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Göttingen Göttingen: Montag beginnt der Prozess gegen den Transplantationsmediziner Aiman O.
Die Region Göttingen Göttingen: Montag beginnt der Prozess gegen den Transplantationsmediziner Aiman O.
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19:11 16.08.2013
Von Jürgen Gückel
Transplantations-Prozess beginnt: Vom Montag an geht es vor dem Landgericht Göttingen um Manipulation mit Spender-Lebern.
Transplantations-Prozess beginnt: Vom Montag an geht es vor dem Landgericht Göttingen um Manipulation mit Spender-Lebern. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Der Chirurg soll verantwortlich dafür sein, dass bei der europäischen Meldestelle für Spenderorgane Eurotransplant falsche Daten über den Gesundheitszustand seiner Patienten gemeldet wurden, so dass diese kranker erschienen, als sie es tatsächlich waren. Dadurch sollen Göttinger Patienten bevorteilt Spenderlebern zur Transplantation zugeteilt bekommen haben. Den Tod anderer Patienten, die eigentlich an der Reihe gewesen wären, habe O. damit billigend in Kauf genommen, heißt es in der Anklage.

Schnellere Zuteilung der Organe

Konkret habe O. fälschlich gemeldet, dass bei den hiesigen Patienten wöchentlich zwei Dialysen (Blutreinigung) durchgeführt werden müssten, was zu einer schnelleren Zuteilung von Spenderorganen führte. Außerdem soll er in fünf Fällen Patienten gelistet haben, die nach der Richtlinie der Bundesärztekammer die vorgeschriebene Alkoholabstinenz nicht einhielten.

Als das Göttinger Tageblatt am 11. Juni vergangenen Jahres den Skandal am Uni-Klinikum aufdeckte, war eine der Aussagen der damaligen Informanten: Es seien Patienten, denen eine neue Leber eingepflanzt werden sollte, sogar alkoholisiert zur Transplantation gekommen.

Falsche Indikatoren in drei Fällen gestellt

In der Anklage wird am Montag zudem der Vorwurf erhoben, in drei Fällen seien falsche Indikationen gestellt worden. Patienten seien Lebern implantiert worden, obwohl das nicht nötig oder gar lebensgefährlich gewesen sei. Alle drei Patienten starben in der Folge der Eingriffe. In diesen Fällen soll es sich um Organe gehandelt haben, die  den ursprünglich ermittelten Patienten nicht implantiert werden konnten und die darum den Leberzentren zur freien Verfügung angeboten wurden.

In den Akten soll sich die Aussage eines Zeugen befinden, der sinngemäß die Anweisung des Angeklagten zitiert: „Jede Leber wird genommen.“ Patienten, denen diese implantiert werden können, sollen dann erst gesucht worden sein. Offenbar hätten damit die Anzahl der Operationen, die Wirtschaftlichkeit des Transplantationszentrums und das Renommee gesteigert werden sollen.

Seit Januar in Untersuchungshaft

Der seit 11. Januar in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte wird vor Gericht von dem renommierten Göttinger Strafverteidigern Steffen Stern sowie von dem Hannoveraner Medizinrechtler Jürgen Hoppe vertreten. Neben vielen Gutachtern werden zahlreiche UMG-Mitarbeiter als Zeugen gehört.

Weil die Staatsanwaltschaft gegen mehr als 20 ehemalige Kollegen wegen Beihilfe ermittelt hat und die meisten Verfahren nur vorläufig eingestellt wurden, ist von diesen kaum eine Aussage zu erwarten. Gegen mindestens fünf Ärzte sollen Ermittlungen zudem auf Eis liegen, um den Ausgang des Verfahrens gegen O. abzuwarten.

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