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Göttingen Göttingen: „Devil“ erobert die Herzen im Polizeipräsidium
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Göttingen: „Devil“ erobert die Herzen im Polizeipräsidium

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07:30 18.12.2021
Hundeführer Stefan Meyer ist mit „Devil“ in das Büro seiner Chefin gekommen. Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten legt großen Wert auf die Hundestaffel im Hause der Polizeidirektion Göttingen. Und auf den Tisch darf Devil nur ausnahmsweise für ein Foto.
Hundeführer Stefan Meyer ist mit „Devil“ in das Büro seiner Chefin gekommen. Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten legt großen Wert auf die Hundestaffel im Hause der Polizeidirektion Göttingen. Und auf den Tisch darf Devil nur ausnahmsweise für ein Foto. Quelle: Meinhard
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Göttingen

Keine fünf Monate alt und schon ein Vorstellungstermin bei der Chefin. Die Rede ist von „Devil“, dem Neuzugang bei der Hundestaffel der Polizeidirektion Göttingen. Devil ist ein belgischer Schäferhund – auch Malinois genannt – und seit neun Wochen zuhause bei Stefan Meyer. Bei dem Polizeihauptkommissar ist die junge Dame, die gerade aus dem Welpenalter heraus ist, in besten Händen, denn Meyer ist ein erfahrener Hundeführer. Neben Devil gehört noch ein bereits ausgebildeter Polizeihund zum Familienverbund. Anders als bei Polizeipferden leben Polizeihunde mit im Haushalt ihrer Halter. Nach einem Einsatz in der Göttinger Innenstadt hat Meyer die Chance genutzt, um mit Devil im Büro von Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten vorbeizuschauen. Dort ist er bereits im Vorzimmer freudig erwartet und empfangen worden. Dass die Begeisterung dem jungen Hund galt, sei unbenommen.

Duale Ausbildung im Polizeidienst

Nein, sagt Meyer, unter Welpenschutz stehe Devil schon nicht mehr. Für sie hat die duale Ausbildung im Polizeidienst begonnen. Der erste Schritt ist die Qualifizierung zum Schutzhund. In einem zweiten Schritt wird geschaut, über welche individuellen Talente Devil verfügt. Kann sie zum Beispiel besonders gut Rauschgift erschnüffeln oder eher Brandbeschleuniger wie Benzin und Spiritus – oder kann sie eher den Geruch von Leichen wahrnehmen. Alles wichtig bei der Ermittlungsarbeit. Deshalb gelten Hunde bei der Polizei als, nüchtern gesagt: sehr effektive Einsatzmittel. Für Polizeichefin von der Osten ist Devil aber vor allem „eine ganz entzückende Hündin“ und ein „Einsatzmittel mit Herz und Seele“. Meyer befindet: „Hunde sind Streifenpartner.“

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Mit seinem bereits ausgebildeten Vierbeiner war der Polizeibeamte vor knapp zwei Jahren abgestellt für die Sonderkommission (Soko), die während einer ominösen Brandserie im Raum Einbeck ermittelt hat. Das Erschnüffeln von Brandbeschleunigern führte in der Tat dazu, dass die polizeilichen Recherchen letztlich Erfolg hatten.

Nur manchmal über Tisch und Bänke

Devil muss jetzt erst einmal Standards lernen wie „Sitz“ und „Platz“ und „Steh“. Das klappt schon gut. Manchmal mit Leckerli als Belohnung. Die liegen auf dem Tisch der Polizeipräsidentin und Devil schielt immer wieder einmal über die Tischkante. Dabei muss sie lernen, einerseits nicht auf Tische zu springen und andererseits bei Einsätzen über Tisch und Bänke zu gehen. Ein Spagat im Hundekopf. Was muss denn ein Polizeihund überhaupt mitbringen, um diensttauglich zu sein? „Er muss unerschrocken sein“, sagt Meyer. Dürfe sich nicht von Verkehrslärm, schreienden und aggressiven Menschen irritieren lassen, müsse trittsicher sein und klarkommen mit Gitterrosten, Treppen und glatten Böden. „Wir wissen ja nie vorher, wie der Einsatzort beschaffen ist“, verdeutlicht der Hundeführer.

