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Göttingen Das war der Girls Kick 2019 in Göttingen
Die Region Göttingen Das war der Girls Kick 2019 in Göttingen
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00:24 10.05.2019
Spaß beim Mädchenfußballturnier Girls Kick Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Helga Steiningers Augen leuchten beim ersten Anpfiff der Spiele des diesjährigen Girls Kick. Das Fußballturnier für Mädchen von der fünften bis zur achten Klasse geht an diesem Tag in die 14. Runde. Die Mitarbeiterin des Fachdiensts Jugendarbeit des Landkreis Göttingen, gehört seit dem ersten Girls Kick im Jahr 2006 zum Organisationsteam. „Das schönste Gefühl ist zu Beginn des Turniers: die Spannung steigt und die Mädels warten darauf, dass es endlich losgeht.“

Aktuell sind die Stadt und der Landkreis Göttingen, der Hochschulsport der Universität Göttingen, das Frauengesundheitszentrum, der Mädchenarbeitskreis Stadt und Landkreis Göttingen sowie der Niedersächsische Fußballverband Kreis Göttingen an der Organisation des Girls Kick beteiligt.

Mitarbeiter des Gleichstellungsbüros, eine Fußballreferentin, ehemalige und aktive Fußballspielerinnen gehören ebenfalls zum Organisationsteam.

Fußball soll keine Männerdomäne sein

Euphorische Mädchen und laute Schlachtrufe: An diesem Tag ging es nicht nur um den Sieg. „Die Mädels haben Spaß am Kicken und darum geht es auch“, berichtet Steininger. Es soll ein Raum geschaffen werden, in dem Fußball ohne Jungs gespielt werden kann. Fußball gilt noch immer vornehmlich als Männerdomäne und das wollen die Organisatoren des Girls Kick ändern. Mädchen sollen sich trauen zu kicken und Hemmungen dem Sport gegenüber abbauen.

Spaß beim Mädchenfußballturnier Girls Kick Quelle: Christina Hinzmann

Das Fußballturnier ist das bundesweit das größte Schulfußballturnier für Mädchen. Schulen aus dem Göttinger Stadtgebiet und dem Landkreis nehmen teil. Die Schulform ist unerheblich. Mädchen des Otto-Hahn-Gymnasiums, der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule und der integrierten Gesamschule Bovenden tummeln sich auf dem Rasen. Selbst Schülerinnen aus Bad Lauterberg haben die lange Reise auf sich genommen, um am Girls Kick teilzunehmen.

48 Mannschaften auf acht Kleinfeldern

Auf dem Außengelände des Sportzentrums der Universität Göttingen treten 48 Mannschaften auf acht Kleinfeldern gegeneinander an. Das Teilnehmerfeld ist in zwei Klassen gegliedert. Mannschaften der Klassen fünf und sechs spielen gegeneinander, die Klassen sieben und acht tragen ihren eigenen Wettkampf aus.

„In zwei Minuten spielen die Kicker Girls Bovenden gegen die Hotten Karotten“, tönt es aus den Lautsprechern. Kreativität ist Trumpf: Die Mannschaftsnamen durften die Mädchen selbst bestimmen.

Zahl der Fußballspielerinnen rückläufig

Peter Dzimalle, Vorsitzender des Frauen- und Mädchenausschusses des Niedersächsischen Fußballverband Göttingen, ist vor Ort und feuert die Mädchen an. Er erzählt, dass die Zahl der Fußballspielerinnen im Kinder- und Jugendalter rückläufig ist. „Während der Frauenfußball WM 2011 haben wir eine höhere Anmeldezahl in den Vereinen verzeichnet. Leider beobachten wir insbesondere im Landkreis, dass immer weniger Mädchen in Vereinen gemeldet sind.“

Die Veranstalter sehen verschiedene Gründe für diese Entwicklung: Ganztagsschulen und Unterricht am späten Nachmittag nähmen die Zeit der Mädchen in Anspruch. Auch deshalb lasse sich der Alltag selten mit den Trainingszeiten eines Vereins vereinbaren.

