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Göttingen Der „Stadt des Fahrradfahrens“ fehlen Stellplätze
Die Region Göttingen Der „Stadt des Fahrradfahrens“ fehlen Stellplätze
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20:00 13.09.2019
Auf dem Bahnhofsvorplatz mangelt es offenbar immer wieder an regulären Abstellmöglichkeiten. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

In Göttingen fehlt es an Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Zu dieser Erkenntnis kam die Stadtverwaltung bereits im Jahr 2012. Damals hatten Zählungen ergeben, dass rund um den Bahnhof mehr als 2000 Räder abgestellt waren – bei 670 offiziellen Abstellplätzen in dem Bereich. In der Innenstadt waren es bei Erhebungen noch einmal 1500 geparkte Drahtesel, die Hälfte stand „wild“.

Verwaltung und Politik sahen Handlungsbedarf und ersannen das sogenannte Fahrradabstellanlagenkonzept. Dieses sah unter anderem vor, die bestehenden 1065 Stellplätze innerhalb des Walls umgehend um 450 aufzustocken, weitere sollten folgen. Auch am Bahnhof sollte Abhilfe geschaffen werden: mit Werbeaktionen für das Parkhaus, regelmäßiger Entsorgung der „Schrotträder“ und einem neuen Abstellsystem.

Deutschland-Tour mit Nachhall

Für die SPD ist nach sieben Jahre ein guter Zeitpunkt, sich nach dem Erfolg des damaligen Konzepts zur erkundigen und die Verwaltung daran zu erinnern, dass bisherige Versäumnisse schnellstmöglich nachgeholt werden müssten. Die Zielsetzung des Masterplans sei damals wie heute richtig. Zudem würde die zunehmende Fahrradnutzung weitere Anstrengungen in diesem Bereich nötig machen, betonte Volker Grothey während der jüngsten Ratssitzung. Zumal man im Zusammenhang mit der Deutschland-Tour jüngst in den überregionalen Medien als „Stadt des Fahrradfahrens“ gelobt wurde.

Dabei seien Stellflächen nicht nur in den Randbereichen der Fußgängerzone zu errichten, sondern dort, wo das Radfahren innerhalb der Fußgängerzone möglich sei. Ist der Stellplatz schnell, sicher und möglichst fahrend zu erreichen, erhöht er den Anreiz, das Auto stehen zu lassen und das Fahrrad zu nutzen, so die Rechnung der SPD.

„Chaotisches Stadtbild“

Insbesondere die Innenstadt benötige eine gut geplante Infrastruktur zum Fahrradparken. „Wild geparkte und an Stadtmobiliar angeschlossene Räder erzeugen ein chaotisches und zugestelltes Stadtbild wie vielerorts in Göttingen auch sichtbar ist“, so hieß es in der Urteilsbegründung. Das wiederum schränke die Aufenthaltsqualität für Fußgänger ein.

Die Ziele der SPD gehen Ulrich Holefleisch, Göttingens vorderstem Kämpfer für die Belange der Fahrradfahrer und seiner Grünen-Fraktion nicht weit genug. Ihr Ergänzungsantrag sieht den Umbau von KFZ-Parkplätzen zu Fahrradstellplätzen und die Errichtung von Boxen vor. Diese sollen dem sicheren Abstellen von hochpreisigen Räder und Aufladen von E-Bikes dienen, sie beanspruchen aber auch Fläche, die bisher der Parkraumbewirtschaftung zur Verfügung stand.

Autos raus“ keine Lösung

Vorschläge dieser Art erregen in Göttingen traditionell Widerstand. „Ich wünsche mir mehr Sensibilität für die Bedürfnisse der Anwohner und Gewerbetreibenden in der Innenstadt“, konterte Hans-Otto Arnold (CDU). Seine Fraktion werde die Umwandlung von Autoparkplätzen nicht mittragen. „Die autofreie Innenstadt bleibt in Göttingen eine Illusion.“ In gleicher Weise kommentierte Felicitas Oldenburg (FDP) Holefleischs Vorstoß: „Die Forderung ,Autos raus’ ist keine Lösung.“ Dem ursprünglichen Ansinnen werde man sich aber nicht verschließen.

Ungeachtet der politischen Diskussion war die Stadtverwaltung zum Thema Fahrradparken zwischenzeitlich nicht untätig. Seit Juni installiert sie sogenannte „Car-Bike-Ports“ im Stadtgebiet – Fahrradständer mit der Silhouette eines Autos. So soll einerseits der Bedarf an Fahrradabstellmöglichkeiten an verschiedenen Standorten getestet, andererseits aber auch gezeigt werden, wie viele Zweiräder anstelle eines Autos am Straßenrand Platz finden.

Keine Illusion, sondern Herausforderung

Hierbei ließ sich an den zum Teil drastischen Reaktionen einzelner Anwohner ablesen, wie Göttinger zur Installation von Fahrrad-Abstellanlagen stehen, wenn ihnen dadurch der Autostellplatz abhanden kommt. Es wird nicht leicht sein, den Anforderungen aller Verkehrsteilnehmer gerecht zu werden. Aber wie Edgar Schu (Linke) abschließend konstatierte, ist eine Lösung „keine Illusion, sondern eine Herausforderung.“

Der SPD-Antrag wurde vom Rat mehrheitlich angenommen, Holefleisch kassierte ein Nein. Jetzt ist die Verwaltung ab Zug.

Von Markus Scharf

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