Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen GfbV-Chef verantwortlich für Abschiebungen
Die Region Göttingen GfbV-Chef verantwortlich für Abschiebungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:57 06.03.2012
Von Matthias Heinzel
Machtkampf: Wo es bei der GfbV derzeit langgeht, weiß derzeit wohl niemand.
Machtkampf: Wo es bei der GfbV derzeit langgeht, weiß derzeit wohl niemand. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

Das Erstaunliche: Vor der Wahl war der GfbV der frühere Aufgabenbereich Kleins zum Teil bekannt. Seit Oktober 2010, als er auf der Jahreshauptversammlung gewählt wurde, ist Harald Klein, Freiburger Rechtsanwalt, Bundesvorsitzender der GfbV. Klein habe seine frühere Tätigkeit nicht verschwiegen, erklärt die GfbV-Belegschaft auf Tageblatt-Anfrage. Er habe sogar erwähnt, dass Hunderte von Einzelschicksalen über seinen Tisch gegangen seien. Die GfbV: „Dabei hat er jedoch suggeriert, dass dies im Zusammenhang mit Petitionen für ein Bleiberecht der Betroffenen geschehen ist und er diese positiv beschieden hat.“

Die Wahrheit sieht wohl anders aus. Jetzt zitiert die GfbV einen Bericht von Pro Asyl, nach dem zwischen 1995 und 1998, als Klein laut selbstverfasstem Lebenslauf Leiter der Abteilung Inneres im Regierungspräsidium Chemnitz und damit auch Chef der Zentralen Ausländerbehörde des Freistaats Sachsen war, 6898 Flüchtlinge abgeschoben wurden. Darunter waren laut GfbV auch etwa 600 bosnische Vertriebene, deren Heimat bis heute serbisch besetzt ist. Gegen Abschiebungen dorthin hatte die GfbV erst kürzlich in Berlin demonstriert.

Flüchtlingsfamilie abgeschoben

Erst nach der Wahl, erklärt die Belegschaft der GfbV weiter, habe Klein zugegeben, persönlich dafür gesorgt zu haben, dass eine große Flüchtlingsfamilie abgeschoben wurde. Als GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch ihn daraufhin auf Vorstandssitzungen auch wegen anderer Abschiebungen zur Rede gestellt habe, sei Zülch von Klein „niedergeschrieen“ worden.

Zudem werden zurzeit GfbV-Gelder für Rechtsstreitigkeiten innerhalb der Gesellschaft verbraucht, bestätigt die GfbV. Außerdem hätten Klein und der zweite im November 2011 abgewählte Vorstand James Albert „alle Auszahlungen und Konteneinsichten blockiert, womit die Arbeit der Gesellschaft „schwer beeinträchtigt“ worden sei, erklärt die GfbV-Belegschaft.

Anfragen und Bitten um eine Stellungnahme bei Klein zu den Tageblatt-Informationen blieben bis Dienstagabend, 6. März, unbeantwortet.

GfbV-Ziele

Die internationale Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) setzt sich für verfolgte und bedrohte ethnische und religiöse Minderheiten, Nationalitäten und Ureinwohner ein. Mit Kundgebungen, Demonstrationen oder internationalen Konferenzen macht sie sich für Opfer von Menschenrechtsverletzungen stark. Unter anderem protestiert sie regelmäßig gegen Abschiebungen in Gebiete, in denen die Betroffenen gefährdet sind und kritisiert die dafür verantwortlichen Behörden.