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Die Region Göttingen Göttingen bleibt Salafisten-Hochburg
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00:18 10.06.2017
Von Matthias Heinzel
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

„In Göttingen“, erklärt Verfassungsschutz-Sprecher Frank Rasche, „ist in den letzten Jahren eine junge salafistische Szene im mittleren zweistelligen Bereich entstanden, die sich insbesondere aus der Anhängerschaft der seit 2001 verbotenen islamistischen Organisation „Kalifatstaat“ rekrutiert.“

Wie andere Salafisten pflegten auch die Göttinger „eine enge überregionale Vernetzung innerhalb der salafistischen Szene“. Der Großteil sei dem politischen Salafismus zuzurechnen, „der insbesondere durch eine intensive Missionierungstätigkeit, die sogenannte „Dawa-Arbeit“, in Erscheinung tritt“. Einen kleineren Teil der Salafisten rechnet der Verfassungsschutz dem gewaltbereiten Salafismus zu, „die Übergänge zum jihadistischen Salafismus sind jedoch fließend“. Jihad (auch Dschihad) bedeutet im Koran und im Normen- und Verhaltenskodex des Islambegründers und „Propheten“ Mohammed in erster Linie bewaffneter oder militärischer Kampf, in der Regel gegen Nicht-Muslime.

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Ausreisen haben zugenommen

Eine zentrale Rolle innerhalb der Göttinger Salafistenszene spielt der Deutschsprachige Islamkreis (DIK) Hildesheim um den im November 2016 verhafteten Prediger Ahmad Abdulaziz Abdullah A., genannt Abu Walaa. Der DIK habe in den vergangenen Jahren auch Muslime aus der Region angezogen, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2016.

Aus dem Schwerpunkt Hildesheim/Göttingen stamme im vergangenen Jahr etwa ein Drittel aller Ausreisefälle in das Jihadgebiet in Syrien und dem Irak, das vom Islamischen Staat (IS) dominiert wird. 2016 hätten insbesondere die Ausreisen aus dem Raum Göttingen/Hildesheim zugenommen, während aus dem zweiten niedersächsischen Salafisten-Schwerpunkt Wolfsburg/Braunschweig „keine Ausreisen mehr zu verzeichnen waren“.

Dennoch sei neben Göttingen/Hildesheim auch Wolfsburg/Braunschweig ein klarer Ausreiseschwerpunkt, „die zusammen fast drei Viertel aller Ausgereisten aus Niedersachsen stellen“. Zwar hätten die DIK-Moschee in Hildesheim und ihr Prediger Abu Walaa für den Anstieg der Ausreisefälle im Bereich Göttingen/Hildesheim „eine entscheidende Rolle gespielt“, aber: „Durch das Verbot des DIK Hildesheim im März 2017 ist aber auch hier von einer stark rückläufigen Tendenz, wenn nicht sogar von einem Erliegen der Ausreisen auszugehen.“

Muslimbruderschaft verbreitet ihre Ideologie

Weitere Vertreter eines radikalen Islam sieht der Verfassungsschutz in der Muslimbrüderschaft, die auch in Niedersachsen ihren Ansatz der kulturellen und ideologischen Durchdringung verfolge: „Dementsprechend übt die Muslimbrüderschaft ihren Einfluss auf Moscheen in Niedersachsen in Braunschweig, Göttingen, Hannover und Osnabrück aus. Durch ihr Lehrangebot, wie zum Beispiel in Moscheen angebotene Korankurse, verbreitet die Muslimbrüderschaft ihre Ideologie.“

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