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Göttingen KZ-Überlebender Buergenthal erhält Göttinger Stein-Preis
Die Region Göttingen KZ-Überlebender Buergenthal erhält Göttinger Stein-Preis
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16:19 18.06.2019
Prof. Dr. Thomas Buergenthal spricht im Jahr 2018 zu Schülern des FKG. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Der Göttinger Edith-Stein-Preis wird in diesem Jahr an Thomas Buergenthal verliehen. Wer war der Mann, dessen Namen auch die Göttinger Stadtbibliothek benannt ist? Der Göttinger und Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau lebt heute in den USA und gilt als Kämpfer für Menschenrechte.

Buergenthals Besuche in Göttingen

Wie die katholische Pressestelle in Göttingen mitteilt, will der Edith-Stein-Kreis Buergenthal für „seinen unermüdlichen, engagierten Kampf um die Würde des Menschen“ mit dem Edith-Stein-Kreis ehren, so der Vorsitzende, Heiner J. Willen. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Mutter in Göttingen wieder gefunden

 Thomas Buergenthal ist heute 85 Jahre alt. Der Göttinger wurde als Kind 1944 mit seinen Eltern ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort von ihnen getrennt. Der Vater starb 1945 im KZ Flossenbürg. Mit seiner Mutter, die er 1946 in Göttingen wiederfand, wanderte Buergenthal im Jahr 1951 in die USA aus. Nach seinem Jurastudium wirkte Buergenthal an verschiedenen Universitäten als Professor und wurde Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. „In seiner Arbeit als Professor, als Mitglied einer Wahrheitskommission und als Richter, sowie als Autor standen und stehen die Menschenrechte im Zentrum seiner Arbeit“, erklärt Willen.

Der Jurist, Autor und Holocaust-Überlebende war bereits 2018 in Göttingen zu Gast, an seiner alten Schule, dem Felix-Klein-Gymnasium. Dort ging er einige Jahre zur Schule, nachdem er das KZ überlebt und durch einen Zufall seine Mutter wiedergefunden hatte. Damals verbrachte er einige Jahre in Göttingen. Der Stadt, in der schon seine Großeltern lebten. Hier holte er seine Schulausbildung nach. Hier, so erklärte er im vergangenen Jahr, habe er nach dem ganzen Grauen andere Deutsche kennengelernt. Hier habe er den Hass verloren, sagte er damals. „Einige Mitschüler haben mich damals beneidet, weil ich den Religionsunterricht nicht mitmachen musste. Sie fragten mich ernsthaft: Wie wird man eigentlich Jude?“ erinnerte sich Buergenthal 2018.

Ehrendoktor und Ehrenmitglied

Der 85-Jährige ist der Stadt bis heute verbunden. Sein Name ist auf dem Gedenkstein auf dem FKG-Schulhof zu lesen, das ehemalige Stadthaus (die Stadtbibliothek) ist nach ihm benannt. Er trägt die Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität und ist Ehrenmitglied des Fördervereins der Göttinger Stadtbibliothek, den er vor zehn Jahren mit begründet hat. An seine Familie erinnern Stolpersteine in der Groner Straße und im Papendiek.

In Göttingen wurde 2008 das Haus der Stadtbibliothek nach Buergenthal benannt. Die Preisverleihung ist für Sonntag, 17. November, 18 Uhr, im Alten Rathaus (Markt 9) geplant. Die Laudatio hält Katharina Seifert, die Präsidentin der Edith-Stein-Gesellschaft Deutschland.

Süssmuth ebenfalls Preisträgerin

 Seit 1995 ehrt der in Göttingen ansässige Edith-Stein-Kreis mit seinem Preis alle zwei Jahre Persönlichkeiten, Gruppierungen und Institutionen, die sich durch soziales, politisches und gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet haben. Zu den Preisträgern zählen der frühere katholische Hildesheimer Bischof Norbert Trelle und die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU). Die Auszeichnung erinnert an die Frauenrechtlerin und katholische Ordensfrau Edith Stein (1891-1942). Stein, die von 1913 bis 1915 in Göttingen lebte, konvertierte vom Judentum zum Katholizismus. 1942 wurde sie in Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordet. Papst Johannes Paul II. sprach Edith Stein 1987 heilig.

Thomas Buergenthal

Thomas Buergenthal wurde am 11. Mai 1934 in Lubochňa (Slowakei) geboren. Heute lebt der Jurist und Autor in den USA. Buergenthals Muter, Gerda - geborene Silbergleit - stammte aus Göttingen. 1938 wurde seine Familie in das jüdische Getto Kielce eingewiesen. Im August 1944 wurde die Familie dem Portal Wikipedia zufolge in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Thomas Buergenthal wurde von seiner Mutter getrennt, erst im Dezember 1946 sah er sie in Göttingen wieder. Sie lebte ab Herbst 1944 im KZ Ravensbrück und überlebte den Todesmarsch ins Außenlager Malchow. Vater Mundek starb 1945 im KZ Flossenbürg. Mit der Räumung von Auschwitz im Januar 1945 wurde der 10-jährige Thomas ins KZ Sachsenhausen verschleppt. Nach der Befreiung lebte er zunächst in einem jüdischen Waisenhaus in Otwock. Über den Suchdienst der Jewish Agency konnten Mutter und Sohn anderthalb Jahre später wieder in Göttingen zusammengebracht werden. Seine Erlebnisse hat Buergenthal in seinem Roman “Ein Glückskind” verarbeitet.

Nach der Schulzeit in Göttingen wanderte Buergenthal im Dezember 1951 in die USA aus. Er studierte am Bethany College und an der New York University School of Law. In Harvard machte er seinen Master of Laws und Doctor of Juridical Science. Anschließend lehrte an einigen Universitäten. Buergenthal war Professor für Menschenrechte an der Emory University und Direktor des Human Rights Program am Carter Center. Er hatte die Lobingier-Professor für Vergleichendes Recht und Rechtsprechung inne und war Direktor des International Rule of Law Center an der George Washington University. Zudem engagierte sich Buergenthal an internationalen Gerichten und beschäftigte sich vor allem mit Menschenrechtsverletzungen. Er war an der Gründung des interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte beteiligt. Von der UNO wurde er 1992 als Mitglied in die Wahrheitskommission für El Salvador berufen. Von 2000 bis 2010 war er Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Er war auch Mitglied der Ethikkommission des internationalen olympischen Komitees. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen, darunter das große Bundesverdienstkreuz.

Von Britta Bielefeld mit epd

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