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Göttingen Gewalttaten gegen Lehrer in Südniedersachsen haben sich verdoppelt
Die Region Göttingen Gewalttaten gegen Lehrer in Südniedersachsen haben sich verdoppelt
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08:48 01.10.2019
Messer sind in Schulen strikt verboten. Auch wenn es nicht zum Äußersten kommt, hat die Gewalt gegen Lehrer erheblich zugenommen. Quelle: dpa
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Göttingen

In ganz Niedersachsen hat die Gewalt gegen Lehrer zugenommen, im Raum Göttingen ist – auf niedrigem Niveau – vor allem die Zahl der Körperverletzungen sprunghaft angestiegen, hat sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt. Im Bereich der Polizeiinspektion Göttingen wurden im vergangenen Jahr in elf Fällen Lehrkräfte Opfer von Körperverletzungen, teilt Polizeisprecherin Jasmin Kaatz mit. Im Jahr zuvor waren sechs Körperverletzungen registriert worden.

Insgesamt haben die Straftaten gegen Lehrer – von Beleidigungen über Eigentumsdelikte bis Bedrohungen – in Stadt und Landkreis Göttingen innerhalb eines Jahres um knapp ein Drittel zugenommen, von elf auf 15. Landesweit stieg die Zahl der betroffenen Pädagogen um gut 40 Prozent. Allein 190 Lehrer wurden 2018 in Niedersachsen Opfer von Körperverletzungen, im Jahr zuvor 130.

Sensibles Tabuthema

Im Bereich der Polizeidirektion Göttingen, der von Hameln über Northeim bis Hildesheim reicht, nimmt der Raum Göttingen bei der Negativentwicklung eine Spitzenstellung ein. Direktionsweit wurden im vergangenen Jahr 46 Lehrer Opfer von Straftaten, nur drei mehr als 2017. Sowohl 2018 als auch 2017 wurden jeweils 25 Pädagogen verletzt, teilt Nevin Ayyildiz mit. Die Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) weist darauf hin, dass nicht immer die Schule Tatort sei. Erfasst würden alle Straftaten im Zusammenhang mit dem Beruf – also auch, wenn Lehrer aufgrund ihrer Tätigkeit nachmittags in der Stadt angegriffen würden.

Über nackte Zahlen hinaus ist es schwierig, etwas über das sensible Thema zu erfahren. Betroffene und Schulen hüllen sich zumeist in Schweigen, Behörden und Lehrergewerkschaft ziehen sich auf allgemeine Aussagen zurück. „Die LKA-Zahlen sind uns bekannt, wir erheben aber keine eigenen Zahlen“, sagt Bianca Schöneich, Sprecherin der Landesschulbehörde: „Hin und wieder werden lediglich einzelne Vorfälle von Schulen gemeldet.“ Die Schulbehörde empfehle, schwere Vorfälle auf jeden Fall anzuzeigen. Betroffenen Lehrern und Schulen werde psychologische, rechtliche und schulfachliche Unterstützung angeboten. Das Kultusministerium verfolge eine strikte Null-Toleranz-Politik: „Zudem ist es wichtig, das Thema aus der Tabuzone zu holen und auch öffentlich darüber zu diskutieren, wie wir der gesellschaftlichen Verrohung, die sich offenkundig auch in Schulen wiederfindet, gemeinsam gegensteuern können.“

Hohe Dunkelziffer vermutet

Dass das Klima rauer geworden ist, kann die Göttinger Kreisverbandsvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Elke Moeken, aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. In ihrer Schulzeit am Hainberg-Gymnasium habe sie keine Gewalt erlebt. Es seien allenfalls subjektive Einschätzungen möglich, Beratungslehrer würden ebenso wie Mobbing-Interventionsteams der Schweigepflicht unterliegen. Moeken geht allerdings von einer hohen Dunkelziffer bei der Gewalt gegen Lehrer aus.

„Der Arbeitsplatz Schule ist schwierig – und wird nicht leichter“, meint die Gewerkschaftlerin. Die Zusammensetzung der Schülerschaft in der multikulturellen Gesellschaft habe sich verändert, es gebe Lehrermangel an Grundschulen, und es fehle Zeit, sich schon in jungen Jahren ausreichend um die Kinder zu kümmern. „Mobbing-Schleifen sind auch für Jugendliche schrecklich“, sagt Moeken: „Wir müssen in ein Unterstützungssystem für Eltern, Lehrer und Schüler investieren und Fortbildungsmöglichkeiten nutzen.“ Die GEW kritisiere, dass Anrechnungsstellen für Beratungslehrer drastisch gekürzt worden seien und fordere mehr Sozialpädagogenstellen: „Alle Schulen müssen Sozialpädagogen haben, sinnvoll wäre auch therapeutisches Personal.“

„Sorge, dass etwas ins Rutschen gekommen ist“

„Wenn man von Gewalt gegen Rettungskräfte, Kommunalpolitiker und Lehrer hört, besteht die Sorge, dass grundsätzlich etwas ins Rutschen gekommen ist“, sagt Sebastian Schumacher, Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums. Die Zahlen des LKA seien durchaus beunruhigend und würden zum Anlass genommen, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Es sei möglich, dass sich auch das Anzeigeverhalten geändert habe. Seit 2016 gibt es einen Erlass zur Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft, der eine Anzeigepflicht der Schule bei Gewalttaten formuliert. Um psychischer und physischer Gewalt an Schulen und gegen Lehrer vorzubeugen, setzt das Ministerium auf eine ganze Reihe vorbeugender Projekte und Programme, schuleigene Präventionskonzepte, das Verbot von Waffen und Chemikalien sowie ein eigenes Referat zur Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Seit 2010 gibt es konkrete Handlungsanleitungen für Krisen und Notfälle. Über Soforthilfe hinaus können Lehrkräfte langfristige Beratung bis hin zur Vermittlung von Psychotherapien in Anspruch nehmen.

Von Kuno Mahnkopf

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