Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Göttingen: Angst vor rasenden Radlern
Die Region Göttingen Göttingen: Angst vor rasenden Radlern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:55 23.10.2019
Hier, zwischen Groner Landstraße und Am Hasengraben, endet der von Norden kommende Radschnellweg derzeit. Am Verlauf der weiterführenden Trasse scheiden sich die Geister. Quelle: Meinhard
Anzeige
Göttingen

Zu einer Veranstaltung für Anwohner hatte die Stadtverwaltung Göttingen am Dienstagabend in das Felix-Klein-Gymnasium eingeladen. Interessierte Bürger sollten über die geplante Fortführung des Radschnellweges durch das Leineviertel informiert werden. Zudem sollte die Möglichkeit bestehen, Fragen zu stellen und Anregungen und Kritik vorzubringen. Diese Gelegenheit ist intensiv genutzt worden.

Wie ein Radschnellweg beschaffen sein sollte, ist in einem 2014 erstellten, bundesweit akzeptierten Arbeitspapier festgehalten. Nur wenn die Standards eingehalten werden, gibt es Fördermittel. In Göttingen soll sich in absehbarer Zeit ein Radschnellweg von Bovenden bis Rosdorf durch die gesamte Stadt ziehen und vor allem Pendler dazu animieren, vom Auto auf das Rad umzusteigen. Verwaltung und Planer favorisieren die Trassenführung Am Gartetalbahnhof, Leinestraße, abzweigend in die Eisenbahnstraße, einbiegend auf den Rosdorfer Weg zum Rosdorfer Kreisel.

Emotionale Atmosphäre

Die Veranstalter der Versammlung – das waren neben der Verwaltung die Büros SHP Ingenieure GbR und PGV Alrutz GbR mit Sitz in Hannover – sahen sich einer emotionalen Atmosphäre gegenüber. Sie hatten kaum Zeit, das Projekt und den Stand der Dinge zu erläutern, da forderten die ersten Teilnehmer schon ungeduldig ein, ihre Meinungen äußern zu wollen.

Moderatorin Mone Böcker von der Tollerort GbR aus Hamburg wollte sich davon nicht beirren lassen, und räumte erst einmal Maik Lindemann und Sören Koss vom Fachdienst Planung, Bauordnung und Vermessung die Zeit ein, den Stand der Planung und die Parameter zu erklären, die sich mit einem Radschnellweg verbinden. Vier Meter breit soll er sein, eine konfliktarme Führung soll ihn auszeichnen, die Wartezeiten an Knotenpunkten wie Kreuzungen sollen so kurz wie möglich ausfallen, ein Zweirichtungsverkehr soll möglich sein, das Vermischen von Fußgängern und Radfahrern vermieden werden. Wo ein Radschnellweg ist, muss sich der Autoverkehr den Pedalrittern unterordnen, um nur einige Vorgaben zu nennen.

Nicht vor der Haustüre

„Ein Radschnellweg ist zumindest in Deutschland ein neues Netzelement in der Verkehrsplanung“, sagte Koss. Trotz des bereits bestehenden Radschnellweges vom Nordcampus bis zum Groner Tor ist dieses Element auch in Göttingen noch so neu, dass es viele Vorbehalte gibt und es zu Ablehnung kommt, wie der Abend zeigte. Anwohner befürchten Nachteile: Sie haben Angst vor rasenden Radlern, Angst vor dem Wegfall von Parkplätzen für private Autos, Angst vor der Einziehung von Kleingartenflächen. Kaum jemand will einen Radschnellweg vor der Haustür haben, das zeigten die Meinungsäußerungen.

Kritisiert wurde auch, dass nun lediglich die Ergebnisse präsentiert würden und dass die Entscheidung über den Verlauf längst feststehen würde. Eine Bürgerin fragte, warum mit den Betroffenen nicht im Vorfeld gesprochen worden sei. Worauf Koss darauf hinwies, dass das Thema in den vergangenen Jahren mehrfach im Bauausschuss auf der Tagesordnung gestanden habe. Anke Mollenkott von der Initiative Nahmobilität im Leineviertel äußerte Zweifel daran, dass der Radschnellweg gut angenommen werde. „Als Anwohner stellen wir fest, dass der meiste Radverkehr auf dem Rosdorfer Weg erfolgt“, sagte sie. Eine weitere Anwohnerin kritisierte, dass der Zickzackkurs im Leineviertel den Radschnellweg unattraktiv mache. Stattdessen sollte der Rosdorfer Weg und weiter der Brauweg Fahrradstraße werden.