Nach eineinhalb Jahren Ausbildung folgt die Prüfung zum Schutzhund, das ist jedenfalls das Ziel. Verläuft die erfolgreich, stehen Einsätze bei Fußballspielen und Demonstrationen auf dem Programm, das Absuchen von Tat- und anderen Orten nach Beweismitteln, ebenso Personenkontrollen, auch der ganz normale Streifendienst. Tilo Henniges von der Pressestelle der Polizei, der bei Devils Vorstellung dabei ist, sagt: „Im Streifendienst waren wir immer froh, wenn Hundeführer mit uns unterwegs waren.“ Zur gemachten Erfahrung von Polizisten gehöre, dass sich Ganoven vom Anschlagen eines Hundes „überreden“ ließen, eine Straftat abzubrechen und sich den Ordnungshütern zu stellen. Wohingegen alle anderen Drohungen und Bitten oft nichts fruchten. Gwendolin von der Osten ist froh über die Hundestaffel, und sie lobt das hohe Engagement und das Herzblut, dass die Kollegen in die Arbeit mit ihren Tieren legen, wie sie hervorhebt.

„Cash“ erschnüffelt 1 Million Euro

Die größte Hürde aber erwartet Devil und Meyer in einem Jahr. Dann wird untersucht, ob der Hund gesund ist, nicht etwa unter einer Hüftdysplasie leidet. Das wäre der Supergau. Alle Mühe wäre erstens umsonst und zweitens, was vielleicht noch schlimmer ist, müsste sich der Hundeführer von seinem liebgewordenen Partner trennen. An so eine Möglichkeit mag Meyer gar nicht denken.

Die Hundestaffel (Diensthundeführergruppe lautet der korrekte Name) der Polizeidirektion Göttingen ist 35 Mann stark, plus 35 Vierbeiner. Echte Berühmtheit hat Schäferhund „Cash“ erlangt, der alles in allem rund 1 Million Euro Bargeld erschnüffelte, gestohlenes Geld freilich. Auch das können Hunde, wenn sie es denn können. Meyer war auch schon mehrfach in Hessen im Einsatz, weil das Nachbarbundesland aktuell über keine Brandmittelspürhunde verfügt, wie er erwähnt.

Der Hund ist ein Sozialpartner

Für die Rekrutierung neuer Spürnasen in der Hundestaffel ist ein Kollege von Meyer verantwortlich. Entschieden wird sich zwar oft für Tiere von Züchtern, „wir würden aber auch Hunde aus dem Tierheim nehmen, wenn sie denn geeignet sind“, versichert der Hauptkommissar. Fachfrage an ihn: Was ist seiner Ansicht nach der größte Fehler, den ein Hundebesitzer machen kann? „Inkonsequenz“, sagt Meyer. Und selbstverständlich müsse ein Hund als Sozialpartner anerkannt werden, der nicht einfach weggesperrt und sich selbst überlasen werden sollte, wenn Herrchen oder Frauchen tagsüber zur Arbeit fahren. Ein Hund, ergänzt Meyer, brauche Zeit, Liebe und Konsequenz.

Belgische Schäferhunde gelten als klug und arbeitsfreudig. Aber auch als stolz. Die Rasse dient seit dem 18. Jahrhundert als Wach- und Hütehunde, wobei unterschieden werden muss zwischen dem Belgischen und dem Holländischen Schäferhund. Malinois-Rüden können bis zu 66 Zentimeter Widerristhöhe (Schulterhöhe) erreichen und 40 Kilogramm wiegen. Devil wird da ein bisschen drunter bleiben.

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Eine Frage noch: Warum gerade der Name Devil? Meyer wiegt den Kopf ein bisschen hin und her. Nun ja, es sei halt ein D-Wurf gewesen und ein besserer Name sei ihm nicht eingefallen. „Also Dakota wollte ich sie nicht nennen.“

Von Ulrich Meinhard