Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Göttingen braucht schnell neue Wohnungen
Die Region Göttingen Göttingen braucht schnell neue Wohnungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:03 14.08.2019
In einigen Ballungsräumen in Niedersachsen werden laut einer Studie viel zu wenige Wohnungen gebaut. Das gilt auch für Göttingen. Das soll sich ändern. Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

Bis zum Jahr 2030 sollen in Göttingen 5000 neue Wohnungen entstehen. Das sieht das „Kommunale Handlungskonzept zur Schaffung und Sicherung von bezahlbarem Wohnraum“ vor. Das Arbeitspapier hat die Stadtverwaltung erarbeiten lassen. Es ist am 13. August im Sozialausschuss der Stadt vorgestellt worden.

Das Thema Wohnen und Mieten sei nicht nur für Göttingen relevant, sagte die zuständige Dezernentin Petra Broistedt. Die Problematik rasant steigender Mieten und fehlenden Wohnraums stehe derzeit auch in anderen deutschen Städten auf der Agenda ganz oben und habe die Flüchtlingsthematik in der Rangfolge verdrängt.

Land und Bund müssen noch nachlegen

„Wir sind aber relativ gut auf dem Weg“, meinte Broistedt bezogen auf Göttingen. Sie hob das gute Zusammenwirken mit der Wohnungswirtschaft ebenso hervor wie die verbesserten Förderbedingungen in Niedersachsen. Trotzdem müssten Land und Bund noch nachlegen, um die Situation zu entschärfen. „Wohnen ist ein Grundrecht, das nicht allein auf den Schultern der Kommunen lasten darf. Hier sind alle Akteure gefordert: Die Politik und die Bauwirtschaft genauso wie der Gesetzgeber“, fasst die Dezernentin zusammen. Es werde immer schwieriger für Menschen mit schmalem Geldbeutel, angemessenen Wohnraum zu finden. Es dürfe nicht geschehen, dass eine Stadt wie Göttingen nur noch für Wohlhabende leistbar ist. Deshalb sei vom Verwaltungsausschuss das Handlungskonzept beauftragt worden.

Karima Azouagh vom Referat Planungen der Stadtverwaltung informierte über die aktuelle Göttinger Wohnraumsituation anhand der Studie. Demnach werden 42 Prozent der Göttinger Bevölkerung an der „unteren Einkommensgrenze“ verortet, 21 Prozent an der „mittleren Einkommensgrenze“. Hier zählen auch Studenten hinein. Für diese beiden Gruppen sollen nun vermehrt Wohnungen im Preissegment 6,20 bis 7,50 Euro pro Quadratmeter gebaut und angeboten werden.

Nur zehn Prozent im bezahlbaren Segment

Lagen 2013 noch 30 Prozent der Wohnungen in diesem als „bezahlbares Segment“ ausgewiesenen Bereich, waren es 2018 nur noch zehn Prozent. 2017 und 2018 seien null Wohnungen für die unteren Segmente gebaut worden. Das soll sich ändern, zum Beispiel über die vorgegebene 30 Prozent Quote: Bei einem Neubau ab zwölf Wohneinheiten müssen 30 Prozent der Wohnfläche für Menschen aus den unteren Einkommensbereichen leistbar sein. Aktuell wird eine neugebaute Wohnung in Göttingen durchschnittlich mit 11,30 Euro pro Quadratmeter kalt angeboten.

Laut Statistik sind 59 Prozent der Göttinger Haushalte Singlehaushalte. „Daraus ist zu schließen, dass es vor allem Familien schwer haben, Wohnraum zu finden“, interpretierte die Verwaltungsmitarbeiterin diese Zahl.

Nötig sind 420 neue Wohnungen im Jahr

Pro Jahr werden 200 bis 300 neue Wohnungen fertiggestellt – nötig wären aber 420. Seit 2017 hat die Stadt Göttingen Planrecht für circa 1050 Wohneinheiten geschaffen, bis 2020 kommt noch einmal Planrecht für weitere 2600 Wohneinheiten hinzu. „Was wir jetzt brauchen, ist schnelles Bauen“, so die Sozialdezernentin.

