiden. Die Sperrung wird immer angekündigt und, falls nötig, durch gewaltsames Eindringen mit einem Handwerker durchgesetzt.

Lediglich einer von 200 Kunden des Stromversorgers Eon Mitte Vertrieb erlebt, was der jungen Frau in Rosdorf widerfahren ist: Strom abgeklemmt. Ein nach Angaben des Versorgers für die Branche konstant niedriger, sogar etwas sinkender Wert. Die Zahl der Stromsperren sei auch niedrig, weil die Eon selbst Energieberatung anbiete, mit sozialen Einrichtungen wie Energielotsen in den Landkreisen zusammenarbeite, säumigen Kunden Ratenpläne anbiete und die Sperrung nur als allerletztes Mittel wähle.