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Göttingen Göttingen: Heizwerk 660 000 Euro teurer
Die Region Göttingen Göttingen: Heizwerk 660 000 Euro teurer
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00:19 14.07.2013
Von Ulrich Schubert
Kläranlage am Rinschenrott: Das Blockheizkraftwerk der Kläranlage wird erneuert – und kostet 660 000 Euro mehr als erwartet.
Kläranlage am Rinschenrott: Das Blockheizkraftwerk der Kläranlage wird erneuert – und kostet 660 000 Euro mehr als erwartet. Quelle: Heller
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Göttingen

Inzwischen haben die Planer genauer kalkuliert und kommen auf 2,26 Millionen Euro. Zähneknirschend und mit einem heftigen Rüffel für die Verwaltung stimmten die Umweltpolitiker des Rates dennoch zu. Die Entsorgungsbetriebe dürfen das neue teurere BHKW bauen.

Als die GEB das erste Mal mit dem deftigen Aufschlag kamen, waren die Mitglieder des Ratsausschusses für Umweltdienste geschockt. 660 000 Euro mehr wollten sie nicht so ohne weiteres hinnehmen – sie hakten nach. Inzwischen hat der städtische Betrieb seine Hausaufgaben gemacht.

Die Erklärung für die Kostenexplosion: Für den genehmigten Wirtschaftsplan 2013 inklusive Bau eines neuen BHKW habe es nur einen Vorentwurf zu den Kosten der neuen Anlage gegeben. Inzwischen sei genauer geplant und gerechnet worden. Dabei seien auch etliche Zusatzleistungen mit aufgenommen und technische Details modifiziert worden.

Zum Beispiel werde jetzt auch eine Notstromanlage erneuert (85 000 Euro), für die Bauphase ein mobiles BHKW gemietet (63 000 Euro) und eine sogenannte Gasverdichterstation ausgetauscht (45 000 Euro) – die alte Anlage habe sich im Nachhinein als „nicht optimal“ und energetisch veraltet erwiesen.

Seit 1982 erzeugt die frühere Stadtentwässerung auf der Kläranlage an der Leine mit einem BHKW Wärme und Strom, 1995 wurde das Kraftwerk mit mehreren Gasmotoren weitgehend erneuert. Es produziert die nötige Wärme für den Faulungsprozess des Klärschlamms und deckt zurzeit auch noch rund 60 Prozent des Strombedarfs auf der Ara (Abwasserreinigungsanlage).

Betrieben wird das BHKW ausschließlich mit dem Methangas aus den Faultürmen – also völlig autark und zu hundert Prozent in einem ökologischen Kreislauf.

Nach 30, beziehungsweise 20 Jahren müsse des Kraftwerk jetzt erneuert werden, erklärte die Verwaltung. Die Technik sei teilweise überholt und Reparaturen seien nicht mehr wirtschaftlich. Mit einem neuen BHKW ließe sich auf jeden Fall noch mehr Eigenstrom erzeugen – „vielleicht sogar bis zu 80 Prozent“. Die GEB würden also auch beim Stromeinkauf sparen.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Investition nach etwa vier Jahren amortisiert hat“, versicherte im Fachausschuss des Rates Werner Rusteberg, Leiter der ARA. Und er rechnete weiter vor, was passiert, wenn der Betrieb ganz auf ein eigenes BHKW verzichten und sowohl Wärme für die Faultürme als auch Strom komplett von Fremdlieferanten einkaufen würde: Das würde jährlich 500 000 Euro kosten. Also eine halbe Million Euro, die alle Göttinger über höhere Abwassergebühr ausgleichen müssten.

Um die jetzigen Mehrkosten für den Neubau auszugleichen, wollen die GEB an anderer Stelle sparen: Sie wollen zum Beispiel einen fälligen Unimog erst im nächsten Jahr kaufen (180 000 Euro), bei der „Beschaffung von Containern“ sparen (400 000 Euro) und auf weitere technische Geräten bei der Klärschlammbearbeitung vorerst verzichten (80 000 Euro).

Am Schluss zeigten die Politiker zwar Verständnis für die Investition in der jetzt geplanten Höhe, sie forderten die Verwaltung aber unmissverständlich mit einem mahnenden Ton auf, künftig gleich genauer zu rechnen oder zumindest darauf hinzuweisen, wenn erste Pläne auf groben Schätzungen basierten.