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Göttingen Renovierung von St. Johannis soll im Januar starten
Die Region Göttingen Renovierung von St. Johannis soll im Januar starten
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07:56 16.12.2018
Pastor Gerhard Schridde auf einer der Kirchenbänke aus den 1960er Jahren, die gegen eine Spende abgegeben werden.
Pastor Gerhard Schridde auf einer der Kirchenbänke aus den 1960er Jahren, die gegen eine Spende abgegeben werden. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Unter dem Titel „Aufbruch“ arbeitet die evangelische Innenstadt-Gemeinde seit Jahren an dem neuen Konzept für das gotischen Gotteshaus. Nach der Zusage des Bundes, die Hälfe der 3,5 Millionen Euro Gesamtkosten für Renovierung und Umgestaltung zu übernehmen, wurden die Pläne Ende 2016 konkreter. Eigentlich sollten die Arbeiten dann bereits im Sommer 2018 beginnen. Pastor Gerhard Schridde ist optimistisch, dass es im neuen Jahr dann wirklich losgehen kann.

Die Signale sind positiv. Der seit August in Hannover zur Prüfung vorliegende Antrag soll an die nächste Instanz weitergereicht worden sein. „Inhaltlich sind wir allerdings noch nicht in Kenntnis gesetzt worden“, so Schridde. Allerdings werte er die Genehmigung des Antrags auf vorzeitigen Maßnahmenbeginns als Vorboten einer bevorstehenden Bewilligung.

Einhausung der Orgel

Deshalb sind die ersten Ausschreibungen auch schon raus. Geplant ist, mit der Einhausung der Ott-Orgel zu beginnen, damit das wertvolle Instrument durch die Bauarbeiten keinen Schaden nimmt. Anschließend soll eine Staubschutzwand aufgestellt und der Altarraum somit abgetrennt werden. Denn in diesem bereits renovierten Teil der Kirche werden ab Februar wieder Gottesdienste und andere Veranstaltungen stattfinden. Er bietet bis zu 100 Besuchern Platz.

„Wir haben so geplant, dass die Kirche im Januar gar nicht genutzt wird“, erklärt Schridde. In der Zeit will er mit Veranstaltungen auf Nachbarkirchen ausweichen. Gleichzeitig sollen in St. Johannis die Vorbereitungen für die Sanierung weitergehen. „Eine erste große Aufräumaktion hatten wir schon im November“, erzählt Renate Just, die das Projekt „Aufbruch St. Johannis“ von Beginn an begleitet. Nur was dringend benötigt wird, ist noch in der Kirche. An einzelnen Bänken kleben Schilder. Die haben bereits einen neuen Besitzer gefunden – gegen einen kleinen Obolus.

Spendenbereitschaft weiterhin hoch

Ohnehin sei die Spendenbereitschaft für das Projekt nach wie vor groß. Immer wieder startet die Gemeinde neue Kampagnen, mit Namen wie „Ein Taler für den Maler“, „Bänke to go“ oder demnächst „Ein Platz für St. Johannis“. Es gilt, den Kredit, den die Gemeinde für die restliche Finanzierung aufnehmen muss, möglichst klein zu halten. Dem Vorwurf, dass man sich mit dem Millionenprojekt übernehmen könnte, stellen sich Schridde und seine Mitstreiter immer wieder.

„Die Kritik ist als Korrektiv durchaus positiv“, sagt der Pastor. Aber sie dürfe nicht dazu führen, dass man sich gar nicht mehr bewege. „Irgendwann muss man springen.“ Natürlich könne es angesichts der Situation in der Baubranche auch sein, dass die Kosten noch in die Höhe schnellen. Aktuell sehe er aber keinen Grund, grundsätzlich pessimistisch zu sein, so Schridde. Bei der Renovierung des Altarraums sei man schließlich auch im Kostenrahmen geblieben.

Weihnachten noch geöffnet

Eine Einsparung gab es zwischenzeitlich allerdings schon: Der umstrittene Glasvorbau am künftigen Haupteingang im Süden der Kirche ist aktuell nicht mehr Teil der Planung. Just: „Es soll dort baulich etwas passieren, aber nicht mehr in der ursprünglich angedachten Form.“ Offensichtlich hat hier die anhaltende Kritik von verschiedenen Seiten etwas bewegt.

Erste negative Auswirkungen der bevorstehenden eineinhalbjährigen Bauphase spürt Kantor und Organist Bernd Eberhardt. Die Suche nach alternativen Auftrittsmöglichkeiten für die Stadtkantorei oder den Posaunenchor verläuft deutlich schwieriger als gedacht. „Eine so große Musizierempore wie in St. Johannis ist in Göttingen einzigartig.“ Die Planung für das kommende Jahr sei entsprechend auch noch nicht abgeschlossen. Obwohl er viele kleinere Formate anbieten und auf das Umland ausweichen will, wird die Bauphase für den Kirchenmusiker ein Einschnitt: „Die Räumlichkeiten und das große Instrument werden mir fehlen.“

Der verzögerte Start der Bauarbeiten hat auch Vorteile: St. Johannis wird zu Weihnachten und Silvester noch regulär geöffnet sein.

Der Förderverein Aufbruch hat einen Kalender für das Jahr 2019 aufgelegt. Der Erlös fließt in die Sanierung der Kirche. Erhältlich ist er im Gemeindebüro, Johanniskirchhof 4.

Von Markus Scharf