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Göttingen Göttingen: Schneefälle behindern Rettungsdienste massiv
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Göttingen: Schneefälle behindern Rettungsdienste massiv

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19:00 09.02.2021
Die Einsatzkräfte mussten in den vergangenen Tagen riskante Fahrten absolvieren.
Die Einsatzkräfte mussten in den vergangenen Tagen riskante Fahrten absolvieren. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Göttingen/Eichsfeld

Massive Schneefälle und Notfalleinsätze: Wie kommen die Rettungsdienste momentan durch? Und muss ich länger als sonst auf die Retter warten? Wir haben mit Rettungsdiensten und Notaufnahmen in Göttingen und im Eichsfeld gesprochen.

Die Göttinger Berufsfeuerwehr hatte den Krankentransport am Montag notgedrungen weitgehend einstellen müssen. Die Erreichbarkeit vieler Nebenstraßen war für die vier Rettungswagen (alle mit Schneeketten ausgerüstet) und das allradgetriebene Notarzteinsatzfahrzeug nicht mehr gegeben, berichtet Feuerwehrsprecher Frank Gloth. Daran hatte sich auch am Dienstagvormittag nichts geändert: Krankentransporte blieben bis auf dringende Fahrten, etwa zur Dialyse und zur Strahlentherapie, eingestellt.

Das Problem waren und sind vor allem die nicht geräumten Nebenstraßen. Gloth berichtet für den Montag von Einsatzfahrzeugen, die im Schnee steckengeblieben waren und mit Hilfe der Feuerwehr befreit werden mussten. „Das gab es relativ häufig.“

Rettungswagen auf einer verschneiten Straße. Quelle: dpa

Nach Angaben der Leitstelle musste die Feuerwehr in Stadt und Landkreis in 23 Fällen unterstützend eingreifen: Fahrzeuge kamen nicht aus Schnee und Schneewehen oder über vereiste Steigungen oder waren in einen Graben gerutscht. Bei einem Großteil handelte es sich um Einsatzfahrzeuge. Deren Besatzungen seien gerade in Nebenstraßen in einzelnen Fällen ein Stück weit zu Fuß unterwegs gewesen, um zu den Patienten zu gelangen.

Der Hubschrauber der DRF Luftrettung habe am Sonntag und Montag nicht fliegen können, berichtet Konstantin Muffert von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DRF. Eine Rettung mit dem Hubschrauber sei nicht möglich gewesen, da es „tiefhängende Wolken und Schneeschnauer“ gegeben habe. Bereits am Dienstagvormittag seien jedoch wieder zwei Einsätze geflogen worden, so Muffert.

Der Hubschrauber mit dem Namen Christoph 44 oder kurz C44 ist seit 40 Jahren am Universitätsklinikum Göttingen stationiert. Wenn der Hubschrauber nicht fliegen kann, werde der Notarzt auf dem Landweg zum Notfallort gebracht. „Der Notarzt wird in einem solchen Fall von der Berufsfeuerwehr Göttingen gefahren“, erklärt Muffert.

Ein in Göttingen tätiger Pilot habe Muffert mitgeteilt, dass ein Flugverbot wie am Sonntag und Montag nichts Außergewöhnliches sei. In Deutschland sei der „Instrumentenflug“ verboten – somit dürften Piloten nur abheben, wenn freie Sicht ist. Wenn der C44 zur Rettung abhebt ist er mit Pilot, Notarzt und einem speziell ausgebildeten Rettungssanitäter besetzt. Neben der Göttinger Station gibt es in Niedersachsen nur noch eine in Langenhagen.

