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Göttingen Mediziner verweigern die Behandlung
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09:51 28.11.2018
Multiresistente Bakterien können bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem Infektionen verursachen.  Quelle: dpa
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Göttingen

 Seine Mutter lebt im Pflegeheim, dort wird im Juli eine MRSA-Besiedlung festgestellt. Die Diagnose wird bei einer Einlieferung in die Universitätsmedizin (UMG) im September wiederholt. Die Bakterien, im Volksmund oft als „Krankenhauskeim“ bezeichnet, sind immun gegen bestimmte Antibiotika. Große Teile der Bevölkerung tragen sie regelmäßig ohne erkennbare Symptome auf der Haut. Bei Menschen mit schwachem Immunsystem jedoch kann MRSA Infektionen verursachen, ein Geschwür entstehen lassen oder zu Blutvergiftungen und in seltenen Fällen Lungenentzündungen führen.

Ablehnung in der Praxis

Als die Patientin sich im November zu einer notwendigen Kontrolluntersuchung in einer Göttinger Arztpraxis anmeldet, wird sie abgelehnt. Man sei dort nicht in der Lage und Willens, Patienten mit MRSA zu behandeln, schildert der Sohn gegenüber dem Tageblatt. Stattdessen solle er mit seiner Mutter zu ihrer behandelnden Augenärztin gehen, so die Empfehlung. In der Folge erfährt er von mehreren Medizinern, dass es nahezu aussichtslos sei, einen Termin zu bekommen, wenn man den Arzt vorab über die MRSA-Infektion informiert.

Er wendet sich daraufhin an die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die Ärztekammer und die Krankenkasse. Außerdem sammelt er selbst Informationen über multiresistente Keime. Dabei erfährt er unter anderem vom Gesundheitsamt Göttingen, dass die Mehrzahl aller Bundesbürger mit dem Keim infiziert und die Ansteckungsgefahr minimal sei. Der Erfolg bleibt darüber hinaus überschaubar. „Ministerien, Ärztekammer und KV halten sich aus der Problematik raus, Kassen sind schlecht informiert und handlungsunfähig“, berichtet der Sohn.

Auf Anfrage des Tageblatts teilt Harald Jeschonnek, Geschäftsführer der KV-Bezirksstelle Göttingen, mit, dass die MRSA-Infektion grundsätzlich keine Begründung für einen Ausschluss eines Patienten sei. „Geht es um allgemeine Untersuchungen, sollte jeder niedergelassene Arzt diesen Patienten nach vorherigem deutlichen Hinweis in seine Sprechstunde einplanen.“ Dabei sollten der Kontakt mit anderen Patienten möglichst vermieden und die Personalhygienemaßnahmen beachtet werden. Im Falle einer MRSA-Besiedlung sei es jedoch unbedingt erforderlich, dass der Patient bereits bei der Terminvereinbarung den behandelnden Arzt über den Befund informiert.

„Die Patientin kann sich bei jedem Arzt behandeln lassen.“

Auch Prof. Simone Scheithauer, Leiterin der Zentralabteilung Krankenhaushygiene und Infektiologie der UMG, betont, dass die Besiedlung mit MRSA für den Patienten keine Nachteile in der medizinischen Behandlung mit sich bringen darf. „Die Patientin kann sich bei jedem Arzt behandeln lassen.“ Standard-Hygienemaßnahmen seien die Grundlage der Infektionsprävention in jeder Arztpraxis. Zusätzlich könne sich das Praxisteam bei Bedarf einen Mundnasenschutz oder Schutzkittel anlegen.

Mittlerweile hat die KV der Patientin angeboten, Schritte gegen die Ärztin einzuleiten. Ihr Sohn lehnt das allerdings ab. „Da sich nicht nur eine Ärztin weigert, sondern sich alle niedergelassenen Ärzte mit der Behandlung von MRSA-Patienten schwertun, bringt das nichts.“ Er würde sich vielmehr wünschen, dass die handelnden Instanzen besser informiert wären. Seine Mutter sei mittlerweile wieder keimfrei.

Von Markus Scharf

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