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Göttingen Göttinger Bauherren sauer über Anschlusszwang und Wärmepreise
Die Region Göttingen Göttinger Bauherren sauer über Anschlusszwang und Wärmepreise
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00:29 11.05.2019
Das erste Haus im Baugebiet Deneweg wird bereits gebaut. Nachbarn wie Mitja F. warten noch und sind verärgert über den geplanten Preis für die vorgeschriebene Nahwärme. Quelle: Ulrich Schubert
Hetjershausen/Göttingen

In einem Baugebiet im Göttinger Ortsteil Hetjershausen gibt es mächtig Ärger. Die 31 geplanten Wohnhäuser sollen alle über eine zentrale Nahwärmeanlage der Stadtwerke beheizt werden. Es besteht Anschlusszwang – „zu Wucherpreisen“, protestieren Bauherren.

Mitja F. ist entsetzt. Mit viel Enthusiasmus hat er ein Grundstück im Baugebiet Deneweg in Hetjershausen gekauft und will dort im Sommer für seine Frau und vier Kinder ein Haus bauen: aus Holz und mit höchstem Energiestandard. Den von der Stadt Göttingen vorgeschriebenen Nahwärmeanschluss fand er zunächst attraktiv, „für den Klimaschutz ist das eine gute Sache“. Inzwischen aber vergehen ihm und einigen seiner Nachbarn die Hausbauer-Freuden.

Andere Tarife deutlich niedriger

Gebaut, betrieben und angeboten wird die Nahwärmestation von den Göttinger Stadtwerken. Die haben inzwischen die fälligen Preise mitgeteilt, so Mitja F. Danach solle jeder der 31 Grundeigentümer zunächst 14 200 Euro für die entstehende zentrale Übergabestation bezahlen. „Ein teures Luxusmodell mit überflüssiger Smart-Kommunikation zu allen Häusern“, kritisiert F. Hinzu komme eine Grundgebühr „von unfassbaren 165 bis 199 Euro pro Kilowatt Anschlussleistung. Schon bei einer niedrig angesetzten Mindestabnahme von fünf KW müsse jeder dafür etwa 70 Euro Grundgebühren monatlich zahlen – ohne nur eine Kilowattstunde Wärme erhalten zu haben. Die werde über den Arbeitspreis für tatsächlichen Verbrauch berechnet.

Verärgert sind die Bauherren, weil sie an die Stadtwerke in bestehenden Baugebieten mit ähnlichen Modellen und Anschlusszwang deutlich weniger zahlen müssten – nämlich nur etwa 53,50 Euro pro KW Anschlussleistung (bei gleichem Arbeitspreis). Bei einem seiner Gespräche mit den Stadtwerken sei ihm lapidar mitgeteilt worden, er würde halt zu teuer bauen. Mit seinem energetischen Haus nach neuestem Standard würde er zu wenig Wärmeenergie verbrauchen, die Stadtwerke aber müssten ihre Investition absichern.

Stellungnahme der Stadtwerke

Die Stadtwerke bestätigen in einer Stellungnahme die Tarifangaben von Mitja F. zum Baugebiet Deneweg weitgehend. Für die anderen Wärmenetzgebiete auf den Zietenterrassen, am Kiessee und in der Innenstadt geben sie allerdings einen Grundpreis von 65,50 Euro an. Aber auch der liegt weit unter dem Satz für das neue Anschlussgebiet.

Aber warum ist der Anschlusspreis in Hetjershausen höher? Weil die dort entstehenden Häuser inzwischen deutlich weniger Energie benötigen, erklärt die Unternehmenssprecherin Claudia Weitemeyer. Trotz des hohen Standards müssten die Stadtwerke eine „möglicherweise benötigte Wärmeleistung ganzjährig vorhalten“. Um das sicherzustellen, sei eine gewisse Investition nötig – und die müsse finanziert werden. Hinzu komme, dass es im Baugebiet Deneweg deutlich weniger Abnehmer gibt, auf die die Investitionen fallen. Durch die ökologische Wärmeerzeugung erfülle der Bauherr aber immerhin mit geringeren Baukosten auf seiner Seite die neue Energieeinsparverordnung – und könne „attraktive Förderprogramme“ nutzen.

Einstimmig befürwortet

Der Ortsrat von Groß Ellershausen, Hetjershausen und Knutbühren hatte die Grundsatzentscheidung für Nahwärme inklusive Anschlusszwang Ende 2017 einstimmig befürwortet. Zuvor hatte er die vorgestellten Modelle von einem Gutachter prüfen lassen. Details über aktuelle Verträge und Kalkulationen seien ihm nicht bekannt, räumte die Ortsbürgermeisterin Heidrun v. d. Heide (SPD) auch im Namen der beiden angefragten Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU ein. Das sei laufendes Geschäft und Sache der Stadtwerke. Dennoch müssten die Fragen der neuen Anwohner geklärt werden. Dazu schlagen beide Fraktionen eine Versammlung vor. „Explizit“ müsse aber darauf hingewiesen werden, „dass der Anschlusszwang bei den kommunalen Stadtwerken nicht zu überzogenen Tarifforderungen führen darf“.

Die SPD im Rat der Stadt Göttingen hat eine nahezu identische Position. Sie hält den gewählten und „zukunftsweisenden“ Weg der Wärmeversorgung nach wie vor für „sachgerecht, sinnvoll und vor allem ressourcenschonend“, so die Fraktionsgeschäftsführerin Annette Aab. Die konkreten Anschlusstarife seien der Politik nicht bekannt. Daher regt auch die Rats-SPD eine Info-Veranstaltung an. Und auch sie mahnt, dass der Anschlusszwang nicht dazu führen dürfe, „überteuerte Tarifvorstellungen durch einen Monopol-Energiedienstleister durchzusetzen“.

Position der Rats-CDU

Die Rats-CDU sieht das anders. Sie verweist darauf, dass schon bei der Ausschreibung der Baugrundstücke über die geplante Nahwärmeversorgung inklusive Link zur entsprechenden Satzung der Stadt Göttingen hingewiesen worden sei. Dazu ergänzt Fraktionsgeschäftsführer Lauritz Kawe in einer Stellungnahme: „Sollte ein Interessent mit diesem Anschlusszwang nicht einverstanden gewesen sein, hätte durchaus die Möglichkeit bestanden, zu einem um 40 Euro teureren Quadratmeterpreis ein Grundstück in der Gemarkung Rosdorf zu erwerben.“

Den Anschluss- und Benutzungszwang für eine gemeinsame Anlage für alle hat der Rat Ende 2017 per Satzung beschlossen. Danach soll das Baugebiet mit Nahwärme aus einem kleinen Heizkraftwerk mit einer Hackschnitzelkesselanlage versorgt werden, um die Umweltbelastung durch Heizung und Warmwasserbereitung zu minimieren, erklärt Verwaltungssprecher Dominik Kimyon und ergänzt: „Bei einem derart kleinen Baugebiet kann das natürlich nur funktionieren, wenn alle mitmachen.“

Von Ulrich Schubert

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