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Göttingen Tatverdächtiger ist wegen Vergewaltigung vorbestraft
Die Region Göttingen Tatverdächtiger ist wegen Vergewaltigung vorbestraft
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00:51 28.09.2019
In Grone soll Frank N. eine Frau getötet haben. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Der Tatverdächtige, der am Donnerstag eine 44-jährige Frau auf offener Straße in Göttingen getötet haben soll, ist bereits mehrfach wegen Sexualdelikten vorbestraft und hat mehrere Jahre in Strafhaft gesessen. Das hat am Freitag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen auf Anfrage bestätigt.

Der heute 52-Jährige war bereits als Heranwachsender zweimal wegen Vergewaltigung zu Jugendstrafen verurteilt worden. 1994 verurteilte das Landgericht Göttingen den damals 27-Jährigen wegen Vergewaltigung zu sechs Jahren Freiheitsstrafe.

Frau in Garage vergewaltigt

Der gelernte Tischler hatte damals in dem Prozess vor dem Landgericht gestanden, im November 1992 in Göttingen eine damals 30-jährige Frau morgens in ihrer Garage überfallen und vergewaltigt zu haben. Seinen Angaben zufolge hatte er die Frau auf dem Fußweg vorbeigehen sehen. Dabei sei ihm die Idee gekommen, sie zu vergewaltigen.

Er folgte ihr bis zu einer Garage, wo sie ihr Auto geparkt hatte. Als sie ins Fahrzeug steigen wollte, habe er sie gepackt, auf die Motorhaube geworfen und vergewaltigt. Die Polizei hatte ihn damals bereits frühzeitig als Täter im Visier gehabt, konnte ihn aber erst elf Monate nach der Tat mittels einer DNA-Analyse überführen.

Flucht bei Gerichtstermin

Ein Jahr nach dem Urteilsspruch musste die Polizei dann erstmals eine Öffentlichkeitsfahndung nach Frank N. einleiten. Der damalige Strafgefangene war 1995 bei einem Zeugentermin im Amtsgericht Göttingen seinen Bewachern entkommen und getürmt.

Rund einen Monat später nahm ihn die Polizei fest. Dabei kam es zu einem Zwischenfall: Um seiner Festnahme zu entgehen, schleuderte der entflohene Straftäter den Beamten sein Fahrrad entgegen. Als er trotz mehrfacher Aufforderung nicht stehen blieb und auch auf einen Warnschuss nicht reagierte, gab ein Beamter einen weiteren Schuss ab. Der Flüchtige wurde von der Kugel getroffen und schwer verletzt. Später verurteilte ihn das Amtsgericht Göttingen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu weiteren zwei Monaten Haft.

2001 wurde Frank N. aus der Haft entlassen. Danach wurde er wegen Sachbeschädigung verurteilt.

Randale auf dem Balkon des Opfers

Am 20. September 2019 dann randaliert N. auf dem Balkon seiner 44-jährigen Bekannten, dem späteren Opfer. Das bestätigt Polizeisprecherin Jasmin Kaatz dem Tageblatt am Freitagabend.

Demnach steigt der 52-Jährige an jenem Freitag gegen 22 Uhr auf den Balkon der Frau im Hochpaterre und wirft von dort aus Möbel und Deko-Gegenstände in den Garten. Dann verschwindet er. Die 44-Jährige, die zu der Zeit Besuch hat, beobachtet das Geschehen und ruft die Polizei. Sie erstattet Anzeige wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs und erklärt, dass dies bislang der einzige Ausraster ihres Bekannten gewesen sei.

Polizei erteilt Platzverweis

Nach Angaben von Kaatz sucht die Polizei N. daraufhin zu Hause auf und erteilt ihm einen Platzverweis für das Grundstück, auf dem die Frau wohnt, und die angrenzende Straße. Außerdem erhält er von der Polizei eine sogenannte Gefährderansprache. Zudem leitet die Polizei Kaatz zufolge ein Verfahren gegen N. ein.

Dieser habe sich gegenüber den Beamten einsichtig gezeigt. Damit habe die Polizei die rechtlichen Maßnahmen ausgeschöpft gehabt, erklärt Kaatz. „Das, was rechtlich möglich war, haben wir gemacht.“

Danach verhält sich N. nach Angaben der Polizei ruhig. Bis es eine knappe Woche später am Donnerstagmittag zu der Gewalttat in Grone kommt.

Von Heidi Niemann und Andreas Fuhrmann