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Göttingen „Es ändert sich nichts“
Die Region Göttingen „Es ändert sich nichts“
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00:17 06.03.2017
Von Ulrich Schubert
Stadt und Landkreis setzen verstärkt auf Gesamtschulen - diese Kooperation stellt das Land derzeit in Frage. Im Bild: Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Quelle: Archiv
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Göttingen

„Es ändert sich nichts“, versicherte Göttingens Schuldezernent Siegfried Lieske. „Das garantieren wir für dieses Jahr“, bestätigte Kreisschuldezernent Marcel Riethig, räumte aber ein: „Für 2018 ist alles offen.“

Offen ist vor allem, ob das niedersächsische Kultusministerium und Eltern die jetzt gefundene Lösung akzeptieren. Danach können sich  Kinder aus der Stadt, aus dem Altkreis Göttingen sowie aus den Samtgemeinden Dransfeld und Radolfshausen weiter an allen weiterführenden Schulen in der Stadt und an der IGS Bovenden anmelden. Stadtschüler können die Gesamtschule Bovenden besuchen. Dorthin sollen weiter Kinder verwiesen werden, die an einer Göttinger IGS keinen Platz bekommen. Künftig sollen aber auch die Oberschulen in Groß Schneen und Dransfeld zum gemeinsamen Schulbezirk gehören – und für Stadtschüler offen sein. Festhalten will die Stadt zudem am Losverfahren an überlaufenen Gesamtschulen.

Seit langem Jahren kooperieren Stadt und Kreis in dieser Form, vor drei Jahren haben sie die Zusammenarbeit vertieft, um eine dritte IGS in Göttingen zu eröffnen und die IGS Bovenden zu stärken. Zugleich laufen die städtischen Haupt- und Realschulen aus. Genau vor diesem Hintergrund hatte das Land aber kürzlich festgestellt: Bei nur noch zwei Schulformen müssten die Göttinger Schulen erst alle Anmeldungen aus der Stadt bedienen, bevor Kreisschüler aufgenommen werden. Auch das Losverfahren widerspreche dem Schulgesetz.

Stadt und Kreis sehen das nach wie vor anders und beziehen sich auf ein Rechtsgutachten. Darin wird ihnen allerdings empfohlen, die Schulbezirkssatzungen konkreter zu fassen. Und das passiere zurzeit, bestätigten Lieske und Riethig. Mit der Einbeziehung der Oberschulen gebe es dann faktisch auch wieder drei Schulsäulen. Damit seien IGSn nicht mehr ersetzende Schulen und könnten problemlos losen.

Gerade das ärgert die Gymnasien. Sie beklagen, dass sich dort abgewiesene schwächere Schüler zunehmend an den Gymnasien anmelden. Leidtragende seien die Schüler selbst, weil sie dort völlig überfordert sind. Lieske dämpft diese Sorge: Stadt und Kreis hätten die Göttinger Gesamtschulen gebeten, etwa 30 schwächere Schüler mehr aufzunehmen, als bisher üblich – auch um die Bovender IGS zu entlasten.

Infoabend für Eltern

Gemeinsam wollen Stadt und Landkreis Göttingen am Montag über die weiterführenden Schulen in der Stadt und im Altkreis Göttingen informieren. Dabei werden die Schulformen, Einzugsbereiche, das Ganztagsschulwesen und Anmeldeverfahren thematisiert. Darüber hinaus werden sich die Schulen an Infoständen präsentieren. Der Infoabend für Eltern von Dritt- und Viertklässlern an den Grundschulen beginnt am Montag, 6. März, um 19.30 Uhr in der Göttinger Stadthalle. us

Gymnasien bieten vorab Reservierungstage

Göttingen. Die fünf Göttinger Gymnasien wollen in diesem Jahr zeitgleich mit den Gesamtschulen Anmeldungen für die neuen fünften Klassen annehmen - gegen den Willen der Stadt. Ihre sogenannten Reservierungstage sehen sie auch als Form zivilen Ungehorsams.

Seit Jahren legt die Stadt als Schulträger getrennte Anmeldetermine fest. Werden Schüler an den Gesamtschulen abgewiesen, können sie sich etwa zwei Wochen später an einer anderen Schule anmelden. In diesem Jahr sind die Anmeldetermine für die Gesamtschulen in Göttingen und Bovenden am 25. und 26. April, die Gymnasien folgen am 4. und 5. Mai.

Darin sehen die Gymnasien eine Benachteiligung ihrer Schulform. Sie fordern zeitgleiche Anmeldungen.  Und das erst Recht, seit es in Göttingen keine Real- und Hauptschulen mehr gibt und die Gesamtschulen ersetzende Schulen sind, erklärte Ulrike Koller, Leiterin des Theodor-Heuß-Gymnasiums, für alle fünf Göttinger Gymnasien.

Aus Protest wollen diese am 25. und 26. April ganztägig Reservierungen für den nächsten 5. Jahrgang aufnehmen - mit allen Unterlagen einschließlich Originalzeugnis. Wenn Eltern dann am eigentlichen Anmeldetermin im Mai nicht absagen, werde die Reservierung verbindlich.

Göttingens Schuldezernent Siegfried Lieske wollte das nicht weiter kommentieren. Er verwies auf das Recht der Stadt, Anmeldetermine festlegen zu können.