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Göttingen Wohin geht der Göttinger Wochenmarkt? Das sagen Händler, Besucher und Politiker
Die Region Göttingen Wohin geht der Göttinger Wochenmarkt? Das sagen Händler, Besucher und Politiker
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10:50 27.09.2019
Im nächsten Jahr soll der Göttinger Wochenmarkt für zwei Jahre umziehen. Wohin, ist heftig umstritten. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Seit mehr als 50 Jahren ist auf dem Platz an der Göttinger Hospitalstraße Wochenmarkt. Jetzt sollen die Gemüse-, Käse- und Wursthändler umziehen: für mindestens zwei Jahre, weil der Platz komplett umgestaltet wird. Über den Ausweichstandort aber gibt es Streit. Eine Bestandsaufnahme.

Zum Hintergrund: Nach jahrelanger Diskussion soll der triste Wochenmarktplatz bald umgebaut werden. Das Projekt ist Teil der Städtebauförderung „Südliche Innenstadt“. Die Bauarbeiten sollen Anfang 2020 beginnen – zunächst im Kanalbereich. Anschließend wird auch das Ottfried-Müller-Haus an der Südwest-Flanke umgebaut. Kaz und Junges Theater sind bereits ausgezogen.

Bei der Suche nach einer Alternative hat die Stadtverwaltung 13 mögliche Standorte untersucht und dabei einen umfangreichen Anforderungskatalog abgehakt. Der Alternativplatz sollte groß genug sein für bis zu 76 Markthändler. Anfahrt, Wasser und Strom müssen vorhanden oder leicht zu installieren sein. Andere Interessen sollten möglichst nicht verdrängt werden.

Diese Standorte hat die Verwaltung bereits einmal geprüft. Quelle: GÖ/Stadtverwaltung

Die Wahl fiel schließlich auf den Albani-Parkplatz – und rasselte bei der Präsentation im Bauausschuss des Rates gewaltig durch. Die Händlervereinigung Pro City ist dagegen. Die Marktbeschicker protestierten. Und auch die CDU sah den Albaniplatz „nicht als beste Lösung“, so ihr Fraktionsvorsitzender Olaf Feuerstein. Die Folge: Die Verwaltung soll drei andere Möglichkeiten noch einmal genauer prüfen: -> den eigentlichen Markt rund ums Gänseliesel einschließlich der Fläche rund um die Jacobikirche mit Paulinerstraße

-> die am dichtesten zum Alt-Standort gelegenen Kurze Straße und Turmstraße einschließlich Wöhlerplatz

-> den Waageplatz, eventuell unter Einbindung des kleinen Parkplatzes nördlich der Reitstallstraße.

Unterschiedliche Bedenken

Gegen den Lieselmarkt hatte die Verwaltung erst einmal Bedenken wegen des Weihnachtsmarktes im Dezember und anderer Veranstaltungen dort angemeldet. Die Straßenzüge im Bereich Kurze Straße hält sie für zu eng – die Feuerwehr könnte nach ihrer Ansicht bei einem Einsatz nicht zwischen den Marktständen hindurch fahren.

Größter Wunsch der Marktbeschicker ist es, auf dem alten Platz zu bleiben. Wenn es denn aber sein muss, hoffen sie auf einen Ausweichplatz in unmittelbarer Nähe – „und das sind Turmstraße, Kurze Straße sowie Wöhlerplatz“, erklärt die Vorsitzende des Wochenmarktvereins, Nicole Redick. „Das wäre optimal“, fügt sie an. Und das habe 2013 während eines NDR2-Soundcheck-Festivals auch schon einmal geklappt. Sie sei überzeugt, dass die Stände so positioniert werde könnten, dass die Feuerwehr freie Fahrt behält.

Nicole Redick, Vorsitzende des Wochenmarkt-Vereins. Quelle: R

 

An zweiter Stelle steht für die Markthändler der Lieselplatz und Kirchplatz hinter dem Alten Rathaus. In der Vorweihnachtszeit müsse dann entweder der Weihnachtsmarkt oder der Wochenmarkt verlegt werden – erstgenannter vielleicht auf den Albaniplatz. Der Waageplatz hingegen sei schwer realisierbar: „zu weit weg, zu wenig Platz“.

