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Göttingen Wie können Migrantinnen in der Kommunalpolitik aktiv werden?
Die Region Göttingen Wie können Migrantinnen in der Kommunalpolitik aktiv werden?
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17:47 12.09.2019
Fragen nach der Teilhabe: Gülşan Yalçın vom Integrationsrat Göttingen, Sozialarbeiterin Nehad Isa und Studentin Büsra Dogan (von links). Quelle: Heller Montage: mib
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Göttingen

Welche Möglichkeiten und Initiativen gibt es in Göttingen? Kann ich in der Kommunalpolitik aktiv werden und will ich das? Wie kann ich den Integrationsrat für meine Ziele gewinnen? Diese und andere Fragen wollen Frauen- und Gleichstellungsbüro Göttingen und der Integrationsrat im Gespräch mit Migrantinnen beantworten.

Den Auftakt dazu machte in dieser Woche das Treffen „Frauen in die Politik – Migrantinnen und Ihre Erfahrungen im politischen Engagement“. Die Resonanz war zum Start jedoch spärlich. Mit Nehad Isa und Büsra Dogan waren nur zwei Frauen den Weg zu dem Treffen im Neuen Rathaus gekommen. Die Sozialarbeiterin und Studentin waren aber umso wissbegieriger und engagierter.

Büsra Dogan Quelle: Peter Heller

Gleichberechtigung und Integration von Flüchtlingen

Sozialarbeiterin Nehad Isa will sich politisch engagieren. „Ich würde gerne themengebunden in Projekten arbeiten“, sagt sie. Politische Arbeit, die sie an nur eine Partei binde, liege ihr aber fern. „Wo kann ich mich beteiligen? Wo kann ich Erfahrungen sammeln?“, fragt sie. Nachdem ihre beiden Kinder inzwischen größer sind, habe sie wieder Zeit für mehr Engagement. Themen wie Gleichberechtigung und Integration von Flüchtlingen liegen ihr am Herzen.

Nehad Isa Quelle: Peter Heller

„Ich habe mich nie in der Politik gesehen“, sagt Studentin Büsra Dogan. Ihr liege eher die Integrationsarbeit am Herzen. Seit einiger Zeit arbeitet sie dazu bereits in dem Verein „Integreater“. In ihm engagieren sich ehrenamtliche junge Deutsche mit Migrationshintergrund, um mit ihren Biografien als Vorbilder für mehr andere Migranten zu dienen und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen. Seit dem Frühjahr gibt es auch eine Göttinger Regionalgruppe.

Zu wenig Vorbilder für Migrantinnen

Dogans Eindruck ist, dass viele Frauen mit Migrationshintergrund, sich zwar engagieren wollen, sie aber nicht wüssten, wo das besten möglich ist. Sie wünschte sich mehr Aktivitäten vom Gleichstellungsbüro und Integrationsrat in den sozialen Medien – etwa Facebook und Instagram. Generell, so Dogan, gebe es zu wenig Vorbilder für Migrantinnen, die sich engagieren wollen.

Gülşan Yalçın (Integrationsrat) Quelle: Peter Heller

Mögliche Vorbilder stellte Gülşan Yalçın vom Integrationsrat vor: Lucy Grimme etwa habe sich lange Jahre ehrenamtlich für Menschen mit Migrationshintergrund eingesetzt – unter anderem im niedersächsischen Integrationsrat. Nuray Yildirim habe sich kommunalpolitisch im Rat der Stadt Kassel engagiert. Hier habe sie sich als „Einzelkämpferin“ über die Jahre die „Wertschätzung“ der anderen Ratsmitglieder erkämpft, so Yalçın.

47 Prozent Frauen im Rat, aber ohne Migrationshintergrund

Nach Angaben von Christine Müller, Gleichstellungsbeauftragte und Leiterin des Gleichstellungsbüros, liegt der Frauenanteil im Göttinger bei immerhin 47 Prozent. Einen Migrationshintergrund hat aber nur eine Frau.

Im Integrationsrat, der demokratisch gewählte kommunale Interessenvertretung der in Göttingen lebenden Migrantinnen und Migranten liegt der Frauenanteil bei 27 Prozent. Bei der Wahl zu diesem Gremium lag der Frauenanteil bei den Kandidaten aber bei mehr als 44 Prozent. Dabei sind es Frauen, die in den Selbstorganisationen von Migranten, etwa die Internationalen Gärten, die Zukunftswerkstatt und die Deutsch-Russische Gesellschaft, bei einem Frauenanteil von 50 bis 60 Prozent den Ton angeben.

Britta Thür, Gülşan Yalçın, Christine Müller, Nehad Isa, Birgit Sacher und Büsra Dogan Quelle: Peter Heller

Vernetzung könnte besser sein

Göttingen bietet schon sehr viel“, sagte Müller. So gebe es das Gleichstellungsbüro, das Frauenforum und den Integrationsrat, wo sich Migrantinnen sich informieren und auch engagieren könnten. Zudem gebe es die öffentlichen Sitzungen von Rat und Ausschüssen sowie von einigen Ratsfraktionen. Hier könnten erste Einblicke in die Kommunalpolitik gewonnen werden. Auch gebe es Frauen-Netzwerke. Deren Vernetzung untereinander könnte aber besser sein.

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Trotz spärlicher Resonanz: „Der Anfang ist gemacht“, sagte Yalçın. Ein nächstes Treffen für Migrantinnen, die sich engagieren wollen, ist laut Müller bereits in Vorbereitung. Als ein Fazit aus dem Treffen nahm Yalçın mit: „Wir müssen mehr in die Selbstorganisationen der Migrantinnen gehen. Die Frauen kommen nicht von alleine zu uns.“

Angebote in Göttingen

Der Integrationsrat ist die politische Interessenvertretung und das gewählte Organ der in Göttingen lebenden Migranten und Flüchtlinge. Er versteht es als seine Aufgabe, „die Interessen aller zugewanderter Einwohnerinnen und Einwohner gegenüber dem Stadtrat, seinen Ausschüssen und gegenüber der Verwaltung“ zu vertreten. Zudem setze er sich insbesondere für die Gleichstellung aller Einwohnerinnen und Einwohner ein,heißt es auf der Internetseite des Rates. Vordringliches Ziel sei es, die Benachteiligungen und Ungleichbehandlungen von zugewanderten Menschen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens abzubauen. Die demokratisch gewählten Mitglieder des Integrationsrates haben in fünf Ratsausschüssen Rede- und Antragsrecht. Das Gleichstellungs­büro Göttingen gibt es seit 1987. Sein Ziel es, zur Verwirklichung der verfassungsrechtlich garantierten Gleich­be­­­rech­ti­gung von Frauen und Männern auf kommunaler Ebene beizutragen. Das von ihm herausgegebene Frauenhandbuch stellt im Kapitel „Netzwerke Politik“ verschiedene Institutionen für Frauen vor – von der Frauen Union der CDU und der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen über das Frauenforum bis hin zum Frauenwerk im Sprengel Hildesheim-Göttingen. Es steht im Internet zum Download bereit. 

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Von Michael Brakemeier

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