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Göttingen „Göttingen“ mit 9000 PS übers Meer
Die Region Göttingen „Göttingen“ mit 9000 PS übers Meer
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18:30 31.01.2010
155 Meter lang und 9000 PS stark: die „M. S. Göttingen“, Baujahr 1955. Quelle: EF
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Dass die „Göttingen“ nicht völlig in Vergessenheit geriet, ist Ingo Trende zu danken: Der Schiffsmakler aus Hamburg sammelt seit mehr als 50 Jahren sogenannte Schiffspost – Briefe und Karten, die auf Schiffen abgestempelt und befördert wurden. Solche Schiffspostämter gab es auf deutschen Frachtschiffen nur selten und nur wenige Jahre. Dass die „M. S. Göttingen“ (M. S. = Motorschiff) auch über ein Postamt verfügte, mag daran gelegen haben, dass sie auch bis zu zwölf Passagiere befördern konnte. Genau ein Dutzend deshalb, weiß Trende, weil bei mehr Passagieren das Schiff ständig einen Schiffsarzt an Bord hätte haben müssen.
Generell, sagt der Sammler, „sind gerade Belege von Frachtschiffen mit dem Namen einer Stadt oder einer Landschaft selten und kaum noch zu erwerben“. Dennoch kam Trende an zwei auf der Jungfernreise der „Göttingen“ von Hamburg nach New York abgestempelte Briefe. Darunter ist auch ein an Heiligabend 1955 abgestempelter Umschlag mit dem Wappen der Hamburg-Amerika-Linie. Verwendet wurde der Metallstempel bis zum Februar 1962. Gebaut von den Howaldtswerken in Hamburg, lief die „M. S. Göttingen“ am 8. November 1955 vom Stapel. Mit ihrem Achtzylinder-Howaldt-Diesel mit 9000 PS konnte das Schiff 17 Knoten (gut 31 Kilometer pro Stunde) laufen. Der Frachter maß 155 Meter in der Länge und knapp 19 Meter in der Breite. Fortan wurde das Schiff mit 48 Mann Besatzung im Linienverkehr zwischen Hamburg und der Ostküste Nordamerikas eingesetzt.
Die „Göttingen“, ein Schiff der „Tübingen-Klasse“, hatte sechs Schwesterschiffe – neben dem namengebenden Schiff die „Wiesbaden“, die „Erlangen“, die „Weimar“, die „Wien“ und die „Worms“. Zeitgenössische Fotos zeigen ein elegantes, schmuckes Schiff mit harmonischen Linien.
Das Ende der „Göttingen“ in deutschen Diensten kam 1969 – ein Jahr, nachdem das erste deutsche Containerschiff in Hamburg ausgelaufen war. Der in die Jahre gekommene Frachter ging per Kaufmiete nach Indonesien, wo er in „Twadika“ umbenannt wurde. Nur knapp zwei Jahre später wurde er an die indonesische Reederei Samudera mit Sitz in Panama verkauft. Am 26. November 1983 begann das Ende: Schneidbrenner verwandelten im taiwanesischen Kaohsiung das schmucke Schiff in einen Haufen Schrott.
Mittlerweile trennt sich der Mittsiebziger Trende von seiner Schiffspost-Sammlung. Die Belege der „Göttingen“ bot er dem Tageblatt an, das erfreut zugriff, teilweise mit Autogrammen der Kapitäne versehen. Den Schiffen bleibt Trende allerdings auf andere Weise weiter treu: Obwohl seit mehr als zehn Jahren im Rentenalter, arbeitet er weiterhin zwei- bis dreimal pro Woche in seinem angestammten Beruf als Schiffsmakler in seiner Firma.

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Von Matthias Heinzel

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