Ganz ähnlich argumentiert Frederike Breyer, Geschäftsführerin von Pro City – und setzt die gleichen Prioritäten. Grundsätzlich hofft sie, dass die Verwaltung – trotz ihrer guten Vorarbeit – jetzt bei der Suche nach dem besten und vor allem einem nahen Ausweichplatz „noch einmal mehr in die Tiefe geht“. „Wichtig ist dabei auf jeden Fall, dass alle Beteiligten miteinender reden und zusammenarbeiten“, fügt sie an. Nach wie vor lehnt sie einen Wochenmarkt auf dem Albaniplatz ab. Der Platz sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlechter zu erreichen und wenn auf dem Platz Markt ist, „fehlen auch viele ganz wichtige Parkplätze für die City“.

Frederike Breyer, Pro City Quelle: Dorothea Heise

Das sagen die Ratsfraktionen

Unterschiedliche Ansichten darüber, wohin der Wochenmarkt zukünftig umziehen soll, haben die Göttinger Ratsfraktionen. So spricht sich die CDU dafür aus, „den Markt wieder zum Marktplatz“ zu machen. Dadurch würde die Fußgängerzone aufgewertet und den Beschickern ein gleichwertiger, wenn nicht gar besserer Ersatz-Standort während der Umbauarbeiten auf dem Wochenmarkt angeboten. Auch den „anliegenden Raum, egal ob um das Rathaus oder in angrenzenden Straßen“, können sich die Christdemokraten „gut als Erweiterung des Angebotes um das Gänseliesel vorstellen“.

Von diesem Quartier dürften die Warenhändler profitieren: „Der hohe Durchgangsverkehr in der Fußgängerzone wird sich positiv auf unseren Wochenmarkt auswirken“, sagt der Fraktionsvorsitzende Olaf Feuerstein, „das wäre ein absolutes Plus für unsere Innenstadt.“ Dass sich Veranstaltungen auf dem Marktplatz an einigen Tagen wahrscheinlich mit dem Wochenmarkt überschneiden werden, sieht die Fraktion als „leicht zu lösendes Problem“.

Albaniplatz: nicht ideal, aber das beste Ausweichquartier

Als „nicht ideal, aber für die Zeit der Neugestaltung des Wochenmarktplatzes das beste Ausweichquartier“ bezeichnet Ratsfrau Dagmar Sakowsky (Grüne) den Standort Albaniplatz. „Auch wir würden eine zentralere Lage priorisieren, die sich aber leider nicht realisieren lässt“, sagt sie. Das wichtigste Kriterium bei der Standortsuche sei, dass alle Marktstände dort Platz finden, damit den Kunden das breite regionale Angebot auch in der Umbauphase erhalten und die wirtschaftliche Existenz der Marktbeschicker gesichert bleibe.

Die Sorgen der östlichen Innenstadthändler, dass sich durch den Wegfall der Parkmöglichkeiten am Albaniplatz wirtschaftliche Einbußen für den Einzelhandel ergeben, kann Sakowsky aber verstehen. „Wir sind jedoch davon überzeugt, dass die Nutzung des Albaniplatzes als Parkfläche gegenüber einer Nutzung für den Wochenmarkt klar zurücktreten muss“, teilt sie mit. Wichtig sei eine gute Koordination der Marktnutzung des Albaniplatzes mit den Bauarbeiten an der Stadthalle, sodass sich für keine Seite Einschränkungen ergeben.

Albani- oder Marktplatz?

Auch die baupolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion, Sylvia Binkenstein, spricht beim Albaniplatz von einer „akzeptablen Interimslösung“. Dessen Nutzung als Ausweichquartier „ist in unseren Augen die Beste der schlechten Lösungen“, betont sie. Nun müsse man beobachten, wie sich die Besucherzahlen dort entwickeln. „Und vielleicht sind wir dann alle erstaunt, wie gut der Platz vor der Stadthalle aller Unkenrufe zum Trotz von den Göttingern angenommen wird“, so Binkenstein. Allerdings dürfe der Albaniplatz nur eine Übergangslösung sein. Denn der Wochenmarkt auf seinem bekannten Standort sei eine Institution in Göttingen und ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor, der viele Besucher in die Innenstadt ziehe.

