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Göttingen Parkhaus unter dem Albaniplatz? Weniger Parkplätze in der City?
Die Region Göttingen Parkhaus unter dem Albaniplatz? Weniger Parkplätze in der City?
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22:44 25.10.2019
Das Verkehrskonzept im Bereich Theaterstraße, Burgstraße und Friedrichstraße steht auf dem Prüfstand. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Emotional ging es zu am Donnerstagabend im Bauausschuss. Auf der Tagesordnung stand der Verwaltungsbericht, den die Mitglieder des Gremiums zur Kenntnis nahmen, so die Vorschrift. Nicht allerdings, ohne vorher wieder heftig über die verschiedenen Varianten zu debattieren. Viele Ladenbesitzer waren gekommen und äußerten wie schon in den Wochen zuvor ihren Unmut und ihre Befürchtungen, ihre Umsätze könnten nach einer Stilllegung der Schleife Theaterstraße, Burgstraße Friedrichstraße einbrechen.

Schrittgeschwindigkeit auf dem Albaniplatz

Laut einem Änderungsbeschluss, den die Ratsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen) im Februar zum Beschluss über die Sanierung der Stadthalle eingebracht hatten, soll der Albaniplatz verkehrsberuhigt werden. Ein sogenannter Shared Space, also ein Bereich ohne Trennung der Verkehrsbeteiligten mit Schrittgeschwindigkeit soll dafür sorgen. Ziel sei eine optimale Lösung für so wenig motorisierten Verkehr wie möglich auf dem Albaniplatz. Dafür solle die bestehende Verkehrsführung geändert werden, indem eine Öffnung der Kurzen Geismarstraße und die Umkehrung des Verkehrs in der Langen Geismarstraße erfolge.

Eine Veränderung hat die Göttinger Bauverwaltung in diesen Planungen vollzogen. Sie empfiehlt, die Kurze Geismarstraße nicht für den Autoverkehr zu öffnen, erklärte Maik Lindemann, Leiter des Fachdienstes Planung, Bauordnung und Vermessung der Stadtverwaltung. Denn eine Öffnung schaffe die Möglichkeit einer Abkürzung durch die östliche Innenstadt. Das sei nicht gewollt.

Beteiligung am Tiefgaragenbau?

Doch ein konkretes Fortsetzen der Verkehrsplanungen in diesem Bereich gestaltet sich offensichtlich schwierig. Laut Lindemann bedürfe es erst einiger politischer Entscheidungen. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob unter dem Albaniplatz eine Tiefgarage gebaut werden soll. Das Projekt müsste europaweit ausgeschrieben werden, alleine dafür würden Kosten von bis zu 100 000 Euro durch notwendige Rechtsberatung entstehen. Geklärt werden müsse vorher, ob sich die Stadt finanziell beteilige am Garagenbau. Die Parkraumbewirtschaftung sei für einen möglichen Investor ebenso von Bedeutung wie der eventuelle Einsatz von Shuttlebussen bei Veranstaltungen in der Stadthalle und dem Deutschen Theater oder Veränderungen im Liniennetz der Göttinger Verkehrsbetriebe GöVB, die die Anbindung der Stadthalle betreffen.

Empfohlen hat die Verwaltung allerdings die Verkehrsberuhigung der Schleifen Theaterstraße, Burgstraße, Friedrichstraße sowie Lange Geismarstraße, Jüdenstraße, Rote Straße, Wendenstraße – durch eine Umwandlung der Stellplätze in Anwohnerparken und Lieferzonen. Das würde zum einen Einnahmeausfall von knapp 250 000 Euro mit sich bringen, zum anderen viele Geschäftsleute in den Bereichen vor den Kopf stoßen. Und die meldeten sich in der Einwohnerfragestunde zu Wort.

„Ich überlebe das nicht“

Friederike Lohrengel beispielsweise bekannte, dass sie für Klimaschutz sei, „aber gegen die Zerstörung der Innenstadt“. Emotional fügte sie mit Blick auf ihr Bekleidungsgeschäft an: „Ich überlebe das nicht.“ Robert Vogel kritisierte die Idee, die öffentlichen Stellplätze in Anwohnerparken umzuwandeln. „Da tausche ich Auto gegen ein anderes.“ Und er sagte: „Wir sind Erreichbarkeitsbefürworter.“

Zahnärztin Gisela Gode-Troch machte darauf aufmerksam, dass 140 medizinische Betriebe vom Arzt bis zu Fitnesszentrum mit zahlreichen Mitarbeitern in der Innenstadt angesiedelt sind. Sie kritisierte die Ausrichtung auf eine juniorengerechte Stadt. „Sie haben eine Stadt auszurichten auf die 60-plus-Gruppe.“

Klimaschutz mit anderen Konzepten

Markus Reich, der ein Haushaltswarengeschäft führt, forderte die Entwicklung eines Konzeptes, um die Erreichbarkeit der Innenstadt zu verbessern. Anderenfalls würde sich das Angebotssortiment ändern. Webdesigner Roland Laich hat sein Büro in der Burgstraße. Er bekennt: „Wir finden es gut, wenn die Burgstraße geschlossen wird.“ Alle wollten Klimaschutz, allerdings mit anderen Konzepten. Er forderte größeres Denken – „nicht hier eine Schleife, dort eine Schleife“.

Große Lösung und Kompromisse?

Wenig Bewegung hat die Debatte im Bauausschuss des Göttinger Stadtrates über die Verkehrssituation am Albaniplatz und der östlichen Innenstadt ergeben. Die SPD-Fraktion allerdings ruderte ein Stück weit zurück. Die Idee, die Parkplätze in dem Bereich umzuwandeln, um den Verkehr aus der Innenstadt herauszuhalten, sei doch nur Prüfauftrag, meinte Sylvia Binkenstein. Das passiere keinesfalls, bevor Alternativen geschaffen sein. Dazu brachte sie den Neubau von Parkhäusern ins Spiel, den die CDU-Fraktion in den vergangenen Jahren immer wieder gefordert hatte. Deren Fraktionsvorsitzender Olaf Feuerstein setzte sich vehement für die Beibehaltung der Parkplätze ein. Das wollen Bündnis 90/Die Grünen nicht mittragen. Ulrich Holefleisch forderte kategorisch, die Innenstadt für den Autoverkehr zu schließen – aus Klimaschutzgründen. Dana Rotter (Piraten) lenkte den Blick auf die Mitarbeiter der Geschäfte in der City. Sie meinte, der Verkehr würde nicht verringert, sondern nur verlagert. Felicitas Oldenburg, FDP-Fraktionsvorsitzende, betonte, dass eine Lösung nur funktioniere, wenn alle sich einig seien. Der Ausschuss nahm den Bericht der Verwaltung wie vorgesehen zur Kenntnis.

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