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Göttingen Gewaltforscher Heitmeyer "erfrischender Querdenker"
Die Region Göttingen Gewaltforscher Heitmeyer "erfrischender Querdenker"
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06:17 14.03.2012
Ehrung an altehrwürdiger Stätte: Verleihung des Göttinger Friedenspreises 2012 in der Universitätsaula am Wilhelmsplatz.
Ehrung an altehrwürdiger Stätte: Verleihung des Göttinger Friedenspreises 2012 in der Universitätsaula am Wilhelmsplatz. Quelle: Vetter
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Göttingen

Heitmeyer und sein Team vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltfor­schung an der Universität Bielefeld hätten mit dem Langzeitprojekt „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ die Ursachen und Konsequenzen der Abwertung und Diskriminierung gesellschaftlicher Minderheiten wie Zuwanderer, Juden, Muslime, aber auch Langzeit­arbeitslose oder Asylbewerber in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, hieß es weiter. In der Aula der Universität Göttingen am Wilhelmsplatz nahm Heitmeyer den Preis entgegen.

Zuvor hatten Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Universität Göttingen, und Wolfgang Meyer (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Göttingen, das Wirken Heitmeyers gewürdigt. Beisiegel betonte, dass Wissenschaftler seit jeher eine große Verantwortung bei der Lösung globaler Konflikte hätten und erinnerte an die Göttinger Erklärung von 1957. Meyer nannte die Auszeichnung Heitmeyers eine „verdiente Ehrung“ für seine „wegweisende Forschungsarbeit“.

Flut von Texten

In seiner persönlichen und erheiternden Laudatio sagte der Berliner Migrationsforscher Klaus J. Bade, Vorsitzender des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Heitmeyer sei ein „erfrischend kantiger, wissenschaftlicher Querdenker“ und „intellektuell Bescheidener“, den er sehr schätze. Er könne sich nur eines nicht erklären: „Wie kommt der Mann zu seiner Flut von Texten?“ Schließlich sei er ein Vertreter der „Offline-Bewegung“, der von sich behaupte, noch nie privat oder dienstlich einen Computer besessen zu haben.

Auch sonst übe sich Heitmeyer in Bescheidenheit, sagte Bade. „Zu meinem Lebenslauf gibt es wenig Bemerkenswertes zu sagen“, habe der 66-Jährige ihm geschrieben. „Außer dass ich seit fast 50 Jahren mit meiner Frau zusammen bin und wir uns über unsere zwei Töchter freuen.“ Er sei ferner leidenschaftlicher Handball-Fan. Und er spiele Fußball in der Uni-Professorengruppe in Bielefeld.

Die Laudatio habe ihn „angenehm erheitert und verlegen gemacht“, erklärte Heitmeyer. Er bedankte sich für den Preis, den er nicht erwartet habe und der ihn irritiere, „weil ich mit Frieden nichts zu tun habe, sondern mit Konflikten und Gewalt“. Dann hielt er selbst eine Rede. Titel: „Rohe Bürgerlichkeit. Bedrohungen des inneren Friedens“.

Der Bielefelder Sozialwissenschaftler und Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer ist mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet worden. Die Laudatoren in der Aula am Wilhelmsplatz nannten ihn "erfrischen kantig".

Friedenspreis

Der Göttinger Friedenspreis ist mit 3000 Euro dotiert. Er wird jährlich von der Stiftung Dr. Roland Röhl an Einzelpersonen oder Gruppen verliehen, die sich durch grundlegende wissenschaftliche Arbeit oder durch herausragenden praktischen Einsatz um den Frieden besonders verdient gemacht haben. Stifter war der 1997 gestorbene Göttinger Wissenschaftsjournalist Roland Röhl.

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Zwei ökumenische Vereinigungen erhalten den mit insgesamt 3000 Euro dotierten Göttinger Friedenspreis 2011. Der Preis gehe zu gleichen Teilen an die Gruppe „Ohne Rüstung leben“ und die „Arbeitsgruppe Rüstungsexporte der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung“ (GKKE), teilte ein Sprecher der Stiftung Dr. Roland Röhl mit.

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