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Göttingen Das Hochhaus auf dem Gothaer-Areal ist abgerissen – so geht es jetzt weiter
Die Region Göttingen Das Hochhaus auf dem Gothaer-Areal ist abgerissen – so geht es jetzt weiter
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14:01 02.12.2019
Das Gothaer-Areal wird umgekrempelt. Die alten Garagen und das Hochhaus in der zweiten Reihe sind schon abgerissen. Quelle: Thomas Meder
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Göttingen

Das Gothaer Areal an der Geismar Landstraße löst sich unübersehbar auf: Vom einstigen Hochhaus in der zweiten Reihe zeugt nur noch ein Schutthaufen. Auch die ehemaligen Garagen für den Fuhrpark der Gothaer Versicherungen sind verschwunden. „Wir sind gut im Zeitplan“, sagt Andreas Junius, Mitbegründer und Geschäftsführer von „Base Camp Student“. Bis voraussichtlich Ende 2021 will das Unternehmen auf dem 70 000 Quadratmeter großen Gelände zwischen Geismar Landstraße und Wörthstraße 900 Wohnungen erschließen.

Es ist „eines der größten Entwicklungsgebiete, die wir hier zu betreuen haben“, hatte der CDU-Ratsherr Hans Otto Arnold kürzlich in einem Fachgremium des Rates festgestellt. Unwidersprochen von anderen Politikern. Fast unbemerkt hat der Investor inzwischen damit begonnen, das Areal komplett umzukrempeln.

Nur ein Teil der Altgebäude bleibt

Die ersten Gebäude sind bereits abgerissen. Voraussichtlich im ersten Quartal des nächsten Jahres folgen die südlich gelegenen ehemaligen Bürogebäude unmittelbar an der Geismar Landstraße. Nur die neueren Objekte am unteren Ende bleiben stehen. Dort gehören nach wie vor die Gothaer Versicherungen zu den Mietern. 1991 hatte die Gothaer ihren Sitz nach Köln verlegt, sich schrittweise aus Göttingen zurückgezogen und ihr Immobilien hier verkauft. 2015 wurden die Mietverträge für mehrere Büroeinheiten verlängert.

Das siebenstöckige Bürohaus ist inzwischen verschwunden. Diese Aufnahme entstand kurz vor dem Abriss. Quelle: Ulrich Schubert

Auf dem Gelände will „Base Camp Student“ vor allem Wohnraum schaffen: In den Objekten an der Hauptstraße sind auf einer Gesamtfläche von etwa 20 000 Quadratmetern 560 Studentenappartements inklusive Gemeinschaftseinrichtungen geplant, bestätigte Junius. Im inneren Bereich sowie an der Wörthstraße und Breslauer Straße sind neue Wohnhäuser geplant – für frei finanzierte und staatlich geförderte Wohnungen. Der ursprüngliche Plan, das siebenstöckige Hochhaus im hinteren Bereich zu erhalten und auszubauen, habe sich zerschlagen, so Junius. Die Statik habe sich als ungeeignet für die Ideen von „Base Camp Student“ und ihren Architekten herausgestellt. Etwa an gleicher Stelle werde jetzt neu gebaut, allerdings nicht so hoch wie das alte Objekt. „Wir bleiben auch hier auf dem Niveau der umliegenden Gebäude“, so der Geschäftsführer.

Vertrag mit Stadt über Grünanlagen und Gestaltung

Zufahrten und die innere Erschließung muss der Investor zahlen. Das ist in einem sogenannten städtebaulichen Vertrag mit der Stadt geregelt, der gerade unterzeichnet wurde. Darin verpflichtet sich „Base Camp Student“ auch, Vorgaben für die Gestaltung, Grünanlagen inklusive Spielplatz und Parkplätze zu erfüllen. Geplant ist zudem eine Kindertagesstätte. Ausgeschlossen ist ausdrücklich eine Nutzung der Wohnungen durch Airbnb. Zurzeit strickt die Stadt noch an Änderungen des Bebauungsplanes für das Areal. Parallel bereiten die Architekten den Bauantrag vor, so Junius.

In dem Vertrag mit der Stadt verpflichtet sich der Investor auch, 30 Prozent der Wohnungen später zu günstigeren Mieten anzubieten –

So sah das Gelände vor dem begonnenen Abriss aus. Quelle: Thomas Meder

ähnlich wie im Sozialwohnungsbau. Vor allem die Ratsgruppe Linke/ALG hatte kritisiert, dass die Studentenwohnungen nicht mit in die Anteilsberechnung einbezogen werden. „Damit verzichtet die Stadt auf etwa 150 Sozialwohnungen“, hatte ihr Mitglied Edgar Schu Ende Oktober beklagt.

Das sei nicht möglich und auch nicht üblich, weil Studentenwohnungen auf verschiedenen Wegen bereits gefördert würden, konterte Junius jetzt gegenüber dem Tageblatt. „Und mit dieser Auffassung sind wir uns mit der Stadt auch absolut einig.“

Die Vorgeschichte:

Ein Gelände – mehrere Eigentümer

1991 hatte die Gothaer ihren Sitz nach Köln verlegt und sich schrittweise aus Göttingen zurückgezogen. Seit Jahren gibt es Pläne, das zurückgelassene Areal als Wohngebiet zu entwickeln. 2017 hatte die Firma Triton Development das Gelände gekauft. Sie firmiert inzwischen als Base Camp Student GmbH, eine Tochter der Base Camp Group mit Sitz in London. Vorbesitzer war eine Gesellschaft unter der Regie von Investa Capital Management. Sie hatte das Gelände 2014 von der Frankfurter Immobilienfonds Watermark Asset Management GmbH gekauft.

Auf dem ehemaligen Gothaer-Gelände befinden sich nach bisherigen Angaben mehrere Bürogebäude mit rund 40 000 Quadratmetern Nutzfläche. Hauptmieter ist die Gothaer Versicherung, die 2015 den Mietvertrag langfristig verlängert hatte. Auch hinter dem Gothaer-Areal wird an der Wörthstraße seit Monaten gebaut. Dort entstehen für fünf Millionen Euro neue Wohnblöcke der städtischen Wohnungsbau GmbH mit Wohnungen im günstigen Bereich. Sie sind Bestandteil des Projektes „Grüne Mitte Ebertal“.

Von Ulrich Schubert

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