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Göttingen Göttingen startet ungewöhnlichen Test an Bushaltestellen
Die Region Göttingen Göttingen startet ungewöhnlichen Test an Bushaltestellen
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17:25 05.07.2019
Die Stadt Göttingen startet eine Testphase für den Rückbau von Bushaltestellenbuchten. Quelle: Markus Hartwig
Geismar

Damit die Stadtbusse schneller vorankommen, will die Stadt Göttingen sogenannte Busbuchten in Geismar zurückbauen. Künftig sollen die Busse auch dort direkt am Straßenrand halten. Das passt vielen Autofahrern allerdings gar nicht. Auch die Ortspolitiker haben Vorbehalten – sie befürchten noch mehr Staus. Jetzt sollen sechs Haltepunkte erst einmal probeweise umgebaut werden – zum Teil mit Holzpodesten.

Eigentlich geht es darum, alle Bushaltestellen in der Stadt komfortabler und vor allem barrierefrei zu gestalten. Das Programm läuft schon seit den 1990er-Jahren. Stück für Stück baut Göttingen in Absprache mit den Göttinger Verkehrsbetrieben (GöVB) und anderen Busgesellschaften die zurzeit 478 Bushaltestellen (gegenüberliegende doppelt gezählt) in der Stadt um.

Plan für den Umbau der Bushaltestellen in Geismar: An den rot markierten ist eine Probephase vorgesehen. Quelle: Stadt Göttingen

326 Haltestellen sind nach Angaben der Stadtverwaltung bereits barrierefrei mit erhöhten Sonderborden ausgestattet. An 130 Haltestellen sind auch schon sogenannte taktile Leitsysteme für Sehbehinderte im Boden eingelassen – teilweise bis zum nächsten Straßenübergang.

16 Haltepunkte in diesem Jahr

Die Auswahl der umzubauenden Bushaltestellen stimmt die Verwaltung nach ihren eigenen Angaben mit den Verkehrsbetrieben ab. Entscheidend sei der jeweils bauliche Zustand – aber auch „die räumliche Nähe“ von Haltepunkten. Es werde möglichst versucht, nebeneinanderliegende Bushaltestellen in einem Ortsteil oder auf einer Route umzubauen.

In diesem Jahr ist Geismar an der Reihe. 16 Bushaltestellen sollten oder sollen hier umgebaut werden. An den Haltepunkten (jeweils beidseitig) Eislebener Weg und Geismar Süd sind die Arbeiten bereits abgeschlossen. Für die Haltestellen Danziger Straße, Am Rischen und Hauptstraße stadteinwärts sind die Aufträge vergeben. Bereits gesichert ist auch der Umbau der Haltestelle Kurmainzer Weg stadtauswärts.

Mehr zur Finanzierung gibt es hier:

Land fördert Umbau mit bis zu 75 Prozent

Der Umbau der Bushaltestellen wird von der niedersächsischen Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) mit 75 Prozent der Kosten gefördert. Pro Jahr können nach Angaben der göttinger Stadtverwaltung zwei Förderanträge für jeweils acht Bushaltestellen gestellt werden, sodass jedes Jahr insgesamt 16 Bushaltestellenumbauten gefördert werden.

In den zurückliegenden Jahren konnten so im Durchschnitt etwa 20 Bushaltestellen pro Jahr umgebaut werden. Darüber hinaus nutzt die Stadt laut Verwaltung immer wieder die Gelegenheit, wenn andere Behörden und Abteilungen eine Straße grundlegend umbauen oder Energieträger im größeren Umfang neue Leitungen verlegen. Befindet sich in diesem Bereich eine alte Bushaltestelle, wird sie parallel zu den anderen Arbeiten gleich mit umgebaut.

 

Strittig sind hingegen die Haltepunkte Magdeburger Weg an der Geismar Landstraße und Kiefernweg an der Hauptstraße. Außerdem die Haltepunkte Hauptstraße stadtauswärts (Höhe Kastanienweg) sowie Kurmainzer Weg stadteinwärts.

Sie befinden sind zurzeit an Busbuchten – also neben der Fahrbahn. Die Verwaltung will das ändern und diese Buchten zurückbauen. Stattdessen soll die Haltestelle direkt an den Straßenrand verlegt werden. Damit soll zum einen Fußgängern und wartenden Fahrgästen mehr Raum gegeben werden – teilweise sind die Bereiche sehr schmal. Zum anderen reagiert die Verwaltung damit auf Klagen von Busfahrern. Vor allem in Rushhour-Zeiten hätten sie große Probleme, den Bus aus der Bucht wieder in den laufenden Verkehr einzufädeln, weil Autofahrer die Vorfahrt der Busse missachteten. Die Folge: Die Busfahrer könnten ihre Fahrzeiten nicht einhalten.

Das sagt die StVO:

Um das zu ändern, sollen die Busse künftig auf der Fahrbahn halten. Die folgenden Fahrzeuge müssen dann hinter ihnen halten und warten, oder langsam vorbeiziehen. Aber genau das bereitet den Politikern im Ortsrat Geismar Sorgen. „Das gibt dann noch mehr Staus und Stress“, fürchtete Dirk Bathke (CDU) während ihrer jüngsten Sitzung. „Und noch mehr Autofahrer weichen über Schleichwege auf den Zietenterrassen aus, ergänzte Evan Tekindor-Freyer (SPD).

Busse haben immer Vorrang

In Paragraf 20 der Straßenverkehrsordnung ist geregelt, wie sich Verkehrsteilnehmer im Bereich öffentlicher Verkehrsmittel verhalten müssen. Darin heißt es in Absatz 5: Omnibussen des Linienverkehrs und Schulbussen ist das Abfahren von gekennzeichneten Haltestellen zu ermöglichen. Wenn nötig, müssen andere Fahrzeuge warten. Das gilt nach Aussagen von Juristen auch, wenn Busse eine separate Bucht verlassen wollen.

Ortsrat irritiert über Probephase

Ähnliche Befürchtungen hatte es zuvor im Bauausschuss des Rates der Stadt gegeben. Die Verwaltung will darum an sechs Haltestellen erst einmal testen, wie sich der geplante Umbau tatsächlich auswirkt. Fünf Wochen soll die Probephase ab Mitte August dauern. In dieser Zeit will die Stadt den Verkehrsfluss an den Haltestellen und auch mögliche Schleichwege beobachten.

Im Juni habe es bereits eine Bestandszählung zum späteren Vergleich gegeben, erklärte ein Mitarbeiter aus dem Fachbereich Planung. Ergebnisse des Tests und einen Entscheidungsvorschlag würden dann um den Jahreswechsel vorgelegt. Der Ortsrat begrüßte diesen Vorschlag, äußerte sich aber auch irritiert darüber. „Warum brauchen wir eine Probephase“, wollte Annette Meyer (SPD) wissen. Auch der Bauausschuss habe den Rückbau bereits im Frühjahr abgelehnt. Üblich sei, dass Pläne verworfen werden, wenn beide Gremien – Ortsrat und Fachausschuss des Rates – ein Projekt ablehnen. Allerdings habe der Bauausschuss während seiner jüngsten Sitzung im Juni dem Modellprojekt zugestimmt, konterte ein Verwaltungsmitarbeiter.

Von Ulrich Schubert

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