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19:03 22.11.2019
Für Kerstin Scholz ist die Situation an der regulären Bushaltestelle mit ihrem Rollstuhl ein Problem; deswegen steigt sie an der Ersatzbushaltestelle aus. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Die gegenwärtigen Wegeverhältnisse zwischen den Bushaltestellen in der Robert-Koch-Straße und dem Haupteingang der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) sind für geh- und sehbehinderte Menschen beschwerlich. So beschwerlich, dass sich der Seniorenbeirat der Stadt Göttingen und der Beirat für Menschen mit Behinderung zum Handeln gezwungen sehen. Im Bauausschuss der Stadt Göttingen haben am 21. November Karin Mann vom Beirat für Menschen mit Behinderung sowie Manfred Hilterhaus vom Seniorenbeirat zwei gemeinsame Anträge eingebracht.

Antrag Nummer eins hat das Ziel, während der lange währenden Bauphase zur großräumigen Umgestaltung der Uniklinik einen direkten und barrierefreien Zugang durch Linienbusanbindung an das Eingangsportal herzustellen. Mit Antrag Nummer zwei soll erreicht werden, dass „auch in Zukunft“ ein direkter Zugang durch an- und abfahrende Linienbusse garantiert ist. Denn laut der aktuellen Planung sei keine direkte Busanbindung an das Klinikum vorgesehen. Diese Planungslücke gelte es frühzeitig zu beheben, heißt es.

Die reguläre Bushaltestelle Robert-Koch-Straße: mit Baustellenabsperrungen und beschränktem Zugang. Quelle: Niklas Richter

Viele Patienten mit eingeschränkter Mobilität

Zum Antrag eins wird zudem formuliert: „Der hohen Anzahl auf ambulante Behandlung angewiesener Patienten mit zeitlich vorübergehender oder dauerhaft mobiler Einschränkung ist der direkte und barrierefreie Zugang zu sichern.“ Viele Patienten müssten nach einem stationären Aufenthalt zur klinischen Nachbehandlung die Ambulanz aufsuchen und seien oft in ihrer Mobilität eingeschränkt.

Kritisiert wird von Mann und Hilterhaus die derzeitige Situation. Ein mit einer Kiesschicht bedeckter Weg sei für Menschen mit Rollator nur schwer zu bewältigen. Als gefährlich stelle sich die Situation an der provisorischen Bushaltestelle dar. „Wir sind hilflos. Wir wissen nicht, wie wir weiterkommen sollen“, sagte Mann, sie sprach von einer „dringlichen Angelegenheit“. Ihr sei bekannt, dass eine blinde Person trotz Blindenführhund nicht den Weg zur UMG gefunden habe. Frühestens im Jahr 2037 soll der Umbau der Uniklinik abgeschlossen sein. „Das geht weit über die Grenzen meiner Vorstellung hinaus“, fügte sie hinzu.

Shuttle-Verkehre sind vorgesehen

Die Situation habe den Rat und die Verwaltung kalt erwischt, erklärte der Vorsitzende des Bauausschusses, Hans Otto Arnold (CDU). Niemand habe städtische Vertreter eingebunden. Er berichtete aber von einem am Dienstag erfolgten Gespräch mit Vertretern der UMG. Es sei verabredet worden, Shuttle-Verkehre von der Augenklinik im Fritjof-Nansen-Weg und ab 1. Januar vom Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) zur Uniklinik einzurichten und zwar für Menschen mit Schwerbehinderung. Demnächst solle mit den Göttinger Verkehrsbetrieben (GöVB) abgestimmt werden, wo die Abfahrt am ZOB erfolgen soll. Es sei ein großes Problem, den Linienbus auf das UMG-Gelände zu führen, weil der Platz für einen Zweirichtungsverkehr nicht ausreiche.

Karin Mann gab zu bedenken, dass Shuttle-Busse oft nicht für Rollstuhlfahrer geeignet sind und Personen mit Gehhilfe nicht automatisch als schwerbehindert gelten. Außerdem, regte sie an, müsse es eine Querungshilfe über den Radschnellweg geben, „für Menschen, die nichts sehen können oder nicht schnell genug sind“.

An der Ersatz-Bushaltestelle an der Robert-Koch-Straße ist auf den ersten Blick genug Platz. Auch die Schotterung scheint kein größeres Problem darzustellen. Quelle: Niklas Richter

Es ist kein städtisches Gebiet

„Die Wichtigkeit des Anliegens ist unstrittig“, befand Arnold. Die Bemühungen der GöVB in den vergangenen Jahren, die Anbindung an die UMG zu verbessern, würden gerade konterkariert. Er bat die Verwaltung, einen Planungsvorschlag zu erarbeiten, wie das Problem gelöst werden kann. Der freilich hätte nur Appell-Charakter, da es sich nicht um städtisches Gebiet handelt.

„Dass die Leute da stranden, darf nicht passieren“, stellte FDP-Fraktionschefin Felicitas Oldenburg klar. Grundsätzlich müsse bei jeder Haltestelle ein barrierefreier Zugang gewährleistet sein. Angesichts der Baukosten von 1,1 Milliarde Euro werde doch wohl eine vernünftige Zuwegung auch noch drin sein, gab sich CDU-Fraktionschef Olaf Feuerstein optimistisch. Die GöVB, schätzte er ein, habe sich nicht gerade als Problemlöser hervorgetan. Hier müsste mit Nachdruck auf eine Lösung gedrungen werden.

