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Göttingen Rennradfahrer verurteilt
Die Region Göttingen Rennradfahrer verurteilt
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00:17 03.02.2017
Von Markus Scharf
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Bis vor eineinhalb Jahren saßen die beiden Männer regelmäßig im Sattel, waren als begeisterte Radfahrer in der gesamten Region unterwegs. Dann kreuzten sich am 25. Juni 2015 ihre Wege auf tragische Weise. „Beim Zusammenstoß zweier Rennradfahrer auf der B 27 zwischen Stockhausen und Niedernjesa ist am Donnerstag ein 70 Jahre alter Mann aus Reinhausen schwer verletzt worden. Ein 62-jähriger Mann aus Göttingen, erlitt leichte Verletzungen“, hieß es damals im Tageblatt.
Jetzt trafen die beiden Radsportler im Gerichtssaal wieder aufeinander – der eine im Rollstuhl, der andere auf der Anklagebank wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der eine ist mit einer Querschnittslämung unterhalb der Schulter zum Pflegefall geworden, der andere hat erst kürzlich seine psychologische Behandlung abgeschlossen. Angstzustände, Schlafstörungen und Depressionen verfolgten ihn seit dem Unfall.
Wie konnte es zu dem folgenschweren Zusammenstoß an dem sonnigen Frühsommertag kommen? Diese Frage versuchte das Gericht mit den Aussagen der Unfallbeteiligten, von Zeugen und Sachverständigen zu beantworten. Der Weg, auf dem die Radfahrer aufeinadertrafen, ist 3,40 Meter breit, hat ein siebenprozentiges Gefälle und am Unfallort eine leichte Doppelkurve. Der Angeklagte fuhr im höchsten Gang bergab. Der 70-jährige Radler arbeitete sich hingegen auf den Pedalen stehend in niedriger Übersetzung bergauf. Üppige Vegetation machte den kurvigen Verlauf der Strecke unübersichtlich. Als die Männer sich bemerkten, war ein Ausweichen nicht mehr möglich.
Der Angeklagte hat keine Erinnerung an diese Ereignisse. Erst im Krankenhaus sei er wieder zu Bewusstsein gekommen, berichtete er mit zitternder Stimme. Umso lückenloser fiel der Bericht des 70-jährigen Unfallopfers aus: Er sei vorsichtig unterwegs gewesen, weil der Radweg an dieser Stelle auch als Wirtschaftsweg genutzt werde. In der Verschränkung sei ihm plötzlich der andere Fahrradfahrer mit großer Geschwindigkeit auf seiner Spur entgegengekommen – offensichtlich ohne Kontrolle über sein Fahrrad. „Er prallte in meine Körpermitte.“ Dann der Sturz auf den Asphalt, ein Knirschen, das Splittern des Helms, kein Möglichkeit mehr, Arme oder Beine zu bewegen.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Unser Leben ist aus den Fugen geraten“, sagte seine Ehefrau während der Verhandlung, als der Angeklagte sich persönlich entschuldigen wollte. Dass der wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 50 Tagessätzen mit 15 Euro verurteilt wurde, kann daran nichts mehr ändern.