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Göttingen Göttingens Kastanien kriegen die Motten
Die Region Göttingen Göttingens Kastanien kriegen die Motten
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19:45 29.09.2009
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„Im Stadtgebiet sind vermutlich alle Kastanien befallen“, sagt Wolfgang Gieße, städtischer Mitarbeiter im Göttinger Fachbereich Stadtgrün. Das sieht unschön aus. „Den Bäumen macht das eigentlich nichts aus. Wir haben jedenfalls bislang keine nachweisbare Schädigungen erkennen können“, sagt Gieße.
Das bestätigt auch Gerlinde Nachtigall vom Julius-Kühn-Institut in Braunschweig, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Langer Befall führe jedoch zu Stresssymptomen wie Notblüten, weniger Wachstum oder geringeren Samengewichten. Auch gibt es eine höhere Anfälligkeit gegenüber Pilzen. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) beobachtet in diesem Jahr in vielen Gebieten einen vermehrten Mottenbefall.

Tod bei 60 Grad Celsius

Seit etwa 2001 sind die Kastanien im Göttinger Stadtgebiet Ziel der Fressattacken der Miniermotte. Bereits seit ihrem ersten Auftreten, so erläutert Gieße, würden die Mitarbeiter der Stadt, im Herbst das Laub der befallenen Kastanien – anders als beim Laub anderer Bäume – einsammeln. Im Kompostwerk werde es anschließend kompostiert. Die dabei entstehenden Temperaturen von rund 60 Grad Celsius würden die im Laub überwinternden Puppen töten. Eine Arbeit, die sich nach Gießes Angaben Jahr für Jahr wiederholt: „Die Motten bekommt man nicht weg.“ Auf den Einsatz von Fallen mit Lockmittel verzichtet die Stadt aber. Bei dem kleinen Kastanienbestand im Stadtgebiet würde sich ihr Einsatz nicht lohnen. Viele entwickelte Gegenmittel sind derzeit zu unpraktikabel oder zu teuer.
Privatleuten empfiehlt Fachmann Gieße, das Kastanienlaub über die Biotonne oder Laubsack im Kompostwerk zu entsorgen. Im heimischen Komposthaufen würden die für die Mottenpuppen tödlichen Temperaturen nicht erreicht.

Miniermotte

Die Miniermotte wurde erst 1984 erstmals nachgewiesen – in Mazedonien. Mit dem Fernverkehr hat sie sich Jahr für Jahr weiter nach Norden verbreitet. Spätestens 2005 hatte sie ganz Deutschland erobert. Die Motten legen im Frühjahr ihre Eier auf den Blättern ab. Die Raupen bohren sich genüsslich in die Blätter und legen dort einen Fressgang an. Werden sie älter, bauen sie ihre Mine fast kreisrund aus, spinnen sich zur Puppe ein und entwickeln sich in rund zwei Wochen zu einem neuen Schmetterling. Pro Jahr kann es je nach Witterung zu drei bis vier Generationen kommen. Die Miniermotte ist dabei auf weißblühende Rosskastanien spezialisiert.

Von Michael Brakemeier

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