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Göttingen Die Selbstbeschränkung der Künstler kommt im Künstlerhaus voll zur Entfaltung
Die Region Göttingen Die Selbstbeschränkung der Künstler kommt im Künstlerhaus voll zur Entfaltung
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17:34 25.11.2019
Tina Fibiger bei der Einführung in die Ausstellung, im Hintergrund Arbeiten von Christel Irmscher Quelle: Heller
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Göttingen

Die Jahresausstellung der Bundes Bildender Künstler (BBK) hat eine mehr als 40-jährige Tradition. Und sie folgt seit jeher einer einfachen Maxime: Regionale Künstler nutzen die Gelegenheit zum Austausch mit ihrem regionalen Publikum. Georg Hoppenstedt, einer der Künstler, nannte es in seiner Rede während der Ausstellungseröffnung eine „Leistungsschau“ und einen „hilfreichen Überblick über das Kunstgeschehen.“

Die Werkauswahl fällt in diesem Jahr klein aus. Allerdings nicht etwa durch äußere Einflussnahme der verbandsintern gewählten Jury. Vielmehr beschränkten sich die 19 beteiligten Künstler aus eigenem Antrieb auf die Abgabe eines Werkes oder einer konzentrierten Werkgruppe. „Wir haben bisher immer auf eine Beschränkung verzichtet. Diesmal hat sie sich von allein ergeben“, so Hoppenstedt. Dabei wirke sich die Reduktion seiner Meinung nach angesichts des großzügigen Platzangebotes durchaus positiv aus.

Keine Überfrachtung

Und tatsächlich fällt es leicht, sich beim Gang durch den Weißen Saal und die obere Galerie auf die einzelnen Werke einzulassen. Keine Überfrachtung, keine Konkurrenz. Jedes einzelne scheint mit dem Betrachter in Kontakt treten zu wollen. Ute Gruenwald, die für die Hängung der Werke verantwortlich zeichnet, sagt über Kunst, es gehe vor allem um Kommunikation. Der Betrachter muss sich nur noch darauf einlassen. Entsprechend ließ die Kulturjournalistin Tina Fibiger in ihrer Einführung zur Ausstellung ihren Blick einfach intuitiv schweifen und ihren Assoziationen freien Lauf.

Jahresausstellung des BBK

Gruenwald sei eine fein ausbalancierte Hängung gelungen, was bei einer Gruppenausstellung nicht gerade einfach sei, sagte Hoppenstedt. Techniken, Sujets und Abstraktionsgrad sind höchst unterschiedlich. Ein gemeinsames Thema hat sich der Berufsverband in diesem Jahr nicht gegeben. Und so finden sich beispielsweise Hilke Diers reduzierte monochrome Holzschnitte in direkter Nachbarschaft zu Christel Irmschers großformatigen Farbexplosionen. Konkrete Scharfkantigkeit neben einer Durchmischung, aus der sich erst im Verlauf der Betrachtung das Figürliche zu formen beginnt. Auf der Suche nach Gemeinsamkeit bleibt nur die Abstraktion.

Gegensatzpaare und Reihungen

Ein ähnliches Gegensatzpaar zeigt sich dem Betrachter zwei Räume weiter. Matthias Wallisers düster wirkende Großformate „Blumen überreichen“ und „oben, unten“ übernehmen die Rolle des Blickfangs. Die Augen wandern über die Flächen, werden auf der Suche nach Erkennbarem immer mal wieder fündig, wandern fragend weiter. Walliser aber will weder Fragen noch Antworten. Wer auf der Suche nach Greifbarerem ist, dreht sich einmal um die eigene Achse. Hier hat Charlotte Geister mit Zeichenstift, Nadel und Faden ein französisches Journal aus dem Jahr 1926 bearbeitet. Das dünne Papier ist vielschichtig, enthält neben gedrucktem Text, handschriftliche Zahlenkolonnen und durch die Stickerei eine ästhetische Weiterentwicklung. Groß neben klein, Fläche neben feinster Linie, Düsternis neben Transparenz.

Doch Gruenwald hat sich nicht nur auf solche Gegensatzpaare beschränkt. An anderer Stelle wirkt es, als wolle sie den Betrachter vom Abstrakten zum Konkreten führen: Eine mögliche Reihung reicht beispielsweise von Sigrid Kindels und Marion Bargmanns fließenden Farb- und Formenwelten über Margret Parparts „Leuchtkörper“ bis zu Ulrich Hollmanns „Schatten“ und „Reifung“. Der sagt über seine Arbeitsweise, er sei unfähig, sich Bilder auszudenken oder irgendwelchen Theorien zu folgen. Er versuche vielmehr visuelle Eindrücke in Malerei zu verwandeln. Ein Ansatz, den auch Gudrun Jockers mit ihrem Werk „Die Farben der Felder“ zu verfolgen scheint. Es zeigt in zehn Einzelaufnahmen einer Landschaft lediglich mit dem Gestaltungselement Farbe den Lauf der Jahreszeiten und Stimmungen.

Mit Betrachter kommunizieren

Und während also der Betrachter mit der Zeit auf die Vielfältigkeit des Gezeigten eingestellt durch die Gänge wandelt, wird er schließlich durch Helmut Boeders gleichnamige Bleistift-Zeichnung selber zum möglichen Objekt von „Beobachtungen“. Insgesamt warten bis zum Ende des Jahres 27 Werke von 19 Künstlern aus der Region im Künstlerhaus darauf, betrachtet zu werden – oder im Idealfall, mit dem ein oder anderen Betrachter zu kommunizieren.

Die folgenden Künstler sind an der diesjährigen Jahresausstellung beteiligt: Marion Bargmann, Helmut Boeder, Hilke Diers, Charlotte Geister, Sabine Harton, Ulrich Hollmann, Georg Hoppenstedt, Christel Irmscher, Gudrun Jockers, Erhard Joseph, Sigrid Kindel, Folke Lindenblatt, Sonja Mehner, Margret Parpart, Irene Pregizer, Gabriele Schaffartzik, Erhart Schröter, Lilly Stehling, Matthias Walliser.

Kunstmarkt und Führung

Die Ausstellung ist bis zum 29. Dezember dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Ausnahme bilden die Weihnachtsfeiertage.

Am Sonnabend, 30. November, ist von 11 bis 16 Uhr ein Kunstmarkt geplant.

Am Sonntag, 1. Dezember führt um 11 Uhr Ute Gruenwald durch die Ausstellung.

An allen Tagen übernehmen die Künstler selbst die Aufsicht und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Von Markus Scharf

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