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Göttingen Gewaltverbrecher Frank N.: Darum sitzt er in der JVA Rosdorf und so ist er untergebracht
Die Region Göttingen Gewaltverbrecher Frank N.: Darum sitzt er in der JVA Rosdorf und so ist er untergebracht
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19:03 06.10.2019
Luftbild der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf mit dem Neubau für Sicherungsverwahrte (Gebäudeteil vorn links). Quelle: dpa
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Göttingen/Rosdorf

6,50 Meter hohe Mauern, Gitterstäbe vor den Fenstern: Der mutmaßliche Doppelmörder Frank N. sitzt in Untersuchungshaft. Nach der perfiden Tat mit zwei Toten in Grone, die N. begangen haben soll, und seiner Festnahme nach spektakulärer Flucht in Göttingen ist der 52-Jährige in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorfuntergebracht. Die Anstalt gilt als modernstes Gefängnis Niedersachsens. Noch keinem Gefangenen gelang die Flucht. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Warum wurde Frank N. in der JVA Rosdorf untergebracht?

Frank N. war einen Tag nach seiner Festnahme dem Haftrichter in Göttingen vorgeführt worden. Der erließ Haftbefehl – wegen Mordes und versuchten Mordes (weil auch das zweite Opfer starb, wurde der Haftbefehl später auf zweifachen Mord geändert). Danach wurde der 52-Jährige in die JVA Rosdorf gebracht. Christian Lauenstein, Pressesprecher des Niedersächsischen Justizministeriums, erklärt warum: „Die Zuständigkeit für die Vollziehung der Untersuchungshaft richtet sich nach dem Sitz der sogenannten Einweisungsbehörde, also dem Gericht, das den Haftbefehl erlassen hat. Das ist nach meiner Kenntnis in diesem Fall das Amtsgericht Göttingen.“

Wie ist der mutmaßliche Doppelmörder in der JVA Rosdorf untergebracht?

„Der Untersuchungsgefangene ist in einem Einzelhaftraum untergebracht“, erklärt Lauenstein. „Er nimmt im üblichen Rahmen an dem Tagesablauf in der Vollzugsabteilung teil.“ Einer Beschäftigung gehe N. bislang aber noch nicht nach. Weitere Angaben könnten „zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte des Gefangenen“ nicht gemacht werden.

Wie gestaltet sich der Tagesablauf in der Untersuchungshaft?

Um 6.15 Uhr ist Wecken mit Frühstücksausgabe und Aufschluss mit Medikamentenausgabe bis 7 Uhr. Danach folgt der Einschluss bis zur Freistunde (Aufenthalt im Freien im Freistundenhof der Anstalt) bis 10.15 Uhr. Anschließend muss der Gefangene seine Zelle reinigen und sich bis zur Mittagsessenausgabe um 11.30 Uhr duschen. Um 12.30 Uhr ist Einschluss bis zum Nachmittag. Danach besteht die Möglichkeit, an Freizeitangeboten teilzunehmen – bis zum Nachteinschluss um 19.30 Uhr (Wochenende: 18.30 Uhr).

Die JVA Rosdorf gilt als sicherste Haftanstalt Niedersachsens. Warum ist das so?

Das Gefängnis verfügt nach Angaben des Sprechers des Justizministeriums „über einen hohen baulichen und technischen Sicherheitsstandard. Notrufsysteme, eine Sicherheitszentrale, Schleusensysteme, ein schlüsselloses Schließsystem, Videoüberwachung, elektronischen Detektionssysteme sowie von Gebäuden umschlossene Freistundenbereiche sorgen nach bisherigen Erkenntnissen für eine optimale äußere und innere Sicherheit.“ Bisher habe es noch kein Gefangener geschafft, auszubrechen.

Wie ist die JVA Rosdorf aufgebaut?

Die Hauptanstalt wurde im Juni 2007 in Betrieb genommen. Die JVA Rosdorf ist für die Unterbringung von Straf- und Untersuchungsgefangenen und seit Juni 2013 auch für den Vollzug der Sicherungsverwahrung zuständig. Das Gefängnis besteht aus der Hauptanstalt des geschlossenen Vollzugs in Rosdorf mit 386 Plätzen (davon 48 in der Abteilung Sicherungsverwahrung) inklusive der Abteilungen des offenen Vollzuges für Männer in Duderstadt mit 18 Plätzen und Einbeck mit 16 Plätzen. In dem Gefängnis sind zurzeit 301 Gefangene inhaftiert: In der Hauptanstalt 282 (davon in der Sozialtherapeutischen Abteilung 27, in der Abteilung Sicherungsverwahrung 39) und in den Abteilungen Duderstadt neun und Einbeck zehn.

Was befindet sich auf dem Gelände der JVA Rosdorf?

Auf dem Gesamtkomplex der JVA Rosdorf innerhalb der 6,50 Meter hohen Mauer befinden sich die Eingangsschleuse, die gesamte Verwaltung, die Haftbereiche, die Sporthalle, der Sportplatz, die Werkstätten und Betriebe, das Wirtschaftsgebäude und technische Bereiche.

Warum gibt es Werkstätten und Arbeitsbetriebe?

