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Göttingen Deutsch lernen – und die Muttersprache beibehalten
Die Region Göttingen Deutsch lernen – und die Muttersprache beibehalten
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15:41 29.08.2019
Diskutieren über die Themen Flucht und Migration: Kita-Leitungen, Fachkräfte für Sprachbildung und Mitglieder des Vereins Internationale Gärten. Quelle: Markus Hartwig
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Göttingen

Fachkräfte von „Sprach-Kitas“ aus der Region Göttingen treffen sich mehrmals im Jahr, um sich fortzubilden und über ihre Arbeit auszutauschen. Am Donnerstag diskutierten sie, was Flucht und Migration für den Kita-Alltag bedeuten. Sie sind sich einig: Die Familien und die Herkunftssprache spielen eine zentrale Rolle, damit Kinder mit Migrationshintergrund Deutsch lernen.

Der Ort des Treffens hätte nicht besser zur Thematik passen können: Der Garten des Vereins Internationale Gärten in Geismar. Die dortige Ausstellung zeigt die Wanderungsbewegung von Pflanzen auf – natürliche Migration. „Dieser Standort wurde zudem von Migranten und Flüchtlingen aufgebaut“, betont Vereinsmitglied Tassew Shimeles. „Das Migration eine Bereicherung ist, erlebt man hier.“ In diesem Umfeld trafen sich Leitungen und Fachkräfte für Sprachbildung aus „Sprach-Kitas“, um sich über Flucht und Migration auszutauschen. Im Kita-Alltag werden sie mit diesen Themen unmittelbar konfrontiert.

Chancengleichheit durch Spracherwerb

In „Sprach-Kitas“ soll Kindern mit Migrationshintergrund der Erwerb der deutschen Sprache erleichtert werden. Sprachliche Bildung ist in diesen Einrichtungen fester Bestandteil der Betreuung. Finanziell werden sie vom Bundesfamilienministerium gefördert. „Es soll Chancengleichheit für alle Kinder geben, die in die Kita kommen. Es geht besonders um Kinder mit Migrationshintergrund, darum ihnen eine Chance zu geben und ihre Familien einzuladen, sich für die Bildung ihrer Kinder verstärkt einzusetzen“, erklärt Monika Hülskemper, Fachberaterin der „Sprach-Kitas“.

Allein in Göttingen gibt es mehr als 30 dieser Einrichtungen. Viele arbeiten vor Ort mit Familienzentren zusammen. Umgesetzt wird die sprachliche Bildung in den einzelnen Kitas durch Fachkräfte, die für den Zeitraum des Bundesprogramms mit einer halben Stelle ausgestattet sind. „Sie begleiten das gesamte Team der Kita, indem sie Impulse geben und zur Reflexion anregen. Sie arbeiten mit Videoaufnahmen, um gezielt zu ermitteln, wie ein Kind unterstützt werden kann“, berichtet Hülskemper.

Dieses Konzept verfolgen „Sprach-Kitas“

Im Januar 2016 begann das Programm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Im Zeitraum von 2016 bis 2020 stellt der Bund dafür Fördermittel im Umfang von bis zu einer Milliarde Euro zur Verfügung. Insgesamt konnten 7 000 zusätzliche halbe Stellen für Fachkräfte in Kindertagesstätten geschaffen werden.

Nach Angaben des Ministeriums basiert das Programm auf drei Säulen: alltagsintegrierte sprachliche Bildung („Erlernen der Sprache in anregungsreichen Situationen aus ihrer Lebens- und Erfahrungswelt“), inklusive Pädagogik („ermutigt Kinder und Erwachsene, Vorurteile, Diskriminierung und Benachteiligung kritisch zu hinterfragen“) und Zusammenarbeit mit Familien („eine vertrauensvolle und willkommen heißende Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen den pädagogischen Fachkräften und den Familien“).

Das Programm richtet sich nach Angaben des Ministeriums an Kindertagesstätten, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit „besonderem sprachlichen Förderbedarf“ besucht werden. Deutschlandweit gibt es mehr als 6 500 „Sprach-Kitas“. In Göttingen sind es mehr als 30 Kindertagesstätten, die Teil des Programms sind.

Sprache als wichtiger Bestandteil der Identität

„Sprache ist nun mal schlichtweg der Schlüssel zur Welt. Das ist unser Interaktionsmittel, Deutsch ist unsere Bildungssprache. Und Sprache ist auch wichtig für die Identität eines Menschen, über sie erschließen sich die Begegnungen mit anderen“, verdeutlicht Hülskemper die Notwendigkeit, mit Sprachbildung bereits in den Kindertagesstätten anzusetzen.

Gleichzeitig lege sie großen Wert darauf, dass Kinder mit Migrationshintergrund zu Hause die Sprache der Familie sprechen. Politische Forderungen, Migrantenfamilien müssten im eigenen Haushalt deutsch sprechen bezeichnet sie als „absurd“. „Die Kinder lernen die deutsche Sprache im Alltag von allein. Ohnehin können sie mehrere Sprachen gleichzeitig lernen, wenn die Struktur klar ist, wenn sie wissen, was die Sprache der Familie ist und was demgegenüber die Sprache in der Kita ist“, argumentiert sie. „Die Wertschätzung der Herkunftssprache ist wichtig. Studien haben festgestellt, dass die Muttersprache entscheidend ist, um andere Sprachen zu lernen“, pflichtet ihr Kollegin Nehad Isa, ebenfalls Fachberaterin für „Sprach-Kitas“, bei.

Zusammenarbeit mit Eltern herausfordernd

Die Familie spielt also eine zentrale Rolle. Gleichwohl bekomme sie aus den Kindertagesstätten die Rückmeldung, dass die Zusammenarbeit mit den Eltern gelegentlich schwierig sei, so Isa: „Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern ist aber entscheidend für die Entwicklung der Kinder.“ Es sei für die Erzieherinnen und Erzieher eine Herausforderung, sich Wissen über die Kulturen der Familien anzueignen, um die Hintergründe zu verstehen. Die Voraussetzung für gegenseitiges Verständnis: eine gemeinsame Sprache.

Kita-Leitungen, Fachkräfte für Sprachbildung und Mitglieder des Vereins Internationale Gärten diskutieren in Geismar über die Themen Flucht und Migration.

Von Filip Donth

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