Sowohl Albani- als auch Marktplatz kann sich die Göttinger Linke als Lösung vorstellen. Der Albaniplatz biete genügend Raum für alle Marktbeschicker und eigne sich allein schon deshalb als bestes Ausweichquartier zum bisherigen Standort. Als Alternative dazu könne sich die Fraktion aber „den Platz vor dem Alten Rathaus vorstellen“, sagt Fraktionschef Rolf Ralle. „Möglicherweise müssten auf dem Kornmarkt die Möbel umgestellt werden. Veranstaltungen wie Weihnachts- oder Ostermarkt könnten dann hinter dem Alten Rathaus und auf dem Nikolaikirchhof stattfinden.“

Felicitas Oldenburg, Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion, spricht sich ebenfalls für einen Wochenmarkt am Gänseliesel aus: „Die Interessen der Marktbeschicker und ebenso der Innenstadthändler müssen wegen der Erreichbarkeit des Albaniplatzes und des teilweisen Wegfalls von Parkplätzen dringend beachtet werden.“ Daher müsse die Standortsuche auch andere Orte umfassen, wie zum Beispiel den Marktplatz, kombiniert mit einem Teil des Johanniskirchhofs oder der Paulinerstraße. Bei der Prüfung des Waageplatzes sei zudem der Leinekanalbereich bis Goetheallee von der Verwaltung noch nicht mit einbezogen worden.

Möglichen Standort in der Goetheallee „ernsthafter“ prüfen

Für Francisco Welter-Schultes, fraktionsloses Piratenmitglied, kommen ebenfalls nur zwei mögliche Standorte in die engere Wahl: Albaniplatz und Johanniskirchhof/Markt. „Beide haben Vor- und Nachteile, die abgewogen werden müssen. Dabei wünsche ich mir, dass der Standort Johanniskirchhof mit der nötigen Sorgfalt geprüft wird, insbesondere was die Ausweichoptionen für den Weihnachtsmarkt angeht.“ Es handele sich aber um einen gut erprobten Marktstandort. Dass der Albaniplatz derzeit bevorzugt werde, sei nachvollziehbar, „er scheint bei den Marktbetreibern jedoch nur zweite Wahl zu sein“, sagt Welter-Schultes.

Waageplatz, Bahnhof oder Rosengarten?

Ein deutliches Veto gegen den Albaniplatz legt dagegen die Piraten- und Partei-Ratsgruppe ein: „Wir halten den Standort Albaniplatz für inakzeptabel“, sagt Die-Partei-Gruppen-Vorsitzende Helene Arndt. So würden die ohnehin schon knappen Parkplätze reduziert und die Nähe zur Grundschule schaffe „sicherlich unnötigen Verkehrsstau“. Zudem beeinträchtige die Lautstärke eines nahen Wochenmarktes die wichtige „angemessene Lernatmosphäre“ der Schule. Auch der Markplatz findet als Ausweichquartier bei Arndt keinen Anklang: „So attraktiv der Gänselieselmarkt erscheint, so wird es mit Sicherheit Interessenskonflikte in der Zeit des Weihnachtsmarktes geben und man müsste dann wieder einen Ausweichort suchen“, meint sie.

Ihre Fraktion präferiere den Waageplatz und den Bahnhofsvorplatz. „Beide Standorte überzeugen unter anderem aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zum Bahnhof“, so Arndt. Fällt die Entscheidung für den Bahnhofsvorplatz, könnten die Weihnachtsstände am Bahnhof „ohne große Verluste auf den Waageplatz umziehen“.

Stadtverwaltung will Marktplatz als Interimslösung prüfen

Die Stadtverwaltung werde noch einmal prüfen, ob der Marktplatz als Interimslösung in Frage kommen kann, teilt Pressesprecher Dominik Kimyon mit. Allerdings stelle sich die Frage, wie während der Weihnachtsmarktzeit verfahren werde, dazu werde sich innerhalb der Verwaltung ausgetauscht.

