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Göttingen Dauergast: Pepe, das blinde Hörnchen lebt jetzt am Göttinger Kehr
Die Region Göttingen Dauergast: Pepe, das blinde Hörnchen lebt jetzt am Göttinger Kehr
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17:58 26.07.2019
Der blinde Pepe und sein Ziehvater Jens Austinat Quelle: bib
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Göttingen

 Er ist blind, 13 Wochen alt und ein wenig übergewichtig: Pepe. Das Eichhörnchen ist eines der Tiere, das im Göttinger Hörnchen-Projekt aufgepäppelt wird. Weil er blind ist, kann er nicht ausgewildert werden. Pepe bleibt am Kehr – der erste Dauergast in der neuen Voliere kann dort künftig von Spaziergängern beobachtet werden.

Jens Austinat, der blinde Pepe, und die anderen

Mit Oskar und Otto fing im Frühling alles an: Sie waren die ersten beiden Findel-Hörnchen, die Jens Austinat aufgelesen, aufgepäppelt und ausgewildert hat. Gemeinsam mit Göttingens Stadtwald-Förstern Lena Dzeia und Henrik Müller, Eichhörnchenfreundin Yvonne Rickmann und Tierärztin Sylvia Kapser wurden Volieren am Damwildgehege gebaut und die Baby-Nager vor dem Tod gerettet. Im März zogen sie – vorübergehend – am Kehr ein. Zwölf Findel-Eichhörnchen hat das Team seit dem aufgezogen. „Ich habe eine Ahnentafel erstellt”, sagt Austinat. Die Tafel mit den Namen schraubt er an die Voliere. Hinter dem Namen Olaf steht ein Kreuz. „Nur Olaf hat es leider nicht geschafft”, sagt Austinat.

Feuerwehrmann: Hörnchenretter in der Freizeit

Der Göttinger Berufsfeuerwehrmann hat im Dienst immer wieder verletzte Tiere aufgesammelt und zur Pflege in entfernte Stationen gebracht. So kam er auf die Idee, in seiner Freizeit in Göttingen aktiv zu werden. Olaf ist einer Krähenattacke zum Opfer gefallen. Sie kostete ihn das Leben. Das wollen Austinat und sein Team den kleinen Hörnchen, die vor einigen Tagen im Brauweg aus dem Kobel geworfen wurden, ersparen. „Krähen habe den ganzen Wurf aus dem Nest geschmissen, das erste Hörnchen landete aus großer Höhe vor den Füßen von Passanten, es war nicht mehr zu retten”, erzählt Austinat. Den fünf Geschwistern, die ebenfalls Opfer der Krähe wurden, wird jetzt geholfen. Noch seien sei ihr Zustand kritisch. Wenn sie sich stabilisieren, sind sie die nächsten fünf Bewohner am Kehr.

Pepe hat eine Voliere für sich alleine. Das blinde Tier lernt noch, sich zu orientieren. „Er kommt aber schon prima zurecht”, sagt Austinat. Behände erkundet er sein neues Terrain, wer es nicht weiß, vermutet nicht, dass er blind ist. Austinat ist sein Ziehvater. Der behinderte kleine Gesell quiemt, als seine Bezugsperson die Voliere verlässt. Erwachsene Eichhörnchen sind häufig Einzelgänger, der Kleine ist es noch nicht. Außerdem bringt Austinat ja frische Melone und Apfel, liebevoll in Form geschnitten. „Die mag Pepe besonders gerne“. Auch eine Vase hat Austinat in je eine der drei Volieren im Boden versenkt. "Für frische Zweige”, sagt er. Seinen Schützlingen soll es an nichts fehlen. „Fehlt nur noch ein Babyfon“, sagt Stadtwald-Chefin Dzeia und lacht.

Die drei Damen lassen sich Zeit

Die drei Hörnchen-Mädels in der ersten Voliere sind jetzt 16 Wochen alt und quietschfidel. Sie sind für die Auswilderung bereit. Austinat öffnet die „Schleuse”, ein dickes Plastikrohr. Es gibt den Weg in die Freiheit frei. Die Damen lassen sich allerdings Zeit damit. Nüsse, Obst, Zweige, Spielzeug und kuschelige Kobel gibt es draußen nicht so leicht.

Förster Henrik Müller, Stadtwald-Chefin Lena Dzeia und Eichhörnchen-Päppler Jens Austinat. Quelle: bib

Pepe allerdings kann diesen Weg nicht gehen. „Damit ist klar, wir etablieren dieses Projekt hier”, sagt Dzeia. Sie vertritt die Auffassung, dass der Stadtwald für die Göttinger Bürger da ist. Und die freuen sich schon am ersten Tag des Einzugs über Pepe. Eine junge Mutter mit Kind bleibt stehen, und bestaunt das Eichhörnchen. Ebenso das Ehepaar Wolter. „Wir gehen häufig hier spazieren”, sagen sie. Dass jetzt ein Hörnchen am Wanderweg beobachtet werden kann, freut sie sehr.

Eichhörnchen-Notruf hilft

Kleine gelbe Metallschilder an der Tür weisen darauf hin, dass Eichhörnchen in der Voliere sind. Die Auswilderungsvolieren stehen vor den Besuchern geschützt weiter vom Zaun entfernt im Damwildgehege des Fachbereichs Stadtforst. „Die Tiere sollen sich ja nicht an Menschen gewöhnen“, sagt Austinat. Die Tiere turnen flink über ausgediente Feuerwehrschläuche, haben Spielzeug und handgemachte Filzkobel, die Eichhörnchenfreunde aus ganz Deutschland basteln. Eine engagierte Szene, die auch das bundesweite Projekt „Eichhörnchen-Notruf“ betreibt. Pepe, der Dauerpatient, hat seinen bunten Kobel schon erobert.

Rote und schwarze Eichhörnchen

Erwachsene Eichhörnchen sind meist Einzelgänger, nur in der Paarungszeit suchen sie Gesellschaft. So putzig sie auch sind, sie sind Wildtiere und fressen außer Nüssen und Früchten auch Jungvögel. Vor dem Winter fressen sich Eichhörnchen nur wenig Winterspeck an. Sie verstecken beispielsweise Nüsse in Depots. „Aktion Eichhörchen“ ist daher ein verbreiteter Begriff. Die Nager halten keinen Winterschlaf aber Winterruhe. In Deutschland leben rot-braune und dunkelbraune bis schwarze Eichhörnchen. „Die dunklen sind in Süddeutschland verbreitet, die hellen in Norddeutschland“, sagt Eichhörnchenretter Jens Austinat. Beide Arten kommen in Göttingen vor, die roten dominieren aber. Ein Problem, das sich in der Schweiz, Italien und in England bereits massiv verbreitet hat: Grauhörnchen. Die amerikanische Art gilt als hoch invasiv, wo sie auftritt, verdrängt sie das europäische Hörnchen.

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