Anstatt die Verwaltung mit einer Vorlage zu beauftragen, sollte der Rat der Stadt lieber vorschlagen, dass Verwaltungsmitarbeiter das Gespräch mit der UMG suchen. „Wir können dann schauen, was wir herausholen können“, sagte Maik Lindemann vom Fachbereich Planung.

Eher Probleme an regulärer Haltestelle

Bei einem Vorort-Termin erlebte das Tageblatt die Situation noch ein Stück weit anders, als im Bauausschuss dargestellt. In der Robert-Koch-Straße gibt es gegenwärtig eine reguläre und eine provisorische Bushaltestelle, vor beziehungsweise hinter der Zufahrt zur UMG. Die hier zufällig angetroffene UMG-Patientin Kerstin Scholz, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, versicherte, dass sie eher Probleme an der regulären Haltestelle habe, weil sie dort zwei Unebenheiten überwinden muss. Der weitere Weg führt dann direkt über den aufgrund einer Baustellenabsperrung eingeengten Fahrradschnellweg, auf dem Radfahrer zum Teil mit hohem Tempo entlang fahren.

„Wir sind uns der Situation bewusst“

„Die Universitätsmedizin Göttingen ist sich der Situation an der Ersatzhaltestelle für den Busverkehr zum Haupteingang des Universitätsklinikums bewusst“, betont UMG-Sprecher Stefan Weller. Die aktuelle Situation sei gerade für Patientinnen und Patienten sowie für Schwer-, Geh- und Sehbehinderte unzumutbar. Die UMG werde deshalb zügig mit den verantwortlichen Partnern bei Stadt und GöVB das Gespräch suchen, um kurzfristig eine Lösung zu finden. Die soll sicherstellen, dass Patienten und Besucher das Uniklinikum wieder auf kurzem Weg erreichen können.

Für eine zeitnahe Übergangslösung werde die UMG zudem ihren bestehenden Shuttle-Service ausweiten. Ein Kleinbus soll dann stündlich am ZOB am Bahnhof Göttingen halten. „Von dort können dann schwerbehinderte, geh- und sehbehinderte Personen zum Uniklinikum mitfahren. Der Kleinbus vom ZOB hält direkt am Haupteingang des Klinikums“, so Weller. Da der Kleinbus eine begrenzte Zahl von Sitzplätzen hat, könnten in der Tat nur Personen mitfahren, die ihren Schwerbehindertenausweis vorlegen. „Der ausgeweitete Shuttle-Service wird in den nächsten 14 Tagen eingerichtet“, sagt der Sprecher zu.

Angebot: Fahrschleife über Klinikgelände

Die UMG mache zudem ein konkretes Angebot und werde dazu mit den GöVB ins Gespräch gehen: Die Stadtbusse können über eine Fahrschleife über das Klinikumsgelände die bisherige Haltstelle Richtung stadteinwärts anfahren. Über die Fahrroute „Robert-Koch-Straße – Zimmermannstraße – Einfahrt hinter der Klinikumsfeuerwache“ könnten Fahrgäste an der vorhandenen Bus-Haltestelle aussteigen. Die Stadtbusse würden dann über das Klinikumsgelände auf die Robert-Koch-Straße zurückfahren und von dort ihren Weg weiter in Richtung Norden und Uni-Nordcampus fortsetzen.

„Darüber hinaus will die UMG mittelfristig die Zufahrt zum Haupteingang des Universitätsklinikums verbessern. Besonders für die langandauernde Zeit der Bauarbeiten soll es zumutbare Ankunfts- und Ausstiegsmöglichkeiten für Patienten und Besucher geben“, betont Weller.

Erster Spatenstich 2020

Derzeit laufen auf dem Klinikgelände erste Arbeiten. Auf der Internetseite der UMG wird über den Umbau informiert. Hier heißt es, dass die neuen Klinik-, Forschungs- und Lehrgebäude nach und nach entstehen. In einem ersten Abschnitt auf dem Weg zum neuen Medizin-Campus werde auf dem Areal des ehemaligen „Schwänchenteiches“, östlich des jetzigen Klinikkomplexes, ein neues Bettenhaus mit Intensiv-, Intermediate Care - und Normalpflege, Ambulanzen (Herz- und Neurozentrum) sowie einem Hubschrauberlandeplatz auf dem Gebäudedach realisiert. Des Weiteren werde der neue Funktionstrakt errichtet, bestehend aus der zentralen Notaufnahme und Herzkatheter-Messplätzen, Zentral-OP mit 25 OP-Sälen sowie zentraler Sterilgut- und Versorgungsaufbereitung. Es folgen weitere Bauphasen, die unter anderem Forschungs- und Lehrgebäude, ein Eltern-Kind-Zentrum, ein onkologisches Zentrum sowie mehrere Verwaltungsgebäude beinhalten. Der offizielle erste Spatenstich soll im nächsten Jahr erfolgen. (Quelle: www.umg.eu)

Von Ulrich Meinhard

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