Die Variante Rosengarten werde nicht weiterverfolgt und stehe nicht als Ausweichquartier zur Verfügung. Auch der Standort Kurze Straße/Wöhlerplatz „ist aus Sicht der Feuerwehr nicht für einen regelmäßigen Marktbetrieb geeignet“, sagt Kimyon. In der Goetheallee würden die Nachteile überwiegen, da sie an drei Wochentagen gesperrt werden müsste, „was sich wiederum negativ auf die umliegenden Erschließungsstraßen auswirken würde.“ Zudem würde der Markt arg in die Länge gezogen, die Stände bis zum Nabel reichen. „Nach derzeitigem Stand werden wir das Thema zum Ende des Jahres wieder im Ausschuss diskutieren“, sagt Kimyon.

Das sagen Marktbesucher und Tageblatt-Leser

Kritisch sehen viele Tageblatt-Leser den Ausweichstandort Albaniplatz für den Wochenmarkt. Ein immer wiederkehrender Kritikpunkt ist die lange Zeit, in der der Markt weichen soll. Für zwei Jahre soll er in die Nachbarschaft der Stadthalle umziehen. Ein großes Problem sehen die kritisierenden Bürger in den fehlenden Parkplätzen in diesem Bereich. Als Alternativen bringen sie den Rosengarten ins Spiel - und ganz verstärkt die Innenstadt im Bereich der Weender Straße. Kritik wird auch geäußert an der langen Umbaudauer des Wochenmarkplatzes. Das sei wohl auf Beeinträchtigungen durch die Sanierung des Otfried-Müller-Hauses zurückzuführen, meinen Tageblatt-Leser.

Auf dem Wochenmarkt sind die Meinungen am Donnerstag ähnlich. Den Albaniplatz findet beispielsweise Konstantin Thielecke für den Wochenmarkt nicht gut. Hier gebe es nicht genug Parkplätze. Der Waageplatz wiederum sei zu weit abseits, gemessen an den Gewohnheiten der Marktbesucher. Obwohl es dem Areal dort vielleicht gut täte. Thielecke besucht den Markt ein- zweimal die Woche. Am Albaniplatz sei zu viel Verkehr, ergänzt Dietrun Laube. Ihr gefiele die Lösung mit der Kurzen Straße gut.

Regelmäßige Marktbesucher: Konstantin Thielecke und Dietrun Laube. Quelle: Böhm

Die bevorzugt auch Marktbeschickerin Marion Marzett. An diesem Ort sei der Markt vor einigen Jahren schon einmal während es Soundcheck-Festivals gewesen. Das habe gut geklappt. Und da bliebe auch das Parkhaus in der Nähe und die Marktstände hätten auch weiterhin viel Laufkundschaft.

Etwas kritischer sieht Elisabeth Römer den Standort Kurze Straße. Dort könne es unter Umständen Probleme mit den Besucher der Tafel von St.Michael geben. Und es sei ja auch gar nicht genug Platz, so eine der Kundinnen von Römer. Einen Wochenmarkt rund um das Alte Rathaus und die St. Johanniskirche fände Römer eigentlich am besten. Aber da seien die Konflikte mit dem Weihnachtsmarkt vorprogrammiert.

Am liebsten würden sie mit ihrem Stand eben bleiben, wo sie ist. Aber da das ja nicht gehe, dann vielleicht am Rosengarten, dort gebe es genügend Parkplätze und es sei nicht so weit entfernt vom alten Standort. Viele ihrer Kunden kämen morgens vor der Arbeit vorbei, erzählt sie. Die würden nicht mehr kommen, wenn der Ausweichplatz zu weit entfernt liege.

13 Standorte wurden geprüft

Die Göttinger Stadtverwaltung hat nach eigenen Angaben 13 mögliche Ausweichplätze für den Wochenmarkt geprüft:

Albaniplatz

Wilhelmsplatz und Barfüßer Straße

Jacobikirchhof und Weender Straße

Waageplatz

Bahnhofsvorplatz

Goethe-Allee

Johanniskirchplatz

Weender Straße / Altes Rathaus (Markt)

Nikolaikirchhof

Kurze Straße, Wöhlerplatz, Wall, Geismartor

Hiroshima-Platz, Geismartor

Parkplatz Bürgerstraße, Juzi

Rosengarten

Von Ulrich Schubert und Tobias Christ

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