Kicken ohne Jungs

Das Girls Kick-Turnier eröffnet den Mädchen die Option den Spaß am Spiel zu finden. Einen ganzen Tag lang kicken sie – ohne Jungs! Energisch und ehrgeizig sprinten die Schülerinnen dem Ball hinterher. „Es ist immer dynamisch beim Girls Kick – und das seit 2006“, bilanziert Steininger.

Einige der Mädchen spielen aktiv im Verein, andere wiederum haben bis dato keinen Ball berührt. Doch darum geht es auch nicht. Zugangsvoraussetzungen für die Teilnahme gibt es nicht.

Spaß im Vordergrund

Am Ende des Tages soll die Mädchen eines verbinden: Spaß am Fußball. „Die einen haben richtige Trikots, die anderen wiederum nur einfache Kleidung. Der eine ist sportlicher, der andere weniger. Aber das ist heute egal – es geht um den Spaß“, berichtet Britta Thür, die dem Organisationsteam des Girls Kick angehört. Als Mitarbeiterin des Gleichstellungsbüro der Stadt Göttingen ist sie tätig für eine der vielen Institutionen, die das Turnier ausrichten.

Die Idee zum Turnier wurde während der Weltmeisterschaft der Männer 2006 geboren. „Es war eher eine flapsige Idee, aber alle waren davon begeistert und jetzt stehen wir hier“, erinnert sich Steininger zurück.

Eine Initiative zur Förderung des Mädchenfußballs, die voll aufgeht. Beim Girls Kick haben die Mädchen Spaß mit dem runden Leder.

Institution aus flapsiger Idee

Aus der flapsigen Idee ist eine Institution geworden. Dass der Girls Kick Anklang gefunden hat, zeigt auch in diesem Jahr die hohe Teilnehmerzahl. Nur selten verzichten die Schulen auf eine Teilnahme am Turnier. Dem Mädchenfußball mehr Aufmerksamkeit zu schenken, haben sich die Ausrichter auf die Fahnen geschrieben. Und ihr Einsatz trägt Früchte: „Wenn ich ab und an Mädels beim Bolzen sehe, erzählen sie mir, dass sie auch beim Girls Kick teilgenommen haben. Mit dem Turnier erreichen wir was“, berichtet Steininger.

Fußball ist längst keine reine Männerdomäne mehr. Das zeigt sich insbesondere am Beispiel Pauline Bremer. Die gebürtige Dransfelderin nahm 2007 im Alter von elf Jahren am Girls Kick teil. Heute ist sie Profifußballerin bei Manchester City. Bremer war im vergangenen Jahr Gast beim Girls Kick in Göttingen. „Für die Schülerinnen war das ein Highlight. Sie standen Schlange um von Pauline ein Autogramm zu bekommen“, erinnert sich Steininger.

Dream Team und EGD 1 siegen

Nach einer spannenden Partie der siebten und achten Klassen setzte sich am Ende des Tages das „Dream Team“ der Heinz-Sielmann-Realschule aus Duderstadt gegen die Mannschaft „Söckchen“ der Geschwister-Scholl-Gesamtschule durch.

In der Altersklasse der fünften und sechsten Klasse gewann das Team „EGD 1“ des Eichsfeld-Gymnasiums aus Duderstadt. Das Team um „FFC IGS“ der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule aus Göttingen erreichte Platz zwei.

