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Göttingen Göttingen: Handke soll sich entschuldigen
Die Region Göttingen Göttingen: Handke soll sich entschuldigen
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13:33 21.11.2019
Peter Handke, Schriftsteller aus Österreich und Literaturnobelpreisträger, wird vorgeworfen, Kriegsverbrechen der Serben verharmlost zu haben. Quelle: dpa
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Göttingen

Menschenrechtler haben den designierten Literaturnobelpreisträger Peter Handke aufgefordert, sich von seinen früheren Äußerungen zum „Völkermord“ in Srebrenica zu distanzieren. Er solle sich auch bei Überlebenden dieses Verbrechens und Angehörigen der Opfer entschuldigen, sagte Jasna Causevic von der Gesellschaft für bedrohte Völker am Donnerstag in Göttingen: „Es wird Zeit, dass Herr Handke Rückgrat beweist und seine geschichtsrevisionistischen Aussagen zurücknimmt.“

Unmissverständlich: Völkermord

Handke habe in den 1990er Jahren behauptet, der Krieg im ehemaligen Jugoslawien spiele sich nur auf der Netzhaut der Zuschauer ab, sie seien Opfer einer weltweiten Journalistenverschwörung zum Nachteil Serbiens. Während des Massakers von Srebrenica, das sich im kommenden Juli zum 25. Mal jährt, hätten serbische Nationalisten mindestens 8372 bosniakische Jungen und Männer ermordet, sagte Causevic. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY), der Internationale Gerichtshof (ICJ), das EU-Parlament und viele weitere Institutionen weltweit bezeichneten das Massaker unmissverständlich als Völkermord.

„Gerechtigkeit für Serbien

Der Schriftsteller hatte in dieser Woche seine als proserbisch wahrgenommene Haltung während des Jugoslawien-Krieges verteidigt. Es sei um „Gerechtigkeit für Serbien“ gegangen, sagte er der Wochenzeitung „Die Zeit“. Die Berichterstattung über Serbien sei damals einseitig gewesen.

Der 1942 im österreichischen Bundesland Kärnten geborene Schriftsteller und Übersetzer hatte sich seit 1991 wiederholt an die Seite Serbiens gestellt. In diesem Jahr ist ihm der Nobelpreis für Literatur zuerkannt worden.

Von epd / Meinhard