„5000 Wohnungen bis 2030 - da werden wir Mühe haben, das hinzubekommen“, gab Ratsfrau Regina Meyer (Grüne) zu bedenken. In der Tat sei die notwendige Verdichtung ein Problem, räumte Broistedt ein. Deshalb müsse geschaut werden, wie viel Wohnungsneubau für Göttingen möglich und verträglich ist. Dass Göttingen eine Stadt ist, die Menschen anzieht, sei aber ein positives Zeichen. „Das müssen wir unterstützen. Wir müssen alles an Flächen aktivieren, was möglich ist“, betonte Broistedt.

Neben städtischer auch Landesförderung

Als Anreiz für Investoren ist eine städtische Förderung aufgelegt worden, die neben der Landesförderung beantragt werden kann. Möglich ist ein städtischer Sofortzuschuss in Höhe von 160 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt stehen hierfür bis 2022 im städtischen Haushalt 3,5 Millionen Euro zur Verfügung. Bei Interesse können sich Bauherren an die Email-Adresse u.schliesing@goettingen.de wenden.

Unterstützen bei der Wohnraumentwicklung soll außerdem die Wohnraumagentur. Sie besteht aus verschiedenen Beratungseinheiten und soll voraussichtlich ab Oktober offiziell an den Start gehen. Angesiedelt ist sie bei der Stadt. Mitarbeiter verschiedener Fachbereiche beraten je nach Beratungsgegenstand: private und professionelle Bauherren zum geförderten Wohnungsbau oder Baugemeinschaften bei gemeinschaftlichem Wohnungsbau. Zu alternativen Wohnformen berate die Wohnraumagentur auch konzeptionell, heißt es dazu in einer Mitteilung der Stadtverwaltung.

Kritik der Vermieter an geplanter Satzung

Vor der Sitzung des Sozialausschusses hatte die Vereinigung der Haus- und Grundeigentümer in Göttingen und Umgebung von 1892 (H + G Göttingen) einen Offenen Brief an den Oberbürgermeister, die Fraktionsvorsitzenden der Ratsparteien und die Mitglieder des Sozialausschusses geschrieben. Darin wird appelliert, auf die Verabschiedung einer „Satzung zur Wohnraumzweckentfremdung“ zu verzichten. Die Satzung sieht unter anderem vor, privaten Wohnraum in Extremfällen zu enteignen. Solche Zwangsmaßnahmen aber würden den Empfehlungen des Göttinger Bündnisses für bezahlbares Wohnen entgegenstehen, argumentiert Susanne Et-Taib von H + G. Die Arbeit im Gremium sei von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt und sollte nicht durch Zwangsmaßnahmen, Ordnungsgelder und einen erheblichen unnötigen Finanz- und Verwaltungsaufwand für alle Beteiligten belastet werden, heißt es in dem Offenen Brief. Im Göttinger Bündnis für bezahlbares Wohnen hätten sich alle Mitglieder gegen die geplante Satzung ausgesprochen. Der Aufwand für die Vermieter im Rahmen der dann bestehenden Auskunftspflicht würde erheblich sein. Die Wirkung der Satzung wird als marginal eingeschätzt, „denn sowohl der Leerstand als auch Immobilienspekulanten und Ferienwohnungsvermieter halten sich zum Glück sehr in Grenzen in unserer Stadt“, ist in dem Schreiben festgehalten. Die „Wohnpotenziale in der Stadt“ könnten auch ohne Zwangsmaßnahmen und Bußgelder ausgeschöpft werden, nämlich indem man die Akteure des Bündnisses weiterhin zielgerichtet arbeiten lasse und auf den beantragten Satzungsentwurf verzichtet. Eingriffe in das Eigentumsrecht könnten nur das letzte Mittel sein.

Der Sozialausschuss votierte dennoch mehrheitlich für die Satzung. Im Anschluss der Sitzung sagte der Vorsitzende Klaus-Peter Hermann (SPD): „Es wird kein Netz der Überwachung geben, es soll nur konkreten Hinweisen nachgegangen werden.“

Von Ulrich Meinhard

Wärmedämmung und Blockheizkraftwerk, Solaranlage, E-Fahrzeuge und LED-Lechten: Mit solchen Maßnahmen bemühen sich Kommunalverwaltungen im Landkreis Göttingen um Umweltschutz.

13.08.2019

Auch um einen zusätzlichen Anreiz in der Bereitstellung möglicher Pflegeeltern zu schaffen, soll in Göttingen eine Alternative zum Elterngeld für Pflegeeltern geschaffen werden.

13.08.2019

Um den Busverkehr zu verbessern, werden Bushaltebuchten zurückgebaut. Die Testphase in Geismar beginnt.

13.08.2019