In Duderstadt halten momentan Dienstleister die Zufahrten zum Krankenhaus St. Martini frei, wie Pressesprecherin Jennifer Krukenberg berichtet. Allerdings stellten die Schneemassen durchaus ein Problem dar. „Wir versuchen schon, den Schnee abtransportieren zu lassen.“

Der Rettungsdienst könne aber ausrücken, bestätigt Mario Rothensee, Leiter der Rettungswache an St. Martini, die vom DRK Rettungsdienst in Stadt und Landkreis Göttingen besetzt wird. Jedoch komme es bei Einsätzen mitunter zu Verzögerungen. „Zum einen können wir nicht so schnell fahren“, so Rothensee. „Zum anderen sind besonders die Nebenstraßen nur wenig geräumt.“

Wenn sich ein Rettungswagen festfährt, helfe die Feuerwehr. Und auch mit der Stadt Duderstadt arbeite man Hand in Hand. Am Wochenende sei darüber hinaus der DRK-Kreisverband Duderstadt mit einem RTW in Bereitschaft gewesen. „Ich möchte an die Vernunft der anderen Verkehrsteilnehmer appellieren, dass sie ihre Autos, wenn möglich, zu Hause stehen lassen und so für weniger Verkehr auf den Straßen sorgen“, bittet Rothensee.

„Wir sind in den vergangenen Tagen mit unseren ASB-Rettungsdienst- und Krankentransportfahrzeugen trotz der extremen Wetterlage überall dort hingekommen, wo wir es wollten oder die Einsatzlage es erfordert hat“, teilt der ASB-Kreisverband Göttingen-Land mit, der in Hann. Münden, Dransfeld, Friedland und Uschlag vier Rettungswachen betreibt. Falls es nötig war, wurde die Feuerwehr um Unterstützung gebeten.

Auch Notarzteinsatzfahrzeuge hatten Mühe durchzukommen. Quelle: dpa

Von erheblichen Herausforderungen durch schlechte oder gar nicht geräumte Straßen in und um Göttingen berichtet dagegen das Deutsche Rote Kreuz. „Die Wetterbedingungen erschweren unsere Arbeit massiv“, so Thomas Gerlach, Geschäftsführer der DRK Rettungsdienste.

An die Bevölkerung richtet Gerlach den Wunsch, in diesen Tagen ganz besonders viel Rücksicht auf die Einsatzfahrzeuge zu nehmen. Und er rät: „Frühzeitig abbremsen und in Ballungsräumen in der Stadt genügend Platz füreinander im Straßenverkehr lassen.“ Ein ausgewogenes Miteinander zwischen allen Verkehrsteilnehmern sei hilfreich, wenn sich Rettungskräfte bei Schnee, Eis und Glätte im Einsatz befinden.

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Von einem weitgehend normalen Betrieb spricht Stefan Rampfel vom Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende. Die Einsatzwagen würden die Zentrale Notaufnahme des Krankenhauses Weende wie gewohnt anfahren. Die Zufahrten zu allen drei Krankenhaus-Standorten in Weende, Lenglern und Neu-Mariahilf seien geräumt. Von den Stationen gebe es nichts Außergewöhnliches zu berichten. „Wir beobachten, dass es wenig Stürze gibt. Wahrscheinlich bleiben die Menschen einfach zu Hause“, vermutet Rampfel.

In der Zentralen Notaufnahme der Helios Albert-Schweitzer-Klinik Northeim werden dagegen seit Sonntag vermehrt Patienten mit Sturzverletzungen behandelt, wie Klinik-Sprecher Martin Wilmsmeier berichtet. Darüber hinaus wirke sich die Wetterlage nur wenig auf den Klinikbetrieb aus. „Seitens der Fachbereiche mussten keine Termine verschoben werden. Auch die Kliniklogistik konnte die aktuelle Lage bislang gut meistern“, sagt Wilmsmeier.

Dort, wo Lastwagen zu scheitern drohen, würden nun kleinere Transporter die üblichen Fahrten zur Speise- und Medikamentenversorgung übernehmen. Weil die Lager des Hauses gut gefüllt seien, könnten aber auch eventuelle Lieferverzögerungen problemlos abgefedert werden. „Die Klinik selbst bleibt weiterhin gut erreichbar, die Zufahrtswege sind selbstverständlich geräumt“, betont der Sprecher.

Von Ulrich Meinhard, Stefanie Grolig, Christiane Böhm und Rüdiger Franke