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Göttingen Das sind die Reaktionen der Göttinger auf die Idee zu Busspuren in der Stadt
Die Region Göttingen Das sind die Reaktionen der Göttinger auf die Idee zu Busspuren in der Stadt
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07:35 05.10.2019
Die kurze Busspur vor der Kreuzung am Groner Tor. Fahrbahnreservierungen für Busse sind in Göttingen ausbaubar, meinen die Grünen. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Die Idee, Busspuren in Göttingen auszuweisen, beschäftigt viele Menschen. Nachdem im Tageblatt ein Bericht über den Vorschlag der grünen Ratsfraktion erschienen war, auf Hauptstrecken, wie der Kasseler Landstraße, versuchsweise Busspuren einzurichten, gab es zahlreiche Meinungsäußerungen.

Angelika Große Extermöring ist ernüchtert. Obwohl sie in Osnabrück lebt, hat sie die Debatte verfolgt und schreibt per Email: „Mich hat die Rückständigkeit von Göttingen, dieser alten Studentenstadt, in Bezug auf den öffentlichen Nahverkehr sehr enttäuscht.“ Die Idee der Grünen sei nichts Neues, eher junger Wein in alten Schläuchen. Die Blockadehaltung der CDU, einen „guten Vorschlag zu torpedieren und nicht vorher Erfahrungen anderer Städte einzuholen“, findet die Osnabrückerin „erschreckend“. Sie führt weiter aus: „Mir scheint, die Parteien im Göttinger Stadtrat müssten auch selbst zum Umdenken bewegt werden, um überhaupt eine Kurve zu kriegen und die Verkehrswende zu schaffen.“

Autos werden aus Innenstädten verdrängt

In Osnabrück und anderen deutschen Städten gebe es diese separaten Busspuren (auch für Taxen und Fahrräder) auf Hauptstrecken seit Jahrzehnten. „Sie haben sich super bewährt und werden bei Straßenerneuerungen verstärkt eingerichtet: anfangs zum Leidwesen der Autofahrer - aber zur Förderung der Schnelligkeit der Busse und für deutlich mehr Sicherheit für die Radfahrer“, schreibt Angelika Große Extermöring. Verbunden mit der Hoffnung, dass auch Göttingen bald die Kurve kriege beim öffentlichen Nahverkehr. Langfristig würden die Autos sowieso aus den Innenstädten verdrängt, ob das den Autofahrern nun gefalle oder nicht. „Die Frage ist nur: wie kann es akzeptabel für die Bevölkerung umgesetzt werden?“

„Keine einzige Straße ist breit genug“

Rege wird das Thema auch in den sozialen Medien diskutiert. Auf Facebook etwa schreibt der User Jürgen Rettinger: „Gute Idee ... und wo soll die hin? Keine einzige Straße in Göttingen ist breit genug für eine zusätzliche Busspur.“ Würde eine Autospur geopfert, gäbe es noch mehr Staus, mehr Abgase, mehr Frust. Uwe Hunaeus schreibt augenscheinlich ironisch: „Göttingen hat ja so viele breite Straßen, die das hergeben! Aber ich finde es gut, dass die Grünen sich immer mehr Gedanken machen, wie man den Straßenverkehr zum Erliegen bringt.“ Skeptisch geht auch Christian Mosewitzsch heran: „Und dann ist die A7 mal wieder dicht und der Verkehr wälzt sich über eine Fahrspur in Richtung Innenstadt Bahnhof und Göttingen Nord. Viel Spaß.“

„Mobilität ist nicht gleich Auto

Positiv gehen Friederike Erbslöh und Susanne Brodkorb an die Sache heran. In ihrem Eintrag heißt es: „Vielleicht ist der Bus dann eine ernster zu nehmende Alternative zum Auto, wenn er schneller ist. Mobilität ist nicht gleich Auto.“ Ähnlich Svenja Preußner: „Wie viele Leute hier über längere Fahrzeiten mit dem Auto jammern, anstatt mal ernsthaft in Erwägung zu ziehen, Bus zu fahren...“

Bislang nur kurze Busspuren

Äußerungen wie diese dürften nicht nur den Grünen im Rat der Stadt gefallen, sondern auch Stephanie Gallinat-Mecke, sie ist die Sprecherin der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB). Auf die Frage, ob es im Stadtgebiet bereits irgendwo eine Busspur gibt, antwortet sie mit einem Jein. Kurze Strecken, auf denen der Bus Vorrang hat, sind in der Godehardstraße und am Hauptbahnhof beziehungsweise am Groner Tor eingerichtet. Ein ebenfalls relativ kurzer für Busse vorgesehener Fahrbahnabschnitt am Nikolausberger Weg ist dem Radschnellweg zum Opfer gefallen. Eine Busspur auf einer langen Strecke, wie etwa der Kasseler Landstraße oder der Hannoverschen Straße, wäre für die Busfahrer der GöVB eine ganz neue Erfahrung von freier Fahrt. Von den Verkehrsbetrieben gibt es für den Vorschlag der Grünen jedenfalls tiefgrünes Licht.

Studie: Mehrheit will Neuaufteilung des Verkehrsraumes

Eine Busspur ist ein spezieller Fahrstreifen, dessen Benutzung nur für Omnibusse zulässig ist. Abweichend von dieser Regel können Zusatzschilder die Benutzung auch für Reisebusse, Taxis, Fahrräder und Elektroautos freigeben. Diese Freigabe kann auch zeitlich eingeschränkt erfolgen, zum Beispiel nur außerhalb der Hauptverkehrszeiten. Eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung zeigt: Eine Mehrheit der 7000 befragten Haushalte in Deutschland befürwortet eine Neuaufteilung des öffentlichen Raums zugunsten von Fahrrad und ÖPNV auch auf Kosten von Parkplätzen und Fahrspuren für den Autoverkehr. Rund 69 Prozent stimmen einer Ausweisung gesonderter Fahrstreifen für Busse und Bahnen zu, nur zehn Prozent sind dagegen. Den Ausbau von Fahrradwegen auf Kosten von Autoparkplätzen befürworten 50 Prozent, 28 Prozent lehnen das ab. Der Ausbau der Infrastruktur für Elektromobilität erhält mit 66 Prozent ebenfalls eine hohe Zustimmungsrate, rund zwölf Prozent der Befragten sprechen sich dagegen aus. (Quellen: Wikipedia und Fahrradportal)

Von Ulrich Meinhard

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