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Göttingen Plastikfreie Göttinger Innenstadt
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17:00 14.06.2019
Im Waschbär Laden werden schon seit Jahren Jutebeutel als Tragehilfen angeboten. Sabine Morgenroth (re.) und Henrike Potthast präsentieren hier das neue Motiv mit Schmetterling. Quelle: Meinhard
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Göttingen

„Göttinger Märkte und Veranstaltungen plastikfrei.“ So lautet die Forderung der Piraten und Partei Ratsgruppe Göttingen. Wenn der Rat der Stadt am 21. Juni zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommt, will die Ratsgruppe einen Beschlussvorschlag einbringen. Die Verwaltung soll gebeten werden, stärker auf die Vermeidung von Müll und Einweg-Plastik im öffentlichen Raum hinzuwirken. Geht es auch ohne Plastik als Einmalbesteck, als Tragehilfe? Soll der aus Erdöl erzeugte Stoff nicht mehr in die sprichwörtliche Tüte kommen? Wie sehen das die Göttinger?

„Manche fanden das unverschämt“

Bei Sabine Morgenroth trifft die Forderung auf Gegenliebe. Sie ist die Chefin des Waschbär-Ladens. „Wir schauen, dass unsere Kunden möglichst eigene Beutel mitbringen. Bieten aber für 50 Cent Baumwollbeutel an, alternativ auch Jutebeutel, die etwas teurer sind“, sagt Morgenroth. Am Anfang sei das auf Unverständnis gestoßen. „Manche fanden das unverschämt. Inzwischen reagieren die allermeisten Menschen positiv.“ Morgenroth macht auf eine Göttinger Stempelkarte aufmerksam. Wer klimafreundlich konsumiert und etwa die eigene Einkaufstasche mitbringt, bekommt Stempel aufgedrückt. Ist die Karte voll, gibt es als Belohnung ein Klimaschutz-Paket , indem sich wiederum unweltfreundliche Verpackungsmaterialien befinden. Grundsätzlich spricht sich Morgenroth aber für ein Marketing aus, dass dem Gemeinwohl dient und Projekte „zur Heilung der Erde“ unterstützt, anstatt „Leckerlis“ zu verteilen.

„Bei uns gibt es Pappe“

Luisa Mantel und Philipp Kunz haben Papiertüten parat für Outdoor-Textilien, hergestellt aus recyceltem Material. Quelle: Meinhard

„Bei uns gibt es Pappe beziehungsweise Papier“, sagt Philipp Kunz mit dem Ton der Gewissheit, dass er schon längst auf der richtigen Seite steht. Kunz ist Store-Manager im Jack Wolfskin Geschäft. „Es wäre ja auch dumm, wenn wir Textilien aus recycelten PC-Flaschen anbieten und die dann in Plastiktüten stecken“, findet er. Mit Genugtuung berichtet er von der Aktion des Herstellers, am Mittelmeer ansässige Fischer mit dem Herausfischen von Plastik aus dem Wasser zu beauftragen und zu bezahlen. Mit Blick auf die Produktionskette bei der aktuellen Kollektion kann Kunz festhalten: „Wir schmeißen fast nichts mehr weg. Ich finde das gut. Irgendwas muss man doch machen.“

Thomas Darbergott hat in seinem Café schon vor vier Jahren auf To-Go-Becher verzichtet. Quelle: Meinhard

„Es gibt doch längst Alternativen. Die werden auch gern genommen. Den Göttingen-Beutel sieht man häufig“, sagt Thomas Darbergott. In seinem Café in der Roten Straße ist er schon vor vier Jahren dazu übergegangen, auf To-Go-Becher zu verzichten. Heidelberg, sagt er, sei eine Stadt mit Vorbildcharakter, dort dürfte bei Festen kein Einwegbesteck und keine Einwegteller mehr verwendet werden. Den Antrag der Piraten-Partei nennt er populistisch“. Aber das muss er als Mitglied des grünen Stadtverbandes wohl auch so sehen.

„Dann lieber Leinen“

Baumwollbeutel mit Göttinger Motiven bietet das Karstadt Warenhaus gegen einen kleinen Obolus an. Iris Kurth zeigt das Gänseliesel. Quelle: Meinhard

Im Karstadt Warenhaus wird für Einkaufstüten aus Plastik ein je nach Größe zugewiesener Betrag genommen, der variiert zwischen fünf und 30 Cent. Papiertüten seien eher keine Alternative, sagt Hausleiterin Beate Stadler. „Dann lieber Leinen.“ Im Kassenbereich können beutellose Kunden unter verschiedenen Taschen wählen, die aus Baumwolle oder recyceltem Material gefertigt sind, einige tragen sogar ein für Göttingen typisches Motiv, wie den Gänselieselbrunnen. „In unserer Gastronomie stellen wir bei den Getränken auf Glas um“, fügt Stadler in puncto Nachhaltigkeit noch an.

Auf einer Bank am Wilhelmsplatz sitzt Celina Müller und trinkt Kaffee aus einem Mehrweg-Becher. „Von einem Plastik-Verbot auf Märkten und Veranstaltungen halte ich sehr viel. Man müsste sich dann nur darauf einstellen“, sagt die 21-Jährige.

 

Von Ulrich Meinhard

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