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Göttingen Gesucht: Ein Platz für den Taufstein
Die Region Göttingen Gesucht: Ein Platz für den Taufstein
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18:22 16.11.2011
Am Taufbecken: Helmut Pinnecke (links) und Dietrich Upmeyer. Quelle: Hinzmann
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Billingshausen

Ungeschützt steht das rund 800 Jahre alte Ganztaufbecken aus heimischem Sandstein derzeit auf dem Rasen vor der Unterbillingshäuser Kirche. Als Blumenkübel ist es zweckentfremdet. Nun soll es wieder in die Kirche einziehen.

Das Taufbecken hatte ursprünglich seinen Platz in der romanischen Kirche des Dorfes hinter dem ehemaligen Schulhaus. 1898 wurde der damals nicht mehr zeitgemäße Kirchenbau abgerissen. Bis zur Gebietsreform fand der Taufstein Platz auf dem ehemaligen Schulhof. Von dort wurde er auf Initiative des damaligen Kirchenpatronatsvorstehers Karl Gloth auf das neue Kirchengrundstück gebracht – und dort blieb er.

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Ende der 80er Jahre habe es schon einmal Bemühungen gegeben, das Taufbecken unter Dach zu bringen, erzählt Upmeyer, mit Gloth damals einer der Initiatoren. 10 000 Mark habe die Kommune damals bereitgestellt. Doch der Plan scheiterte 1988 an den Einwänden des Amts für Bau- und Kunstpflege der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Der Stein habe keine gestalterische Besonderheit, sondern einzig und allein historischen Wert. Spuren der Verwitterung, der fehlende Sockel und der stilistische Gegensatz zu der 1902 fertig gestellten, neugotischen Kirche führten die Fachleute darüber hinaus gegen den Einzug in die Kirche an. Heute sehe das die Denkmalpflege anders, berichten Upmeyer und Pinnecke. Eventuell sei sogar ein Zuschuss dafür zu erwarten, dass der Taufstein in die Kirche kommt.

„Dieses Taufbecken ist das älteste Baudenkmal Billingshausens und ein Symbol für die christliche Vergangenheit unseres Heimatdorfes“, beschreiben Upmeyer und Pinnecke seine Bedeutung. Die erst urkundliche Erwähnung der Kirche im Dorf stammt aus dem Jahr 1262. 2012 sollen 750 Jahre Kirche im Dorf gefeiert werden. Zu diesem Jubiläum würden sie das Taufbecken wieder der Öffentlichkeit und seinem Zweck übergeben: Dort sollen wieder Taufen stattfinden.

Etwa 3000 Euro würde es kosten, den Taufstein in die Kirche zu bringen und mit einem Sandsteinsockel und einem Aufsatz für eine zeitgemäße Taufschale zu versehen. Um das Geld dafür zusammen zu bekommen möchten der amtierende und der ehemalige Ortsbürgermeister eine Haussammlung durchführen und die Dorfbewohner um Spenden bitten. „Es wäre schön, wenn wir Billingshäuser selbst es zusammen schaffen könnten, das Taufbecken als wichtigen Zeugen Billingshäuser Geschichte auch für die Zukunft zu bewahren“, schreiben sie in ihrem Brief an alle Haushalte im Ort.

Von Ute Lawrenz