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Göttingen Junge Mädchen bestehlen Rentnerin
Die Region Göttingen Junge Mädchen bestehlen Rentnerin
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18:13 21.06.2017
Von Matthias Heinzel
Quelle: dpa
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Göttingen

Kurz vor 11 Uhr klingelten sie an der Wohnungstür der Seniorin. Der Frau erklärten sie, Geld für Kinder zu sammeln, teilt die Polizei weiter mit. Die Göttingerin holte ihre Geldbörse und gab ihnen zwei Euro. Kurz darauf klagte die Jüngere der beiden über „Bauchschmerzen“ und bat darum, die Toilette benutzen zu dürfen. Die Renterin zeigte ihr den Weg und ließ das ältere Mädchen damit für einen kurzen Moment unbeaufsichtigt. Das, erklärt die Polizei, „nutzte die Unbekannte offenbar gezielt aus, um die Geldbörse der hilfsbereiten Frau an sich zu nehmen“. Als das jüngere Mädchen kurze Zeit später von der Toilette zurückkam, verließen beide die Wohnung und gingen in unbekannter Richtung davon. Nur kurz danach stellte die Geschädigte den Diebstahl ihres Portmonees fest. Darin hatten sich 35 Euro Bargeld und persönliche Papiere befunden. Den entstandenen Gesamtschaden beziffert die Polizei auf etwa 60 Euro.
Fahndungsmaßnahmen nach den flüchtigen Trickdiebinnen verliefen bislang ergebnislos. Beide sollen dunkle, lange Haare gehabt haben und werden auf ein Alter von etwa elf und 17 Jahren geschätzt. Eine detailliertere Personenbeschreibung liegt derzeit nicht vor. Hinweise nimmt die Polizei Göttingen unter Telefon 0551/491-2115 entgegen. Dass derart junge Leute als Trickdiebe eingesetzt werden, sei zumindest für die Region unüblich, sagt Polizeisprecherin Jasmin Kaatz. Mit vermutlich elf Jahren sei das Mädchen mit „Bauchschmerzen“ außergewöhnlich jung als Mitglied eines Teams zu Begehung von Straftaten. In den vergangenen Jahren hat es jedoch im gesamten Bundesgebiet Fälle von Diebstahl oder Raub gegeben, bei denen Kinder gezielt eingesetzt wurden. Dabei gibt es drei typische Tatmuster:

  • Der Klemmbrett-Trick: Meist sind es junge, oft angeblich taubstumme Mädchen, die Passanten auf der Straße einen Spendenaufruf vorlegen, nicht selten mit großem schauspielerischen Talent. Während eine dem Opfer das Formular vorhält, greift die Kumpanin in die Handtasche, greift in die Geldbörse oder steckt gleich das ganze Portemonnaie ein. In der Nähe steht meistens ein Dritter, der die Beute an sich nimmt und sofort das Weite sucht. Werden die Mädchen geschnappt, lässt sich ihnen dann nichts nachweisen.
  • Der Geldabhebe-Trick: Bankkunden werden an Geldautomaten abgepasst, wenn sie gerade die Pin-Nummer und den Auszahlungswunsch eingegeben haben. Um sie abzulenken, halten die Täter ihren Opfern einen Zettel oder wiederum einen Spendenaufruf vor, blockieren so dessen Sicht auf den Automaten und greifen sich das Geld. Besonders geschickte Täter geben noch schnell eine weitere Ziffer ein, um statt eines dreistelligen einen vierstelligen Betrag zu erbeuten.
  • Der Trickdiebstahl in Privatwohnungen von Rentnern wie im Göttinger Fall vom Dienstagvormittag. Auch bei dieser Variante wird häufig ein Spendenaufruf vorgeschoben, um in die Wohnung gelassen zu werden.

Opfer sind fast immer ältere Menschen. Viele Kinder, die als Trickdiebe aufgefallen sind, arbeiten der Polizei zufolge als Mitglieder gutorganisierter größerer Teams. Sehr häufig sind sie tatsächlich oder vermeintlich – aber in der Regel nicht nachprüfbar – unter 14 Jahre alt und können daher weder strafrechtlich belangt noch für längere Zeit festgenommen werden.