In der Straße Am Gartetalbahnhof würden mit der Realisierung des Radschnellweges 18 Stellplätze für Pkw wegfallen. Quelle: Meinhard

Auch nachts freie Parkplätze

Einer realisierten Verkehrserhebung zum ruhenden Verkehr im Leineviertel, wonach selbst in Spitzenzeiten immer noch freie Parkplätze (179 sind insgesamt gezählt worden) festzustellen seien, schenkten einige der Anwesenden keinen Glauben.

Eine von der SPD vorgeschlagene Variante entlang der Leine wird von Planern und Verwaltungsmitarbeitern vor allem deshalb abgelehnt, weil damit ein deutlicher Umweg verbunden wäre. Das gelte in noch größerem Maße für die Variante Jheringstraße.

Ziel: hindernisfreies Fahren

„Wir gehen da lang, wo wir einen guten Standard umsetzen können“, betonte Dankmar Alrutz. Der Planer sagte auch: „Das hindernisfreie Fahren ist der eigentliche Vorteil eines gut gemachten Radschnellweges, nicht das schnelle Fahren.“ Der Rosdorfer Weg komme nicht in Frage, weil er nicht genug Platz biete, um die Standards einzuhalten, hob Koss hervor. Maik Lindemann ausdrücklich: „Für den Radschnellweg gibt es nur die von uns vorgeschlagene Variante.“ Im Übrigen verstehe er die ganze Diskussion nicht. „Den Radschnellweg in so einem Quartier wie dem Leineviertel zu entwickeln, ist eine wunderbare Chance“, verwies er auf die damit verbundene Sanierung der Straßen.

Eine abschließende Gremienberatung zum Projekt wird es im Bauausschuss geben, die Verwaltung will dem Ausschuss Ende des Jahres eine Empfehlung aussprechen.

Fünf Millionen Euro für die Radwege

Bereits im Jahr 2011 sind in Göttingen und anderen niedersächsischen Städten Machbarkeitsstudien zu Radschnellwegen erarbeitet worden. Der geplante Radschnellweg vom Groner Tor bis zum Rosdorfer Kreisel würde auf 650 Metern durch das Wohngebiet Leineviertel führen. Für eine Fortführung des Radschnellweges vom Rosdorfer Kreisel bis zum Ortseingang Rosdorf laufen bereits die Planungen. Auch der Rosdorfer Weg soll unabhängig vom Radschnellweg für den Radverkehr ausgebaut werden. Insgesamt will die Stadtverwaltung in den nächsten Jahren fünf Millionen Euro für den Ausbau von Radwegen ausgeben.

Für die Fortführung des Radschnellweges vom Groner Tor bis zum Rosdorfer Kreisel gibt es mehrere Vorschläge. Die Stadtverwaltung favorisiert den Verlauf Am Gartetalbahnhof, Leinestraße, Eisenbahnstraße, Rosdorfer Weg. Sie sei aufgrund der einzuhaltenden Standards alternativlos, heißt es.

Laut einer Erhebung sind 60 Prozent der Rosdorfer mit dem Auto unterwegs. Das soll sich mit dem Radschnellweg ändern.

Von Ulrich Meinhard

Gezielt auswärts essen als Genuss für den guten Zweck: Am Weltpoliotag, Donnerstag, 24. Oktober, spenden die Wirte von zehn Göttinger Restaurants einen Teil ihres Umsatzes für den Kampf gegen Kinderlähmung.

23.10.2019
Göttingen Empfehlung für Göttinger Stadtrat Kulturausschuss stimmt für Kunsthaus

Der Kulturausschuss des Göttinger Stadtrats hat am Dienstag über einen Betreibervertrag für das in der Düsteren Straße geplante Kunsthaus abgestimmt. Danach rückt die Eröffnung des Ausstellungshauses näher.

22.10.2019

Mit 160 Treckern haben Landwirte aus der Region an der Protestaktion der Landwirte am Maschsee in Hannover teilgenommen. Mit dem Verlauf er Veranstaltung sind die Landwirte zufrieden.

22.10.2019