Die positive Resonanz bestärkt die Veranstalter in ihrem Einsatz für den Fußball. Thür bilanziert im Hinblick auf das kommende Jahr: „Nach dem Girls Kick ist vor dem Girls Kick.“

Spaß beim Mädchenfußballturnier Girls Kick Quelle: Christina Hinzmann

Das sagen die Teilnehmerinnen:

Zaina (IGS Geismar, 12 Jahre):

„Ich bin das zweite Mal dabei und stehe diesmal im Tor und in der Abwehr. Es ist ganz gut, aber auch anstrengend, weil starke Mannschaften dabei sind.“

Sema (IGS Geismar, 12 Jahre):

„Ich spiele selbst im Verein beim SVG Göttingen, aber mache auch zum zweiten Mal beim Girls Kick mit. Ich finde es einfach super, dass sich so viele Schulen beteiligen und wir gegeneinander antreten können.“

Finja (THG Göttingen, 13. Jahre):

„Der Girls Kick gefällt mir sehr, weil es fair abläuft. Die Schiedsrichter pfeifen zwar nicht alles, aber das ist in Ordnung. Ansonsten würde das Spiel ja immer unterbrochen werden und das will keiner.“

Paula (HG Girls, 11 Jahre) Quelle: Christina Hinzmann

Paula (HG Girls, 11 Jahre):

„Der Girls Kick ist cool, definitiv besser als Schule. Unsere Mannschaft hat sogar einen eigenen Schlachtruf: ‚Let‘s go HG, let‘s go!‘. Fußballspielen macht einfach Spaß, deswegen spiele ich auch im Verein. Beim Girls Kick heute fand ich aber auch die ganzen Aktionen toll, wie zum Beispiel das Fußballdart.“

Mia (IGS Bovenden, 14 Jahre):

„Ich habe eigentlich gar keine Ahnung von Fußball und spiele es auch nicht in der Freizeit. Deshalb dachte ich auch, dass es nicht so gut wird. Obwohl ich nicht einmal wusste, auf welcher Position ich gespielt habe, hat es echt Spaß gemacht. Vor allem weil unsere Mannschaft gut zusammenhält.“

Daria (OHG, 12 Jahre):

„Ich habe im Verein gespielt. Der Girls Kick ist super, weil man auf gleichstarke Mannschaften trifft. Die Schiedsrichter sind nicht immer fair. Die haben die ein oder andere Grätsche übersehen. Trotzdem haben wir drei Spiele gewonnen.“

Adela (KGS Bad Lauterberg, 13 Jahre):

„Von mir aus kann das Turnier jeden Tag stattfinden. Wir haben heute drei Spiele insgesamt gewonnen. Als Stürmerin habe ich heute echt viele Tore geschossen.“

Positive Bilanz für den Göttinger Mädchenfußball

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verzeichnete in den letzten Jahren eine rückläufige Anzahl der Fußballspielerinnen im Alter zwischen 9 und 6 Jahren. In Südniedersachsen lässt sich dieser Trend ebenfalls beobachte, gilt jedoch hauptsächlich für die ländlichen Gebiete.

Mehr Spielerinnen in Göttingen

Die Anzahl der Mädchenmannschaften in der Stadt Göttingen ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Im direkten Vergleich zur Saison 2017/2018 ist in der Altersklasse der E-Jugend (ab 9 Jahre) 2018/2019 eine Mannschaft mehr gemeldet worden. Auch in der D-Jugend, bei den Mädchen ab 11 Jahren, setzt sich dieser Trend fort. Hier ist in der aktuellen Saison ebenfalls eine weitere Mannschaft für den Spielbetrieb angemeldet worden. Derzeit existieren neun Mannschaften in dieser Altersklasse.

Auch bei den B-Juniorinnen ist das Teilnehmerfeld gewachsen – in der laufenden Saison gibt es 15, statt wie im Vorjahr 14, Teams.

Rückgang bei den Mädchen ab 13 Jahren

Jedoch gab es auch in Göttingen einen Rückgang zu verzeichnen, dieser ist sogar recht deutlich und betrifft den C-Jugend-Jahrgang (Mädchen ab 13 Jahren): In diesem Jahr gehen lediglich neun Mannschaften an den Start, in der vergangenen Saison gab es in dieser Altersklasse hingegen 13 Mannschaften.

In der Region zeigen die Zähler nach oben. Quelle: Sit

Von Laura Giebner

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