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Göttingen Getreideernte fällt auf 1970er-Jahre-Niveau
Die Region Göttingen Getreideernte fällt auf 1970er-Jahre-Niveau
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18:40 27.07.2011
Von Gerald Kräft
Gerstenernte bei Lütgenrode: Auf den guten Böden im Leinetal fällt die Ernte trotz Wetterkapriolen in diesem Jahr vergleichsweise noch gut aus.
Gerstenernte bei Lütgenrode: Auf den guten Böden im Leinetal fällt die Ernte trotz Wetterkapriolen in diesem Jahr vergleichsweise noch gut aus. Quelle: Vetter
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Die Anbauflächen gingen allerdings auch zurück. Geringere Erntemengen liegen also nicht nur am Wetter. Die Getreidefläche fällt mit 786 000 Hektar in Niedersachsen fast 60 000 Hektar kleiner aus als im vergangenen Jahr. Die größte Getreidefläche registrierte der Landesbetrieb für Statistik im Jahr 1979 mit 1,23 Millionen Hektar, die größte Erntemenge im Jahr 2001 mit 7,4 Millionen Tonnen. Damals lagen auch die Durchschnittserträge mit rund 40 Doppelzentner je Hektar deutlich unter dem Niveau der heutigen Sorten mit 75,7 Doppelzentner.

Während in höheren Lagen und in anderen Landesteilen die Feldfrüchte unter der Frühjahrstrockenheit zu leiden hatten, sieht es auf den guten Böden im Leinetal nicht ganz so schlecht aus. Die jetzt abgeschlossene Gerstenernte brachte dem Lütgenroder Landwirt Martin Holz mit etwa 80 Doppelzentner je Hektar zwar weniger als erwartet ein, aber immerhin gute Qualität bei durchschnittlichem Ertrag. Bei seinem Raps sieht es ähnlich aus. Solange die Temperaturen nicht über 30 Grad stiegen, schafften es die Pflanzen auf guten, wasserführenden Böden noch, so Holz. Die anstehende Weizenernte ist aus seiner Sicht noch nicht genau einzuschätzen. Beim spät gesäten Weizen gibt es ein Defizit an ährentragenden Halmen. Was den Landwirten jetzt fehlt, sind 14 Tage Sonne. „Leider ist keine stabile Wetterlage in Sicht“, beklagt Holz.

Der Mais wird vom Landvolkverband in diesem Jahr als „Sicherheitsnetz“ für die Landwirte gesehen. Sein Anbau sei mit 615 132 Hektar nochmals um 80 000 Hektar im Land ausgedehnt worden. Die Futterpflanze habe sich als äußerst robust bewiesen. Auch in diesem Jahr präsentierten sich die Maisfelder weithin in einem sehr guten Zustand. Der Regen sei nach der Frühsommertrockenheit für sie noch rechtzeitig gekommen. Silomais muss auch bei den Milchviehhaltern Futterlücken schließen. Der Anbau von Energiemais steigt auch in Südniedersachsen weiterhin, allerdings lange noch nicht in dem Maße wie etwa im Nordwesten.

Die Getreidepreise sind für die Bauern derzeit nicht schlecht. Mittlerweile werde Getreide auch als Spekulationsobjekt gesehen, glaubt Holz.