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Göttingen Im Oldtimer von Buxtehude nach Basel
Die Region Göttingen Im Oldtimer von Buxtehude nach Basel
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15:50 04.09.2017
Wolfgang Groeger-Meier, international tätiger Fotograf, fährt mit seinem grünen BMW über die B3.
Wolfgang Groeger-Meier, international tätiger Fotograf, fährt mit seinem grünen BMW über die B3. Quelle: Arne Bänsch
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Göttingen

Der Blick führt durch die sonnenbeschienenen Vorhänge des Salons eines Göttinger Hotels hin zu dem mintgrünen Reisegefährt, Jahrgang 1975, das Wolfgang Groeger-Meier heute über Kassel nach Frankfurt bringen soll. Zugänglich ist dieser Blick für jeden, der bei früher Morgensonne den altmodisch-schicken Salon betritt. Sichtbar wird er für müde Augen erst auf Groeger-Meiers Foto. Wie seine Aufnahmen von der B3 hilft das Bild, den Blick zu öffnen für Kompositionen von Traditionellem und Modernem, Natur und Maschine, Licht und Asphalt.

Im flachen Norden in Buxtehude bei Hamburg begann Mitte Juli die Reise des Fotografen. Über 812 Kilometer wird die B3 ihn in kleinen Etappen bis nach Weil am Rhein bei Basel führen. Am Straßenrand warten, wie Tramper mit ausgestrecktem Daumen, Geschichten und Begegnungen, die mitgenommen werden wollen. Zufallsbekanntschaften mit Oldtimer-Liebhabern und B3-Anwohnern wechseln sich ab mit Besuchen bei heimatlichen Gaststätten wie der „zur Erholung“ in Hann. Münden oder Kulturzeugnissen wie der Fahrzeugsammlung PS.Speicher in Einbeck.

Heimat beschreiben diese Geschichten für Groeger-Meier, festhalten will er sie in einem Buch. Außer dem Fotografieren sind Reisebücher seine zweite Profession geworden, zwei hat er bereits geschrieben: Über die französische Nationale 7 („In die Sonne, in die Ferne“) und über die „Tausend Meilen Dolce Vita“, die ehemals Schauplatz für das Langstreckenrennen Mille Miglia in Italien waren. Wenn er nicht im Auto die Welt erkundet, erkundet Groeger-Meier Autos durch die Kamera. Nach einer Fotolehre hat er Fotografie studiert und nimmt heute für Magazine und Autohersteller Autos vor die Linse. Um die halbe Welt führt ihn seine Arbeit und häufig nach Frankreich, seiner ersten Heimat, in der er bei deutschen Eltern aufgewachsen ist.

Mit zehn Jahren zog er nach Hannover, nahe der B3. Dort ging er mit Bernd Heinemann zur Schule. Der Software-Manager begleitete Groeger-Meier bei der Erkundung Göttingens. Etwas verschlafen habe sich der Stadtkern gezeigt, nun, zu Zeiten der Semesterferien. Anders im Frühjahr: „Im März saß ich draußen in der Fußgängerzone, das fühlte sich wie Norditalien an“, erzählt er.

Auch auf den anderen Etappen unternimmt er seine Reise in Gesellschaft von Freunden. Mit eigenen Texten sollen sie Sichtweisen auf die B3 und das Thema Heimat einbringen. Einige davon sind unter bundesstrasse3.de zu lesen. „Die Idee ist, verschiedene Perspektiven der Veränderungen von Norden nach Süden mitzunehmen“, erklärt Heinemann. Für Groeger-Meier selbst ist Heimat dort, wo Menschen sind, mit denen er sich verbunden fühlt. Sie stecke aber auch in der deutschen Küche, regionalem Bier und der Landschaft, die die B3 säumt. „Wir sind jetzt fünf Minuten aus Göttingen rausgefahren und landen sofort in diesem Grün, das ist einfach großartig. Und das hast du auch in Hamburg, auch in München.“ Wir verlassen Göttingen in Richtung Dransfeld, für das zweite Foto des Morgens. Diesmal steht er vor der Linse, vor seinem Oldtimer, der Fotograf in braunem Karoanzug und dynamisch-schwarzer Brille und wirkt selbst wie eine Komposition aus Tradition und Moderne.

Von Katharina Meyer

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