Für Strafgefangene besteht im Gegensatz zu Untersuchungsgefangenen eine Arbeitspflicht. Sie werden in anstaltsinternen Werkbetrieben eingesetzt, nehmen an Qualifizierungsmaßnahmen teil oder übernehmen bestimmte Funktionen in der Anstalt (zum Beispiel in der Küche oder bei der Pflege der Grünanlagen). Die Werkstätten und Arbeitsbetriebe in der JVA Rosdorf verfügen über 2900 Quadratmeter Produktions- und Lagerfläche. Es werden unter anderem Arbeiten für Automobilzulieferer, Maschinenbaufirmen, Druckereien, Kartonagehersteller, Hersteller von Spritzgussartikeln, Werbematerialhersteller, Elektronikteilehersteller ausgeführt.

Was gehört noch zum Alltag der Gefangenen?

„Parallel zu der Arbeit oder den beruflichen und schulischen Ausbildungsmaßnahmen werden den Gefangenen und Sicherungsverwahrten adäquate Behandlungsmaßnahmen angeboten“, erklärt Lauenstein. So nehmen die Gefangenen an gezielten Behandlungsangeboten (zum Beispiel Suchtgruppen, Training sozialer Kompetenzen oder Schuldnerberatung) und Freizeitangeboten (zum Beispiel Mannschaftssport, Gefangenenzeitung, seelsorgerische Angebote) teil. Der Vollzugs- und Behandlungsplan diene „der sinnvollen Tagesstrukturierung während der Haftzeit und der nachhaltigen Erarbeitung einer Entlassungsperspektive“.

Welche Straftaten haben die Gefangenen, die in der JVA Rosdorf einsitzen, begangen?

Die JVA Rosdorf ist für die Untersuchungshaft für 14 Amtsgerichte in den Landgerichtsbezirken Göttingen, Hannover, Hildesheim und Braunschweig und für den Vollzug der Strafhaft der Landgerichtsbezirke zuständig. In dem Gefängnis werden „alle Straflängen von kurzen Ersatzfreiheitsstrafen bis hin zu lebenslangen Freiheitsstrafen und Sicherungsverwahrung vollzogen“, erklärt Lauenstein. „Das bedeutet: Jede Straftat ist denkbar, um in der JVA Rosdorf einzusitzen.“

Wie sieht eine übliche Zelle in der JVA Rosdorf aus?

„Ein Haftraum verfügt über eine Größe von 8,5 Quadratmeter inklusive einer kleinen Nasszelle und ist mit Holzmöbeln wohnlich eingerichtet“, sagt Lauenstein. Dazu gehören ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch, ein Schrank, ein Regal und eine Bilderleiste. Die Sicherungsverwahrten verfügen über eine Dusche in ihrem Unterkunftsbereich. Im Bereich der Straf- und Untersuchungshaft befinden sich Gemeinschaftsduschen auf den jeweiligen Stationen. Elektrische Geräte und sonstige private Dinge können nach Genehmigung zugelassen werden. Dazu zählen Fernseher, Wasserkocher oder Fön. Zudem stehen den Insassen Telefone im Unterkunftsbereich zur Verfügung, die sie mit entsprechender Freigabe oder unter Auflagen nutzen können. „Computer sind aus Gründen der Aufrechterhaltung der Sicherheit der Anstalt nicht zugelassen“, sagt Lauenstein. Grundsätzlich dürften die Gefangenen alle Gegenstände nutzen, die nicht die Sicherheit und Ordnung der Anstalt gefährden. „Aus Gründen der Fremd- oder Selbstgefährdung können Gegenstände jedoch auch entzogen oder vorenthalten werden.“

Gibt es Gemeinschaftsräume?

Nach dem Niedersächsischen Justizvollzugsgesetz soll das Leben im Vollzug so weit wie möglich den allgemeinen Lebensbedingungen in Freiheit angepasst werden, erklärt Lauenstein. Aus diesem Grund können die Gefangenen und Sicherungsverwahrten beispielsweise in speziellen Räumen innerhalb der JVA aus dem Sortiment eines ortsansässigen Supermarktes einkaufen, sich aus allgemein zugänglichen Informationsquellen über das Tagesgeschehen informieren, in regelmäßigen Abständen einen Frisör aufsuchen und sich Bücher aus der Gefangenenbücherei ausleihen. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, eine Interessenvertretung zu wählen. Die gewählten Vertreter treffen sich in regelmäßigen Abständen und tragen der Anstaltsleitung Meinungen und Anliegen vor.

Untersuchungshaft und Strafhaft: Die Unterschiede

„Der Unterschied ergibt sich in erster Linie aus den Zwecken von Untersuchungs- und Strafhaft“, erklärt Lauenstein. Im Vollzug der Freiheitsstrafe sollen die Gefangenen demnach befähigt werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen. Dem dienen die Maßnahmen der Resozialisierung in der Haft, zum Beispiel durch Arbeit. Zugleich dient der Vollzug der Freiheitsstrafe dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten. „Der Vollzug der Untersuchungshaft dient hingegen dem Zweck, den in den gesetzlichen Haftgründen wie Flucht- oder Verdunklungsgefahr zum Ausdruck kommenden Gefahren zu begegnen“, sagt Lauenstein. Dadurch werde „insbesondere die Durchführung einer gerichtlichen Hauptverhandlung“ gesichert. „Untersuchungsgefangene gelten bis zu einem etwaigen Urteilsspruch als unschuldig und sind beispielsweise anders als Strafgefangene nicht zur Arbeit verpflichtet“, so Lauenstein. Daher seien Strafgefangene und Untersuchungsgefangene getrennt voneinander untergebracht.

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